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Radio Hamburg

Merkel gegen Steinbrück

17,63 Millionen Zuschauer sahen das TV-Duell

Berlin, 02.09.2013
TV-Duell, Angela Merkel, Peer Steinbrück, Getty Images

Im TV-Duell gab es keinen klaren Sieger.

War Peer Steinbrück überzeugender oder Angela Merkel souveräner? Am Tag nach dem TV-Duell und den ersten Umfragen sind die Zuschauer unsicher.

Nach dem Fernsehduell von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) ringen die politischen Lager an diesem Montag um die Interpretationshoheit. In Pressekonferenzen wollen alle fünf Bundestagsparteien ihre Sicht auf den Schlagabtausch unter die Medien bringen.

Steinbrück holt in Umfragen auf

Beim einzigen TV-Duell vor der Wahl hat es laut Umfragen am Sonntagabend keinen eindeutigen Sieger gegeben - der bisher abgeschlagene SPD-Herausforderer Peer Steinbrück konnte aber Boden gutmachen. Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einer ZDF-Befragung klar und bei RTL hauchdünn vorne lag, hat Steinbrück nach der ARD-Erhebung deutlich gewonnen. In der ARD war von einem „Etappensieg“ für Steinbrück die Rede. Auch im ZDF hieß es, der SPD-Mann habe trotz Niederlage im Duell insgesamt aufgeholt.

Steinbrück in der Offensive

Insgesamt war die 90-minütige Debatte sehr sachlich verlaufen. Angesichts des klaren Rückstands in allen Umfragen ging Steinbrück von Beginn an in die Offensive. Der SPD-Kandidat machte Merkel für „Stillstand“ verantwortlich. Als Kanzler werde er für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen. „Mein Plan von Deutschland ist: Gerechter und deshalb stärker.“ Merkel hingegen verteidigte ihre schwarz-gelbe Koalition. „Wir haben gezeigt, dass wir es können – und das in einer schwierigen Zeit.“ Deshalb wolle sie das Bündnis mit der FDP auch fortsetzen.

Kandidaten sprachen sich direkt an

Das Duell galt für den SPD-Herausforderer als möglicherweise letzte Chance, vor dem 22. September doch noch einen Stimmungswechsel zu schaffen. Immer wieder versuchte Steinbrück, Merkel aus der Reserve zu locken. Die CDU-Vorsitzende ging darauf jedoch nicht ein. Beide sprachen sich direkt an. Bislang hatte Merkel im Wahlkampf ihren Herausforderer ignoriert.

Mehrere Themengebiete kamen zur Sprache

Erwartungsgemäß zeichneten Kanzlerin und Kandidat ein völlig unterschiedliches Bild des Landes. Merkel sagte, Deutschland habe mit 29 Millionen Menschen so viele Beschäftigte wie nie zuvor. 2015 könne man erstmals wieder ohne neue Schulden auskommen. Dann warnte sie: „Wir dürfen nichts tun, was Arbeitsplätze in Gefahr bringt. Die Steuererhöhungspläne der Sozialdemokraten und der Grünen bringen die Gefahr mit, dass wir die gute Ausgangslage, die wir haben, nicht verbessern, sondern verschlechtern.“

Steinbrück entgegnete: „Wir wollen nicht die Steuern für alle erhöhen.“ Die SPD wolle jedoch die „fünf oberen Prozent“ der Einkommensbezieher stärker heranziehen. Mit einem Kanzler Steinbrück hätten die Bundesbürger insgesamt mehr Geld in der Tasche. Insbesondere warb er für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn.

Diskussion um Griechenland-Hilfe

Im Streit um ein mögliches drittes Rettungspaket für Griechenland ließ die Kanzlerin offen, wie hoch weitere Hilfen ausfallen könnten. „Keiner weiß genau, wie sich die Dinge in Griechenland entwickeln.“ Steinbrück hielt dagegen, man könne nicht immer nur die „Konsolidierungskeule“ schwingen. „Natürlich muss es zu einer Konsolidierung der öffentlichen Haushalte kommen, aber bitte nicht in einer tödlichen Dosis für diese Länder.“

Steinbrück will keine große Koalition

Die CDU-Chefin bekräftigte ihr Vorhaben, die Koalition mit der FDP fortsetzen zu wollen. „Ich möchte auch keine große Koalition. Niemand strebt sie an“, fügte sie hinzu. Steinbrück bekräftigte, dass er selbst in keine große Koalition gehen werde. Zwischen 2005 und 2009 war er Merkels Finanzminister.

Keine PKW-Mau unter Merkel

Deutlich wie noch nie schloss die CDU-Vorsitzende die Einführung einer Pkw-Maut auf Deutschlands Autobahnen aus: „Mit mir wird es keine Pkw-Maut im Inland geben.“ Das Thema war überhaupt erst durch ihren Koalitionspartner CSU aufs Tableau gebracht worden: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hatte eine Maut für Ausländer zur Bedingung für einen neuen Koalitionsvertrag gemacht. Seehofer erklärte dazu, für deutsche Autofahrer solle die Maut mit dem Kfz-Steuer-Bescheid abgegolten sein. „Ausländer hingegen müssen bezahlen. Das werden wir in Berlin vereinbaren und umsetzen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. „Und falls sich jemand aus Europa zu Wort meldet, dann werden wir verhandeln.“

So haben Sie das Duell gewertet

In unserem nicht repräsentativen Trendcheck haben wir Sie gefragt, ob Angela Merkel oder Peer Steinbrück Sie mehr überzeugt hat. Und das ist das Ergebnis: 50,5 Prozent fanden Peer Steinbrück überzeugender, 49,5 Prozent Angela Merkel.  

Gute Quoten für das TV-Duell

Jeder zweite Zuschauer guckte zu: Das TV-Duell hat diesmal mehr Zuschauer vor den Fernseher gelockt als vor vier Jahren, aber weniger als 2005. Auf allen fünf ausstrahlenden Sendern interessierten sich am Sonntag insgesamt 17,63 Millionen Zuschauer (50,7 Prozent Marktanteil) für die Wahlveranstaltung. Dieser Wert ist höher als vor vier Jahren, als etwas mehr als 14 Millionen Zuschauer dabei waren, aber niedriger als vor acht Jahren mit rund 21 Millionen.

Im Vergleich mit den Mitbewerbern hat die ARD das Duell ab 20.30 Uhr nach Einschaltquoten gewonnen. 10,11 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 29,1 Prozent) verfolgten am Sonntagabend im "Ersten" die verbale Auseinandersetzung zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Herausforderer Peer Steinbrück. Im ZDF schalteten zeitgleich 3,71 Millionen Zuschauer (10,7 Prozent) das Duell ein, auf RTL 2,22 Millionen Zuschauer (6,4 Prozent), auf ProSieben 1,51 Millionen (4,3 Prozent) und auf Phoenix 0,08 Millionen (0,2 Prozent).

Bemerkenswert ist die Verteilung des jüngeren Publikums zwischen 14 und 49 Jahren: Auf das "Erste", sonst nicht so sehr im Fokus der Jüngeren, entfielen 22,7 Prozent, auf die Privatsender deutlich weniger: 8,4 Prozent waren es bei RTL, 8,0 Prozent bei ProSieben. Beim ZDF betrug der Marktanteil in diesem Segment 6,4 Prozent. Auch in der Nachberichterstattung hatte die ARD die Nase vorn: Günther Jauchs Analyse verfolgten ab insgesamt 8,23 Millionen Menschen (30,3 Prozent), das "heute-journal spezial" 3,41 Millionen (11,9 Prozent), die RTL-Aufarbeitung 1,92 Millionen (5,9 Prozent) und Stefan Raabs "Absolute Mehrheit spezial" auf ProSieben 1,21 Millionen (4,3 Prozent).

(dpa / ste)

 

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