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Noch 24 Tage - Wie öffentlich darf Liebe sein?

Mr. und Mrs. Foto auf einer Heckscheibe

Zu viel Information? Manchmal muss man sich nicht alles auf das Auto kleben. 

Es gibt Paare, die können im Club nicht die Finger voneinander lassen und die, die händchenhaltend in der Stadt bummeln. Nerven beide gleichermaßen?

Seitdem der Hochzeits-Countdown läuft und mein Blog online ist, bekomme ich viele Reaktionen darauf. Nicht nur positive, sondern auch kritische. Diese Email habe ich zum Beispiel von Polly bekommen:

Guten Tag,
ich höre Radio Hamburg eigentlich immer gern. Die einzige Jahreszeit wo ich umschalte, ist Weihnachten. Hier steht die Familie im Vordergrund und viele sind Single oder können Weihnachten nicht mit der Familie verbringen. Da ist es unerträglich, wie sehr auf perfekte Welt gemacht wird. Derzeit habe ich meine Probleme mit der Morgenshow. Es geht immer nur um das Thema „Hochzeit von Anke“. Ihr seid sicherlich tolle, nette Menschen aber was Eure Beziehung angeht ... so what??!? Wer will es wissen? Ich finde es toll, dass Anke heiratet!! Wirklich. Ein Hoch auf die Liebe! Aber das tun Millionen Menschen. Warum wird dieses JEDEN Morgen thematisiert? Sorry aber es nervt mich persönlich sehr. Euch einen schönen Tag und eine gute Woche, Polly.

Wie weit darf es gehen?

Die große "Wen-interessiert-das-Frage". Eigentlich ist es ganz einfach: wir sind alle Menschen mit einem Privatleben. Wir reden auch in der Morning-Show darüber, weil wir Menschen sein wollen und nicht einfach nur "Stimmen" die Schlagzeilen, Musikinfos und Verkehrsmeldungen runter rattern. So entsteht ja überhaupt erst eine Bindung zwischen uns und unseren Hörern.
Wenn jemand heiratet oder ein Baby bekommt, erzählt er anderen davon, weil Menschen von Natur aus soziale Wesen sind. Als soziales Wesen teilt man sich anderen mit und wenn man Freude empfindet, teilt man diese mit anderen. Wie war das? "Glück ist das Einzige was sich verdoppelt, wenn man es teilt." Deswegen landen Fotos von Kindern kurz nach der Geburt bei Facebook, oder auch Urlaubsfotos, Bilder vom Dinner beim Italiener, Hochzeitsfotos. Da ticken wir alle gleich! Die einzige Frage die sich wirklich stellt, ist die nach dem "Wie". Wie öffentlich darf Liebe sein? Die Frage kam bei mir vor Kurzem auch auf, als ich an der Ampel hinter einem Auto stand, das auf der Heckscheibe folgende Botschaft aufgeklebt hatte: "Mr. & Mrs.", dazu ein großes Herz. Natürlich fragen sich da viele Verkehrsteilnehmer: "Was interessiert mich das?", genauso auch wenn die Geissens sich mal wieder bei RTL2 präsentieren und plötzlich rauskommt, dass Carmen seit 2 Jahren kein Wort mit ihren Schwiegereltern - also Roberts Eltern - spricht: WEN interessiert es? Diejenigen, die gerade in einer ähnlichen Situation stecken, diese kennen oder sie nachempfinden können. Oder einfach Menschen, die etwas haben, das für einen sozialen Charakter sehr typisch ist: Empathie! Mitfühlen, mitleiden oder sich mit anderen freuen: das ist etwas, was den Menschen von der Maschine unterscheidet. In einigen Fällen steckt auch der Wunsch nach Inspiration dahinter: die Art und Weise wie Menschen mit gewissen Situationen oder Ereignissen umgehen, kann auf mich und meine Lebensweise durchaus inspirierend wirken. Ich selbst sehe mir gerne "Goodbye Deutschland" oder "Auf und davon" an. Mich interessieren die Geschichten der Menschen, die für immer ins Ausland gehen. Ich will wissen mit welchen Ideen sie Fuß fassen wollen, ob sie den Neuanfang schaffen oder ob sie scheitern und wieder zurückkommen. Besonders interessant wird es dann, wenn sie als Paar auswandern. Schweißt sie das endgültig und für immer zusammen oder geht die Beziehung an all diesen Herausforderungen zu Bruch?

Nicht den Bogen überspannen

Wie schön ist es doch manchmal, dass andere Menschen die gleichen Probleme haben wie wir, dass auch sie sich im Leben durchbeißen müssen. Wie praktisch ist es, dass andere schon etwas hinter sich haben, was ich noch vor mir habe und ich kann mir eventuell etwas abschauen. Im Prinzip genau wie Polly es selbst in ihrer Email geschrieben hat: "....Anke heiratet (...) aber das tun Millionen Menschen." Genau!
Andererseits: wer gibt schon gerne zu, wie sehr ihn das Leben der anderen manchmal doch interessiert oder wie schnell und fast schon automatisch er sich selbst mit anderen vergleicht?
Wenn Liebe öffentlich wird, beginnt das ja bereits mit Händchenhalten oder einem Kuss im Einkaufszentrum. Mathias und mich sieht man öfter mal Händchen haltend durch die City spazieren, wobei er damit auch gerne verhindert, dass ich ihm abhaue und schon wieder im nächsten Laden zum Shoppen verschwinde. Wie oft haben wir uns - in den Zeiten unserer Wochenendbeziehung - erst einmal lange am Flughafen umarmt und geküsst, nachdem wir uns endlich wieder hatten? Auch bei anderen sehe ich das immer wieder gerne, besonders wenn der Ort ein Bahnhof oder Flughafen ist. Ich kann da einfach sehr mitfühlen und mich mitfreuen. Zu viel wird es mir aber manchmal auch. Abends im Club zum Beispiel, wenn zwei schwer Verliebte sich keinen Kuss mehr geben, sondern einen unendlich ausufernden Zungenkuss und weiter geht es mit Fummeln. Sobald ganz einfach die Außenwelt keine Chance mehr hat daran teilzuhaben, weil der Bogen überspannt ist und das Ganze auch keine Privats-, sondern vielmehr Intimsphäre ist.

Mitfühlend, wenn man sich mit anderen identifizieren kann

Ich werde auch nie den Samstagabend in der Cocktail-Happy-Hour vergessen. Hier saß ich mit zwei Freunden, hatte lange meinen Spaß, bis irgendwann ein befreundetes Pärchen der beiden dazu kam. Dass die beiden ein Paar sind, wusste ich nach weniger als 5 Minuten. In absolut jedem Satz verwendete sie die "Wir-Form" und er bestätigte sie am Ende ihrer Aussage. Als eigenständige Menschen sahen sich die beiden offensichtlich nicht mehr, seitdem sie zusammen waren. Ständig wurde ich mit Anekdoten aus ihrem gemeinsamen Leben bombardiert. Mir fiel zum Beispiel auf, dass die Stühle in der Bar ganz schön klein sind und die Sitzfläche ziemlich schmal. Fast so, als wären es Kinderstühle. Was sagt sie? "Ich sitze sowieso immer am liebsten auf Schatzis Schoß, das ist mein perfekter Stuhl". Er: "Ja Mausi, ich weiß doch". Schatzi und Mausi haben mich an diesem Abend einmal komplett wahnsinnig gemacht. Mein Problem: mit diesem Paar konnte ich mich nicht identifizieren. Denn bei dieser überharmonische Beziehungswelt in der sich alles nur um das gelebte "Wir" und eine Insider-Geschichte nach der anderen dreht, hat mir das Gefühl gegeben, überforderte Außenseiterin zu sein und nicht Mitfühlende oder Teilhabende.
Es gibt also einen Unterschied: Kuss oder Zungenkuss, Händchenhalten oder Fummeln, viel von sich erzählen oder zu viel von sich erzählen. Wie öffentlich darf Liebe sein? Am Ende ist das also doch keine "Wie"-Frage, sondern eine Frage nach dem "wie viel" und "wie sehr".

Diese Stars machen alles öffentlich : Liebe, Hochzeit, Familie,  Hausbau:

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Für die meisten ist ihre Liebe und Beziehung etwas ganz privates, das sie nur mit bestimmten ...

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