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Radio Hamburg

Das ABC des Datings

Warmgehalten werden zu Zeiten des Online-Datings

Hamburg, 21.08.2017
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Immer weniger Leute lassen sich auf eine feste Partnerschaft ein. Was das zu Zeiten des Online-Datings für Phänomene hervorruft, zeigt das ABC des Datings.

Wenn Omi wieder zu viele Frikadellen gemacht hat, werden die restlichen aufbewahrt und die nächsten Tage zum Mittag gegessen. Eventuell, denn vielleicht gibt es am nächsten Tag dann doch die Lasagne. Frikadellen halten sich ja schließlich gut einige Tage ohne zu verderben. Ja, die Frikadellenkultur lässt sich auch sehr gut auf das Dating-Verhalten übertragen.

Das Prototypen-Szenario

Man beginnt zu schreiben, trifft sich ein oder zwei Mal zum Date. Alles läuft super, die Dates waren klasse. Plötzlich kommt jedoch nichts mehr. Die Nachrichten werden weniger. Ab und zu gibt es ein „Hallo, wie geht’s?!“ und schon ist man im Frikadellen-Kreislauf gefangen. Sich nicht mehr richtig festlegen wollen, ist eben schon entspannend. Keinen Beziehungsstress, einfach eine Frikadelle wenn man mal Lust drauf hat. Auf die Frage kommt dann tagelang nichts. Bis sich der „Warmhalter“ dann wie aus dem Nichts meldet um eben seiner Aufgabe nachzugehen. Dich warmzuhalten.

Wieso sich niemand mehr binden will

Besser, schneller, höher. Es gibt so viele Superlative, die man für sich beanspruchen möchte, wenn man sich seinen Partner aussuchen will. Das Angebot ist zu Zeiten von Tinder ja nicht gerade gering. Dating wird zu Olympia. Einen stört plötzlich doch die Nase des anderen? Nun ja, das Angebot ist ja, Himmel sei Dank, so unerschöpflich wie Hermines Tasche. Das Angebot ist groß und man möchte sich nicht festlegen, schließlich könnte der perfekte Partner ja immer noch da draußen rumschwirren. 
Zusätzlich ist es natürlich auch bequemer, sein Herz nicht vollständig zu öffnen. Wenn die Angst verletzt zu werden zu groß ist, hält man es eben ganz locker. Den anderen abrufbereit haben.  
Jemanden darauf ansprechen, wenn einen etwas stört? Kann man nicht bringen, denn heutzutage ist schließlich alles ganz unverbindlich! Chill mal, wir sind schließlich nicht zusammen.
Dann ist man lieber im Team-Frikadelle und antwortet dann, wenn die „Alles gut?“-Nachricht eintrudelt. Bloß kein Wort verlieren.

Die neusten Beziehungstrends

Für verschiedenste Dating-Verhalten gibt es natürlich auch schon Anglizismen. Wenn einem beim Kennenlernen, die folgenden Verhalten auffallen sollten, sollte man auf jeden Fall ehrlich mit sich selbst sein. „Nein, er hält mich nicht warm. Wir sind schließlich nicht zusammen, was soll ich denn sagen ?“- sollte man sich niemals selbst einreden und einreden lassen. Wenn einem etwas seltsam vorkommt, sollte man es ansprechen können. Gehen, bevor man tief im Emotionsstrudel gefangen ist.

ABC des Datings

  • Benching

    Die First-Class-Frikadellen-Ersatzbank. Beim „Benching“ wird der eine Datingpartner vom anderen hingehalten. Nachrichten kommen in großen Abständen. Abstände die zu groß sind um eine Unterhaltung zu entwickeln, in der der andere ein wirkliches Interesse zeigen kann. Die Nachrichten sind so dosiert, dass man das Gegenüber trotzdem noch im Kopf behält.

  • Catfishing

    Identitätsdiebstahl der feinsten Sorte. Auf Online-Portalen wie Facebook, Tinder etc. wird mit einer geklauten Identität auf Partnerjagd gegangen. Das hinter dem besagten Profil nicht Channing Tatums kleiner Bruder steckt, fällt vielen leider erst auf, wenn Gefühle involviert sind.

  • Zombieing

    Und plötzlich ist er wieder da. Auferstanden von den Toten. Der Ex meldet sich. Liked alte Bilder, kommentiert fröhlich Statusmeldungen. Aber Achtung: Nicht unbedingt um wieder in die alte Beziehung zu gehen! Meistens geht es um die eigene Bestärkung des Egos.

  • Hyping

    Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt! Als erstes wird man gehyped als gäbe es kein Morgen mehr, dann wird man fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Dabei weiß derjenige, der das „Hyping“ betreibt, von Anfang an ganz genau, dass die Person nur eine Übergangslösung ist – um zum Beispiel über eine Trennung hinwegzukommen.

  • Ghosting

    Veni, vidi, vici!  Er  kam, sah und siegte!  So in etwa funktioniert die Paradedisziplin "Ghosting". Es kommt zum völligen Kontaktabbruch, als hätte der Partner nie existiert – und das ohne Ankündigung.

  • Tuning

    Hierbei handelt es sich um einen harmlosen Kontakt, bei dem der eine sich in einer schlechten Partnerschaft befindet und versucht sein eigenes Gemüt zu besänftigen. Es geht bei dieser Art der Kommunikation nie über den schriftlichen Verkehr hinaus. Am Ende wird meistens sogar noch abgestritten, dass die Nachrichten als Flirt gemeint waren. War ja schließlich alles nur rein freundschaftlich. Klar.

  • Breadcrumbing

    Schon Hänsel und Gretel sind den Brotkrumen gefolgt um aus dem Wald zu kommen. Hat allerdings nicht so gut funktioniert. Genauso funktioniert Breadcrumbing. Anstelle des Brots, wird hier jedoch mit Likes und lieben Nachrichten um sich geworfen. Das Endziel ist dabei nicht eine Beziehung. Das Ziel ist der Weg. Auch hier führen die Brotkrumen leider nicht aus dem Wald raus.

  • Vorschlag: Couraging

    Warum nicht allen Mut zusammennehmen und zu seinen Gedanken und Gefühlen stehen? Auf Englisch „courage“ bedeutet zu Deutsch „Mut“. Den Mut Nein  zu sagen und all das zu sagen, was man möchte. Denn, ab heute wird nichts mehr warmgehalten.

(lsh)