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Radio Hamburg

Planungsstress vor der Hochzeit

Planungsstress vor der Hochzeit

Streiten gehört zu Partnerschaften dazu, vor und nach der Hochzeit. Damit nicht schon die Planung zum Dauerstreitfall wird, sollten die Konfliktherde bekannt und Kompromissbereitschaft vorhanden sein.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet: 6-mal Streitpotenzial bei der Hochzeitsplanung – und Wege um sie herum.

Der schönste Tag im Leben, das verheißt Harmonie, Liebe, Leichtigkeit. Bis der Hochzeitstag allerdings tatsächlich gekommen ist, muss mit allergrößter Wahrscheinlichkeit noch die eine oder andere Hürde genommen werden. Im Allgemeinen wird das überschrieben mit „Die Hochzeitsplanung“. Und die birgt im schlimmsten Fall Punkt für Punkt das Potenzial, aus zwei Liebenden mit Eheabsicht zwei unablässig Streitende zu machen. Damit dieses Größte Anzunehmende Ungemach möglichst nicht oder nur in vertretbaren Dosen ein tritt, sollten daher schon frühzeitig die wirklich kritischen und diskussionswürdigen Punkte der Hochzeitsvorbereitung identifiziert und geklärt werden.

Punkt 1: Das Timing

„Im Ehestand muss man sich hin und wieder streiten, sonst erfährt man ja nichts voneinander.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Inwieweit Deutschlands Vorzeigedenker bei diesem Ausspruch aus eigener Erfahrung sprach – möglicherweise nicht zu klären. Ebenso wie die Frage, ob der Streitfall wirklich zwingend notwendig ist, damit die Eheleute einander besser kennenlernen. Dass seine Betrachtung aber auch für den Vorehestand seine Richtigkeit haben dürfte und streiten in Partnerschaften ein recht natürliches Phänomen ist, kann vermutlich so ziemlich jedes Ehepaar aus seiner Erfahrung bestätigen.

Anlass für auszutragende Differenzen sind häufig genug Stresssituationen, in denen es um das Nervenkostüm ohnehin schon nicht zum Besten bestellt ist. Wie zum Beispiel während der Hochzeitsvorbereitungen. Da geht es nun wirklich auf einen großen und wichtigen Anlass zu und jedes Detail birgt plötzlich das Potenzial, das berühmte Fass zum Überlaufen zu bringen.

Termin für die Hochzeit

Besonders schlimm: Wenn besagtes Fass schon gleich zu Beginn der Planungen übervoll ist. Was ohne weiteres möglich ist, weil schon die Terminfindung für den Hochzeitstag zum Problem werden kann. Der soll in vielen Fällen einen gewissen Symbolcharakter haben, das Datum der Eheschließung entspricht dann etwa dem Datum des Kennenlernens, des ersten Kusses, denkbar sind aber genauso andere Ereignisse – wichtig ist in erster Linie, dass sie für die Brautleute schon eine Bedeutung haben, die sie mit in die Hochzeit einbringen wollen.

Planungsstress vor der Hochzeit

Die Schwierigkeit hierbei ist das mögliche Ungleichgewicht beim Bemessen dieser Bedeutung und damit verbundenen unterschiedlichen Vorstellungen, was denn als bedeutsames Datum überhaupt in Frage kommt. Romantik steht dann unter Umständen gegen reinen Pragmatismus, das „An dem Tag haben wir uns zum ersten Mal gesehen“ gegen „Hauptsache, an dem Tag ist nicht das Champions League-Finale“. Da prallen Welten aufeinander, die ein Ausdiskutieren unumgänglich machen.

Bei allen Wünschen nach einem romantischen Symbolcharakter, so ganz ohne den pragmatischen Ansatz wird es gegebenenfalls nicht gehen. Weil an dem ausgewählten Tag keine Termine mehr beim Standesamt und/oder der Kirche zu bekommen sind. Weil das Wunschdatum auf einen Wochentag fällt, an dem vermutlich niemand zu feiern kommen könnte. Oder weil andere, wenn auch weit weniger wichtige Ereignisse schon früher angemeldet waren. Da hilft alles Wünschen nichts: Der Romantik-Gedanke muss letztlich doch mit der Realität kompatibel sein.

Start der Vorbereitungen für die Hochzeit

Um noch einmal auf den Stress als Streitauslöser in Verbindung mit dem Faktor Zeit zurückzukommen – jegliche Diskussion im Vorfeld einer Hochzeit sollte (wenn überhaupt) frühzeitig geführt werden. Ein zu kleines Zeitfenster ist sehr dazu angetan, ganz unnötigen Stress zu verursachen. Auf den letzten Drücker eine Hochzeit zu planen ist ein von Anfang an zum Scheitern verurteiltes Unternehmen.

Dazu gibt es schlicht und ergreifend zu viel zu organisieren und zu bedenken. Damit kein wichtiges Detail – etwa in Ringform oder dergleichen – vergessen, übersehen oder mit Nichtbeachtung gestraft wird, sollte ein ausreichend großer Zeitraum zwischen dem gefassten Entschluss zur Ehe und dem tatsächlichen Vollzug liegen.

Punkt 2: Die Arbeitsaufteilung

„Die meisten Differenzen in der Ehe beginnen damit, dass eine Frau zu viel redet und ein Mann zu wenig zuhört.“
(Curt Goetz)

Ein klassisches Problem jeder Partnerschaft, das nicht nur auf der evolutionären Entwicklung, sondern meistens auf grundsätzlich unterschiedlichen Rollenauslegungen beruht.

Aufgaben auf beide Partner verteilen?

Zugegeben, es ist vielfach wohl tatsächlich besser, nicht den Bräutigam mit dem Aussuchen von Brautstrauß oder der Dekoration zu betrauen. Es ist dennoch möglich, die Aufgaben in der Hochzeitsvorbereitung nicht auf die Schultern einer einzigen Person zu laden, es gibt schließlich genug. Heißt insbesondere für die werten Gatten: Zurückziehen und sich in sein Schicksal ergeben kommt nicht in Frage und den Anzug für die Hochzeit kaufen zu gehen, ist zwar Bestandteil der Vorbereitungen, aber – im Zweifelsfall gibt es durchaus wichtigere.

Dabei darf dann gerne geholfen werden, am besten nach individuellen Stärken und nach Absprache aufgeteilt. Geteiltes Leid eben. So lassen sich Situationen am Rande der Überforderung (oder darüber hinaus) vergleichsweise einfach vermeiden.

Hilfe annehmen – oder ablehnen

Apropos geteiltes Leid. Wenn vier Schultern doch nicht ausreichen sollten, um die Last der Vorbereitungen zu tragen, stehen für gewöhnlich Freunde und Familie mit Rat und Tat zur Seite. Eine riesige Erleichterung – oder ein nicht minder großes Desaster. Das Problem, gerade wenn Hilfe bei den Eltern – oder bei den stets anstrengenden Schwiegereltern – gesucht wird: Die Emanzipation von selbigen.

In dieser Hinsicht müssen sich Heiratswillige, ganz gleich welchen Alters, keine Illusionen machen. Sie werden in den Augen der Eltern immer die Kinder bleiben und immer auch mindestens ein Stück weit so behandelt werden. Von liebgemeinten Ratschlägen zu einer handfesten Einmischung oder richtiggehender Bevormundung ist es oft nur ein kurzer Weg. Überhaupt ist Familie immer ein heikles Thema, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Es geht bei wichtigen Anlässen wie einer Hochzeit nicht ohne sie, aber sie einzuladen ist unter Umständen mit Risiken verbunden – siehe Punkt 3 „Die Gästeliste“. Insofern sind die Hochzeitsvorbereitungen der späteste Zeitpunkt, um sich aus den elterlichen Armen zu lösen und auf eigenen Beinen zu stehen.

Extremfall „Bridezilla“

Umgekehrt gibt es keinen Anlass, zur Plage für das familiäre Umfeld zu werden, nur weil eine Hochzeit bevorsteht. Dass Bräute, die ihren Hochzeitstag ein wenig zu ernst nehmen und schon im Vorfeld aus der Rolle fallen, in Verbindung gebracht werden mit dem japanischen Filmmonster Godzilla. Das liegt nicht nur an der ähnlich konsequenten Art und Weise, über alles und jeden hinweg zu gehen, die sich zwischen Bridezilla und ihre Hochzeit drängen könnten.

Planungsstress vor der Hochzeit

Es liegt auch an dem übertrieben ausgeprägten Wunsch, am Tag der Hochzeit der unbedingte Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit zu sein – wenngleich Godzilla das aufgrund der turmhohen Größe wohl eher unbeabsichtigt schafft. Dazu kommt vielfach ein großer Hang zur Perfektion, der selbst kleinste Abweichungen von den Vorstellungen bestraft. Schlimmstenfalls mit Nervenzusammenbrüchen, wenn die Torte nicht hoch genug ist.

Wenn die Braut also Tendenzen übermäßiger Kontrollsucht bemerkt und alle Vorbereitungen auf sich ausrichtet, ist spätestens ein tiefes Durchatmen angesagt – als Braut stehen die Frauen ohnehin im Mittelpunkt, selbst wenn der Ablauf nicht auf sie alleine zugeschnitten ist.

Punkt 3: Die Gästeliste

„Zum Heiraten gehören immer zwei: Ein Mädchen und ihre Mutter.“
(Adele Sandrock)

Ein weiterer Streitpunkt-Klassiker, denn wenn die Brautleute nicht gerade dazu neigen, Hals über Kopf einfach durchzubrennen, um Verwandtschaft und Freunde anschließend vor vollendete Tatsachen zu stellen, muss geklärt werden, wer denn nun überhaupt den schönsten Tag im Leben mit dem glücklichen Paar verbringen darf.

Wer wird eingeladen?

So lautet eine der schwierigsten Fragen überhaupt. Eine, die womöglich für Redebedarf sorgt. Die Vorstellungen darüber, wer zu den Hochzeitsfeierlichkeiten eingeladen werden muss, können schnell auseinandergehen. Einfacher wird es vielleicht, wenn statt des Einladungszwangs der Einladungswunsch des Hochzeitspaares im Vordergrund steht. Immerhin ist es deren Hochzeitstag, also sollten die Brautleute ohne Frage das letzte Wort bei der Auswahl der Gäste haben.

Bei diesem Punkt sollte es keine Einmischung von außen geben, zu groß ist das Diskussionspotenzial der Gästeliste: Sie will unbedingt die entfernt lebende Großtante noch einladen, die sie zuletzt im Kindergartenalter gesehen hat. Er findet umgekehrt die Anwesenheit sämtlicher Saufkumpane aus Schulzeiten unerlässlich. Und natürlich findet jeder die Vorschläge des anderen inakzeptabel.

In solchen Fällen stößt selbst der Versuch, dem eigenen Wunsch mehr zu folgen als den allgemeinen Erwartungen, an seine Grenzen. Jedenfalls ist in diesen Situationen Kompromissbereitschaft gefragt. Andererseits braucht es die wirklich nicht, wenn es um potenzielle Gäste geht, die eben nicht eingeladen werden sollen. Da kann es auch mal die Verwandtschaft treffen, aber letztlich sollte einzig und allein das Brautpaar entscheiden.

Wer sitzt wo und neben wem?

Planungsstress vor der Hochzeit

Das gilt in gleicher Weise für die berüchtigte Tischordnung, die sich als noch komplexeres Thema als die Gästeliste herausstellen kann. Meistens ganz zu Unrecht, denn die Komplikationen bringen häufig die Brautleute selbst in das Arrangement der Gäste ein – weil sie sich zu viele Gedanken machen.

Ja, eine Hochzeit ist auch die Zusammenführung zweiter Familien, aber das Kennenlernen sollte trotzdem nicht erzwungen werden. Ähnliches gilt für Freunde. Natürlich könnte man Karteien damit führen, wer welche Interessen mit wem teilt, damit es nur wirklich zum Tischgespräch kommt.

Das heißt aber noch lange nicht, dass die Chemie zwischen den Betroffenen tatsächlich stimmt. Im Normalfall finden sich die Leute von alleine zusammen, besonders bei Tisch. Das gegenseitige Kennenlernen ist daher eher etwas für den weniger offiziellen Teil der Feierlichkeiten, wenn sich die Sitzordnung von ganz alleine auflockert. Also besser auf Experimente verzichten und den Dingen ihren Lauf lassen.

Der Umgang mit schwierigen Gästen

Letzteres ist allerdings nicht in allen Gästebelangen angebracht. Wenn es zu unschönen Szenen auf der Hochzeitsfeier kommt – und das lässt sich leider nie kategorisch ausschließen –, ist ebenso bestimmtes Vorgehen gefragt wie bei der Auswahl der Gäste. Die ist übrigens ein probates Mittel, um Entgleisungen jedweder Art schon vorab möglichst unwahrscheinlich zu machen.

Bestehen zwischen verschiedenen möglichen Hochzeitsgästen Spannungen mit Entladungspotenzial, ist es vielleicht der Harmonie am dienlichsten, diese nicht dabei zu haben. Oder eben für eine ausreichende Entfernung zwischen den Streithähnen zu sorgen, um die Kontaktmöglichkeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Allerdings dürfte das Brautpaar zu beschäftigt sein, um sich selbst um problematische Entwicklungen zu kümmern – und die müssen nicht immer im zwischenmenschlichen liegen, sondern stehen bisweilen auch im Zusammenhang mit alkoholhaltigen Getränken.

Auch dann ist es absolut legitim, um Hilfe zu bitten und Verwandte oder Freunde, die den möglichen Unruhestiftern nahestehen, damit zu beauftragen, doch ein Auge auf diese zu haben. Die können dann rechtzeitig vor einer Eskalation für ein hoffentlich unauffälliges Entfernen der Problemgäste von der Feier sorgen.

Punkt 4: Das Budget

„Das eben ist der Liebe Zaubermacht, dass sie veredelt, was ihr Hauch berührt. Der Sonne ähnlich, deren goldener Strahl Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Der Zaubermacht von Liebe und Sonne sind allerdings insofern Grenzen gesetzt, als die Verwandlung in Gold nur scheinbar ist. Ansonsten wäre das Thema „Budget“ vermutlich gar keines, weil sich niemand über die Kosten seiner Hochzeit Gedanken machen müsste. Die Realität sieht da im Großteil aller Fälle leider anders aus. Unter Umständen sogar sehr anders.

Wie viel Hochzeit ist bezahlbar?

Selbstverständlich kann jeder die überschwänglichsten Vorstellungen von seiner Hochzeit haben. Träumen ist erlaubt, keine Frage. Am Ende muss die Hochzeit aber doch bezahlt werden und je umfangreicher die Planung, desto schneller und höher steigen die Kosten. Da die wenigsten auf einen (eigenen) Erfahrungsschatz zurückgreifen können, ist stattdessen vorausschauendes Planen unabdingbar.

Was darf die Hochzeit kosten?

Um böse Überraschungen und finanzielle Nöte zum Start ins Eheleben zu verhindern, gibt es zwei Wege:

1.    Der Budgetrahmen wird festgelegt, danach starten die konkreten Planungen.

Dazu muss erst einmal geklärt werden, wer denn überhaupt was zum Bestreiten der Kosten beisteuern kann (kleiner Tipp am Rande: Finanzielle Gerechtigkeit und ein Polster für die ersten Ausgaben kann ziemlich leicht mit einer Hochzeitskasse erreicht werden, in die beide Partner bis zum Termin der Trauung monatlich einen Betrag X einzahlen. Reicht wahrscheinlich nicht für alles, aber da auch im Vorfeld schon genug Kosten auflaufen, sind die regelmäßigen Einzahlungen eine gute Sache .).

Anschließend kann eine Prioritätenliste erstellt werden, die mit den finanziellen Möglichkeiten abgeglichen wird. Im günstigsten Fall wurden zu diesem Zweck schon Erkundigungen eingeholt, wie schwer die größten Kostenpunkte (Location, Essen, Musik, Fotograf etc.) zu Buche schlagen. Damit durfte schnell klar werden, was umgesetzt werden kann und was nicht.

2.    Drauflos träumen – und anschließend streichen.

Vermutlich die Variante, die für die größeren Enttäuschungen sorgt. Besonders schwierig wird es, wenn sich das Brautpaar auf bestimmte Programmpunkte versteift, die zwar auf dem Papier sehr schön wirken, aber letztlich nicht bezahlbar sind. Deshalb muss bei diesem Verfahren von Anfang an klar sein, dass es sich in erster Linie um eine Spinnerei handelt – und zwar eine, die immerhin aufzeigen kann, welche vielleicht völlig unerwarteten Kostenpunkte auf das Brautpaar zukommen.

Alle Fragen rund um das Budget und die damit verbundenen Möglichkeiten erfordern von Braut und Bräutigam ein Mindestmaß an Kompromissbereitschaft – eventuell sogar deutlich mehr. Das gilt natürlich zum einen für die finanzielle Machbarkeit der Wünsche, zum anderen auch für die unterschiedlichen Vorstellungen darüber, was unbedingt sein muss.

Punkt 5: Die Erwartungen

„Das Geheimnis einer glücklichen Ehe besteht darin, Katastrophen als Zwischenfälle und Zwischenfälle nicht als Katastrophen zu behandeln.“
(Harold George Nicolson)

Überhaupt sind die Erwartungen das vielleicht größte Hindernis für eine entspannte Hochzeit und zugleich einer der häufigsten Streitpunkte. Weil sie auf so vielen verschiedenen Ebenen wirken und so etwas wie den roten Faden der Planungen darstellen. Sowohl eigene als auch projizierte Erwartungen anderer haben dabei jeweils Konfliktpotenzial.

Eigene Erwartungen

Sicher, der Hochzeitstag ist ein wirklich besonderes Ereignis, denn er markiert den Übergang in eine neue Lebensphase und findet – wenn man die Ehe ernst nimmt – nur ein einziges Mal statt. Entsprechend hoch schrauben sich in vielen Fällen die Erwartungen. Die häufigsten Problemfelder sind in diesem Zusammenhang die Erwartungen an

  • Perfektion.

Um es kurz zu machen: Die ist vermutlich kaum bis gar nicht zu erreichen. Allerdings ist das zu einem Großteil davon abhängig, welches Verständnis von Perfektion bei den Brautleuten vorherrscht. Für manche ist es ausreichend, wenn sie eine friedliche und lustige Hochzeit mit ihren Gästen feiern können, selbst wenn sich kleinere Missgeschicke in den Ablauf drängen.

Planungsstress vor der Hochzeit

Für andere (siehe die Ausführungen zu Bridezilla) ist selbst die minutiöseste Umsetzung der Planungen gerade gut genug und der Tag ist nur dann gelungen, wenn die Hochzeit wie eine Theateraufführung von statten gegangen ist, in der keiner der Anwesenden aus der ihm zugedachten Rolle gefallen ist und alles an seinem Platz war. Niemand hat behauptet, dass Hochzeiten immer eine entspannte Angelegenheit sind.

Das wird sie aber, wenn auch Raum für Pannen und Missgeschicke ist. Die sorgen meist über Jahre für Lacher und sind meist die charmantesten Erinnerungen an den großen Tag. Wie genau die Tischdekoration ausgesehen hat oder welche Schriftart für die Menükarte ausgewählt wurde – daran wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemand mehr erinnern.

  • die Umsetzung von Trends.

Hochzeiten sind immer von verschiedenen (modischen) Trends geprägt und es ist absolut legitim, sich davon inspirieren zu lassen. Es sollte nur klar sein, dass Pinterest oder Style-Blogs Idealbilder solcher Trends präsentieren. Die dürften nur unter erschwerten Bedingungen genauso umsetzbar sein.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es um die Frisur, das Kleid, die Dekoration, die Torte, die Einladungen, die Location oder was auch immer geht – keine Hochzeit wird tatsächlich so werden wie die Hochglanzdarstellungen im Netz. Was nicht weiter schlimm ist. Immerhin wird bei der Hochzeit die Verbindung zweier Individuen gefeiert und deswegen ist etwas mehr Individualität durchaus wünschenswert. Schon weil es unnötige Frustmomente verhindert. Abgesehen davon ist ohnehin fraglich, ob bestimmte Hochzeitstrends überhaupt konsensfähig sind zwischen den Brautleuten.

  • die Zeremonie.

Interessanterweise ist individuelle Ausgestaltung bei der Zeremonie, ganz gleich ob standesamtlich oder kirchlich, ein sehr großes Thema. Immer mit der Gefahr der symbolischen Überfrachtung. Es muss dann auch nicht jedes Detail der Zeremonie eine Brücke zum (gemeinsamen) Lebenslauf des Hochzeitspaares sein. Ganz besonders dann nicht, wenn es den zeitlichen Rahmen des offiziellen Parts in anstrengende Längen zieht.

Planungsstress vor der Hochzeit

Der größte „Streitpunkt“ betrifft aber eher Grundsätzliches: Reicht die standesamtliche Trauung beiden Partnern aus oder besteht sie/er auf der kirchlichen? Und was ist im Fall unterschiedlicher Meinungen? In jedem Fall ist das eine Frage, die vorzeitig geklärt werden sollte.

  • die Geschenke.

Eigentlich heiratet ja niemand wegen der Geschenke. Trotzdem ist es legitim, Wünsche zu äußern. Am besten sogar unmissverständlich. Das erspart dem Brautpaar Handtücher in einer Menge, die einen Hotelbetrieb versorgen könnte, und Elektrogeräte (Stichwort „Föhn“), für die es aus verschiedensten Gründen keine Verwendung gibt. Und den Gästen erspart es den nachträglichen Unmut der Frischvermählten.

(Mögliche) Erwartungen der Gäste und das Problem des „es-allen-Recht-machen-müssens“

Manches Brautpaar ist offenbar mit den eigenen Erwartungen an seine Hochzeit noch nicht ganz ausgelastet und kann sich deswegen noch Gedanken darüber machen, was wohl die Gäste so erwarten könnten. Die Schwierigkeiten dabei, es wirklich allen Recht machen zu wollen?

  1. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Sowohl im kleinen wie auch im großen Rahmen.
  2. Wird trotzdem der ernsthafte Versuch unternommen, sprengt das schnell die ursprünglichen Planungen. Beispielhaft sei hier nur das Thema Essen angesprochen. Denn selbst bei einer à la carte-Verpflegung (die ab einer bestimmten Personenzahl ohnehin nicht mehr möglich ist) wird sicher irgendjemand etwas zu meckern finden, besonders wenn er das will.
  3. Die Gäste sind zwar wichtiger Bestandteil der Hochzeitsfeier – aber eben nicht die Hauptpersonen. Deswegen sollten die Wünsche des Brautpaares immer und in jeder Hinsicht Priorität haben – und dafür haben die Gäste an einem so wichtigen Tag auch Verständnis.

Punkt 6: Der Rahmen

„Wenn ein Ehepaar den gleichen Geschmack hat, so heißt das in den meisten Fällen, dass der Mann seinen verloren hat.“
(Jacques Tati)

Wenn die Aufgaben verteilt, die Gästeliste geschrieben, die Budgetfragen geklärt und die Erwartungshaltungen diskutiert wurden – ist es noch lange nicht vorbei. Denn erst jetzt steht die Detailarbeit an. Was im Klartext eine Menge Kleinigkeiten (und weniger kleine Kleinigkeiten) meint, die es noch zu erörtern gilt. Wobei der Rahmen, in dem gefeiert werden soll, eigentlich immer ein tatsächlich größeres Thema ist, sofern die Festlichkeiten nicht nur aus einem gemeinsamen Essen mit Eltern, Schwiegereltern und Trauzeugen besteht.

Planungsstress vor der Hochzeit

Debatten entstehen aber prinzipiell ja nur dann, wenn keine Einigkeit zwischen den Eheleuten herrscht. Wenn sie zum Beispiel unbedingt eine romantische, aber schwer erreichbare Location bevorzugt, während ihm etwas Rustikales völlig ausreicht. Oder plötzlich doch die Hochzeit auf dem (Disney-)Traumschloss als Option eingebracht wird. Oder wenn es Diskrepanzen darüber gibt, ob das Essen als Menü in 8 Gängen oder als Büffet gereicht werden soll, ob eine Candybar unbedingt dazu gehört und ob das Lifecooking trotz Budgetengpässen nicht doch nochmal ein kleines 

Spektakel bieten würde.

Unterschiedliche Meinungen sind weder eine Seltenheit noch überraschend, aber sie sollten in Ruhe geklärt werden. Wie in allen vorangegangenen Punkten gilt auch beim feierlichen Rahmen, dass womöglich eine gewisse Kompromissbereitschaft vorhanden sein muss, um eine Lösung zu finden, die beide Eheleute nicht nur akzeptabel finden. Es sei denn natürlich, der von Jacques Tati beschriebene Fall ist schon eingetreten und die Diskussionen damit hinfällig.

Dem Stress keine Chance lassen

Die Planung einer Hochzeit bedeutet viel Arbeit. Allerdings muss das nicht gleichbedeutend mit viel Stress sein. Wer rechtzeitig vorplant, wer sich die Wünsche und Vorstellungen des jeweils anderen anhört und dabei die Grenzen des Möglichen im Auge behält, umgeht schon grundsätzlich viele Stolperfallen mit Streitpotenzial. Kommt es doch einmal zu Uneinigkeiten, gibt es immer noch Mittel und Wege, um die Wogen zu glätten. Selbst im Streitfall sollte also keinerlei Gefahr für die Eheschließung bestehen – und wer würde Johann Wolfgang von Goethe schon widersprechen wollen?

Also, bei aufkommendem Stress einfach mal durchatmen und vielleicht um etwas anderes kümmern. Es gibt schließlich noch ein – hoffentlich langes – Leben nach der Hochzeit.