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Radio Hamburg

ESC 2016

Fast 12 Punkte für Germany

Stockholm, 15.05.2016
Jamala, 1944, ESC, Eurovision Song Contest, Gewinner, Ukraine

Strahlende Siegerin des ESC 2016: Jamala aus der Ukraine.

Theoretisch hätte Deutschland beim ESC 82 Mal Punkte bekommen können: 41 Mal von den nationalen Jurys und 41 Mal von den Fans in den einzelnen Ländern.

Doch am Ende gab es lediglich drei Mal eine Wertung für Jamie-Lee: Acht Zähler kamen von Fans in der Schweiz - immerhin die dritthöchste Wertung der dortigen ESC-Gemeinde. Zwei Punkte gab es von den österreichischen ESC-Fans und ein Punkt kam von der Jury aus Georgien.

Jamie-Lee schlägt Ann-Sophie

Im vergangenen Jahr war Deutschland mit Ann Sophie («Black Smoke») ebenfalls nur auf den letzten Platz gekommen - mit null Punkten. Den Sieg holte diesmal die krisengeplagte Ukraine, vor Australien und Russland. In der Nacht zum Sonntag (14.05) sagte Jamie-Lee im ARD-Fernsehen, sie sei natürlich ein bisschen traurig, aber sie gebe sich keine Schuld. «Ich war sehr zufrieden mit meinem Auftritt und ich glaube, ich habe mir  nichts vorzuwerfen.» Die Siegerin der Castingshow «The Voice of Germany» mit der Startnummer zehn meisterte ihren Auftritt gegen 21.45 Uhr in einem blauen fantasievollen Manga-Outfit-Kleid mit Kopfschmuck und mystischem Waldbühnenbild. 

 

Jamie-Lee statt Xavier Naidoo

Die Sängerin war Ende Februar beim deutschen Vorentscheid von den TV-Zuschauern gekürt worden. Ursprünglich hatte der zuständige Sender NDR Xavier Naidoo schicken wollen, dessen direkte Nominierung aber wieder kassiert, als Proteste gegen einige politische Äußerungen des Sängers («Dieser Weg») laut geworden waren.

Komisches Manga-Mädchen aus Germany

ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber versuchte noch in der Nacht eine mögliche Erklärung für das schlechte Abschneiden: «International und beim Publikum in allen Altersschichten ist es offenbar eher auf Unverständnis gestoßen, dass ein Manga-Mädchen aus Deutschland antritt.» Ihr Auftritt sei aber «eins a» gewesen.

Ukraine gewinnt mit Klage-Ballade

Auf Platz eins mit 534 Punkten landete diesmal überraschend die Ukraine. Der Song «1944» der Krimtatarin Jamala (32) ist eine moderne Klage-Ballade. Das Lied mit Elektro-Elementen beschreibt die Vertreibung ihrer Minderheit unter Sowjetdiktator Josef Stalin und wurde zum Teil auch als Kritik an Russlands Krim-Annexion 2014 verstanden. Beschwerden gegen den angeblich aktuell-politischen Gehalt hatten die ESC-Veranstalter aber zurückgewiesen.

Glückwünsche von Präsident Poroschenko

«Ich wusste, dass es die Menschen berühren kann, wenn man über etwas Wahres singt», sagte ESC-Siegerin Jamala in der Nacht zum Sonntag bei einer Pressekonferenz. «Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass man einfach nur an das glauben muss, was man tut.» Die politische Spitze ihres Landes gratulierte überschwänglich zum Sieg: «Unglaublicher Auftritt und Sieg! Die ganze Ukraine dankt dir von Herzen, Jamala!», twitterte Präsident Petro Poroschenko.

ESC-Finale 2017 in Kiew

Das Finale des 62. Eurovision Song Contest soll nach vorläufigen Angaben der Veranstalter von der European Broadcasting Union (EBU) am 20. Mai 2017 über die Bühne gehen. Vermutlich wird der Austragungsort die ukrainische Hauptstadt Kiew sein. ESC-Direktor Jon Ola Sand zeigte sich überzeugt, dass die Veranstaltung trotz des andauernden Konflikts der Ukraine mit russischen Separatisten dort steigen kann.

Platz zwei für Australien

Für die Ukraine ist es der zweite ESC-Sieg nach 2004 mit der Sängerin Ruslana und dem Song «Wild Dances». Platz zwei erreichte in diesem Jahr das außereuropäische Gastland Australien mit der Powerballade «Sound Of Silence» der Sängerin Dami Im. Rang drei belegte Russland mit dem Zuschauerliebling Sergej Lasarew («You Are The Only One»), der zuvor als Favorit gehandelt worden war. 

Auftritt von Mega-Star Justin Timberlake

Die Zuschauer konnten wie immer mit abstimmen, jedoch nicht für die eigene Nation. Ihr Voting wurde ergänzt von Juroren. In der Voting-Zeit trat der amerikanische Superstar Justin Timberlake außer Konkurrenz auf und sang sein neues Lied « Can't Stop The Feeling».

Unverständliche Punkte-Vergabe

In diesem Jahr war die Punkteverkündung von Jurys und Publikum erstmals getrennt: Zuerst wurden per Schalte in alle Länder die Jurystimmen abgefragt. Dann verlasen die Moderatoren die Zuschauervoten vom Schlechtesten bis zum Besten. Wonach sie die Punkte berechnete, wurde dabei nicht klar. Tschechien und Großbritannien bekamen von den Zuschauern null Punkte, Deutschlands Jamie-Lee erhielt von den Zuschauern 10 Punkte. Danach steigerten sich die Punkte, die an das jeweilige Land gingen, rapide. Welche Berechnung dabei zugrunde lag, blieb dem Fernsehzuschauer verborgen. In der Tabelle sorgte die Punktevergabe für große Sprünge, die Ukraine überholte Australien erst auf den letzten Drücker und gewann mit insgesamt 534 Punkten.

Hamburgerin Iveta mit Armenien auf Platz 7

Die Hamburgerin Iveta Mukuchyan trat für ihr Heimatland Armenien an und sicherte sich einen guten siebten Platz. Die Eimsbüttlerin performte ihren Song "LoveWave" als letzte der 26 Kandidaten. Im sexy Outfit und mit Hammer-Stimme konnte sich die 29-Jährige sowohl Jury-Punkte als auch jede Menge Zuschauerpunkte sichern.

(dpa/mgä)

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