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Radio Hamburg

Amoklauf von Dossenheim

Rasende Wut über Nebenkosten - Drei Tote

Dossenheim/Heidelberg, 21.08.2013

Ein Mann hat in Dossenheim am Dienstagabend zwei Menschen getötet und sich anschließend selbst erschossen.

Rasende Wut über Wohnungs-Nebenkosten trieb den Amokläufer zu seiner Bluttat. Sogar die eigene Frau verschonte der Sportschütze nicht.

Ein 71-jähriger Sportschütze aus Dossenheim bei Heidelberg ist aus Zorn über die Nebenkosten für seine Eigentumswohnung Amok gelaufen. Wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, tötete der Rentner am Dienstagabend zwei 82 und 54 Jahre alte Miteigentümer bei der Versammlung der Hausgemeinschaft. Er habe den Miteigentümern "Betrug" vorgeworfen. Unter den fünf verletzten Opfern der Bluttat ist auch die 70-jährige Ehefrau des Täters.

Streit bei einer Versammlung

Der geübte Schütze sei mit den Worten: "Ich bring' Euch alle um" in den Raum gestürmt und habe um sich geschossen, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Siegfried Kolmar. Der Amokläufer sei seit Jahrzehnten Mitglied in Schützenvereinen gewesen. Der Mann habe sich bis zu seiner Tat nichts zuschulden kommen lassen. "Er hat bisher völlig unauffällig gelebt", erklärte Kolmar. Der Mann war nach dem Streit bei der Versammlung vom Verwalter der Eigentümergemeinschaft des Raums verwiesen worden. Kurz darauf kam er zurück und erschoss zwei Menschen mit einer großkalibrigen Pistole. Insgesamt waren acht Menschen in dem Raum. Einer Person sei der Mann sogar auf die Terrasse der Sportgaststätte gefolgt. Danach tötete sich der Täter mit einem Schuss in die Schläfe selbst.

Rentner gab 17 Schüsse ab

Nach Angaben der Polizei gab der Rentner insgesamt 17 Schüsse ab. Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) sprach von einem "schrecklichen Vorfall". Er forderte wie die Grünen erneut das Verbot großkalibriger Waffen. Diese benötigten Sportschützen nicht, sagte der Minister. Menschen, die Schießsport betrieben, müssten "intensiv kontrolliert" werden. Er könne nicht glauben, dass so ein Mann nicht vorher schon einmal aufgefallen sei, hatte er vor der Pressekonferenz der Polizei gesagt. Die Versammlung hatte im Raum des Vereins TSG Germania 1889 Dossenheim stattgefunden.

Die Verletzten waren in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Andere Teilnehmer der Versammlung mussten psychologisch betreut werden. Insgesamt 50 Vereinsmitglieder und Gäste waren zum Tatzeitpunkt auf dem großen Areal, darunter auch Kinder. In Deutschland verübten Sportschützen bereits mehrfach Gewalttaten mit ihren Waffen. Dies löste immer wieder heftige politische Debatten aus.

Sportschützen im Fokus

So hatte im September 2010 eine Sportschützin im südbadischen Lörrach ihren Ehemann, den fünfjährigen Sohn sowie den Pfleger eines Krankenhauses getötet. Sie selbst wurde von der Polizei erschossen. Sie hatte mehr als 300 Schuss Munition dabei und schoss wild um sich. Die neue Tat weckt auch Erinnerungen an den Amoklauf von Winnenden und Wendlingen. Am 11. März 2009 hatte der 17-jährige Tim K. an seiner ehemaligen Schule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst erschossen. Er hatte die Waffe von seinem Vater, einem Sportschützen.

Schärfere Waffengesetze gefordert

Das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden dringt nach der Bluttat in Dossenheim auf schärfere Waffengesetze. Die Waffen von Sportschützen müssten endlich zentral aufbewahrt und besonders gesichert werden, sagte Hardy Schober vom Aktionsbündnis. "Hätte er keinen Zugriff auf die Waffe gehabt, wäre es nicht zu der Tat gekommen." Bereits 2009 habe das Bündnis diese Forderung klipp und klar formuliert. Es sei ärgerlich, dass die Bundesregierung nicht endlich handele. Auch die Südwest-Grünen forderten ein Verbot großkalibriger Waffen. "Immer wieder werden Menschen getötet und anschließend passiert nichts, das darf einfach nicht wahr sein", sagte der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion Uli Sckerl. FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke hingegen warnte vor "reflexhaften Forderungen" nach der Verschärfung von Gesetzen und davor Sportschützen und Jäger potenziell zu kriminalisieren. (dpa/apr)

 

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