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Radio Hamburg

NSU-Prozess

Mord an Ismail Yasar: Zeugen sahen Radfahrer

München, 06.08.2013
Beate Zschäpe, NSU-Prozess Juni 2013

Angeklagt im NSU-Prozess: Beate Zschäpe an einem der ersten Prozesstage.

Beim NSU-Mord an Ismail Yasar 2005 in Nürnberg wurden die mutmaßlichen Täter von mehreren Zeugen beobachtet.

Wie ein Polizeibeamter am Dienstag (6.8.) vor dem Oberlandesgericht München berichtete, hatten vier Zeugen das "Kerngeschehen" beobachtet. Dabei gab es mehrere Hinweise auf Fahrradfahrer.

Zeugin sah zwei Radfahrer vor Ismail Yasars Dönerstand

Nach dem 32. Verhandlungstag wurde der NSU-Prozess für die Sommerpause unterbrochen. Das Verfahren soll am 5. September fortgesetzt werden. Ismail Yasar wurde am 9. Juni 2005 in seinem Dönerstand erschossen. Eine Zeugin hatte kurz vorher zwei Fahrradfahrer gesehen, wie der Polizeibeamte berichtete. Später, als sie wieder mit dem Auto an dem Imbiss-Stand vorbeikam, sah sie die Männer wieder. Einer von ihnen sei aus dem Stand gekommen und habe dem anderem eine gelbe Plastiktüte in den Rucksack gesteckt. Ein anderer Zeuge, der mit einem Kleintransporter unterwegs war, hatte sich über die Radfahrer geärgert, weil sie vor ihm "im Zeitlupentempo über die Straße gefahren" seien. Kurz danach hörte er mehrere Schüsse.

Hinweise auf Radfahrer auch bei Morden an Enver Simsek und Habil Kilic

Auch bei mehreren anderen NSU-Anschlägen gab es Hinweise auf Fahrradfahrer: Sowohl bei den Morden an Enver Simsek 2000 in Nürnberg als auch an Habil Kilic 2001 in München waren Radfahrer am oder in der Nähe des Tatorts beobachtet worden, auch bei dem Bombenanschlag in der Keupstraße in Köln 2004. Nebenklagevertreter hatten wiederholt kritisiert, dass die Ermittler diesen Spuren nicht ausreichend nachgegangen seien.

Ermittler aus Nürnberg ging schon 2005 von fremdenfeindlichem Motiv aus

Ein leitender Mordermittler aus Nürnberg berichtete, er sei bereits nach dem Mord an Ismail Yasar 2005 von einem fremdenfeindlichen Motiv ausgegangen. "Für mich persönlich war hier selbstverständlich ein ausländerfeindlicher Hintergrund zu sehen, beim sechsten Mord mit ausländischem Opfer", sagte der Leiter der Mordkommission, Manfred Hänßler. Darüber habe er sich auch mit Kollegen unterhalten. Auch im Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags hatten Zeugen berichtet, dass nach dem Mord ein ausländerfeindlicher Hintergrund geprüft worden sei. Man habe aber keine konkreten Spuren gefunden.

Polizistin fand Yasar blutüberströmt

Am Vormittag war beim NSU-Prozess eine Polizeibeamtin gehört worden, die Yasar niedergeschossen in seinem Imbiss-Stand fand. Er habe "blutüberströmt und offensichtlich leblos" hinter dem Tresen gelegen, schilderte sie. In technokratischer Polizeisprache fügte sie hinzu: "Vom Notarzt wurde dann festgestellt, dass die Person ex ist." Yasar wurde 50 Jahre alt. Er war geschieden und hatte einen damals 15 Jahre alten Sohn.

 

(dpa/mgä)