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Radio Hamburg

Haasenburg

Isolation, Gewalt, Drill - Was geschah im Heim?

Potsdam/Hamburg , 08.07.2013
Haasenburg Heim in Brandenburg

Eines der Kinder- und Jugendheime der Haasenburg GmbH in Brandenburg.

Die Liste der Vorwürfe gegen die Haasenburg-Heime ist lang. Das Ministerium will schnelle Aufklärung. Ein weggelaufener Junge ist ins Heim zurückgekehrt.

Nach der Flucht aus einem der umstrittenen Kinder- und Jugendheime der Haasenburg GmbH in Brandenburg ist einer von drei Jungen zurückgekehrt. Laut Polizei ist der 15-Jährige seit Freitag wieder in der Einrichtung in Neuendorf in Unterspreewald (Kreis Dahme-Spreewald). Das Bildungsministerium will so schnell wie möglich mit ihm und den anderen zwei weggelaufenen Jugendlichen sprechen. "Wenn wir die Vorwürfe nicht zweifelsfrei ausräumen können, müssen wir Konsequenzen ziehen", sagte ein Sprecher. Geklärt werden müsse zunächst, ob sich die Anschuldigungen gegen einzelne Erzieher oder gegen die gesamte Einrichtung richten.

Der Junge aus dem Saarland war gemeinsam mit zwei 16-Jährigen aus Hamburg und Berlin in der Nacht zum Mittwoch verschwunden. Nach Angaben ihres Hamburger Anwaltes, Rudolf von Bracken, sind sie vor Gewalttaten und Demütigungen geflohen. Gegen Erzieher und Heimbetreiber wird bereits wegen Misshandlungsvorwürfen ermittelt. Die Betreiber der Einrichtung weisen die Vorwürfe zurück. Die Vorwürfe der weggelaufenen Jungs beziehen sich nach Angaben ihres Anwalts auf aktuelle Übergriffe. Der Jurist berichtete von Gewalttaten, Fixierungen am Boden und Demütigungen. Er hat nach eigenen Angaben per Eilverfahren bei Gericht beantragt, die Genehmigung zur Unterbringung im Heim aufzuheben.

"Isolation, Fixierungen und militärischer Drill"

Die beiden 16-Jährigen gelten bei der Polizei in Brandenburg immer noch als vermisst, wie ein Sprecher am Sonntag mitteilte. Durch die Vermittlung einer Hamburger Sozialeinrichtung haben sie eine neue Bleibe gefunden. Ihr Aufenthaltsort wurde jedoch nicht genannt. Bis Freitag lagen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Cottbus keine Anzeigen der Drei vor. Die Behörde ermittelt bislang in acht Fällen. Dazu zählen zwei frühere Todesfälle in den Jahren 2005 und 2008, die nochmals untersucht werden. Die Polizei prüft nach Angaben der Staatsanwaltschaft zudem drei weitere Fälle. In den Haasenburg-Heimen sollen Bewohner mehrere Tage auf Liegen fixiert worden sein, es soll auch zu Knochenbrüchen gekommen sein. Auch ein früherer Heim-Mitarbeiter berichtete in einem Beitrag des rbb-Nachrichtenmagazins "Brandenburg aktuell" von "Isolation, Fixierungen und militärischem Drill".

Vorwürfe zurückgewiesen 

Haasenburg-Sprecher Hinrich Bernzen wies dies zurück: "Die Anschuldigungen sind weder neu noch richtig." Unterdessen berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel" über Interessenskonflikte innerhalb der Einrichtungen: Der Anwalt der Haasenburg GmbH sei bis Dezember 2012 auch Vorsitzender einer Kontrollkommission des Heimes gewesen, die Beschwerden von Bewohner prüft. In dieser Funktion sei er mit dem Fall eines Jugendlichen befasst gewesen, bei dem es um einen Übergriff des Personals gegangen sei, schreibt das Blatt. Die Beschwerde des Jungen sei von der Kommission als unbegründet zurückgewiesen worden. Der Jurist wies die Vorwürfe am Sonntag zurück. "Ich habe die berufsethischen Standards stets gewahrt. Die Vermittlung zwischen einzelnen Jugendlichen und Erziehern ist keine Vertretung widerstreitender Interessen", sagte Christian Bernzen. Er räumte allerdings ein: "Mit der heutigen Kenntnis, hätte ich den Vorsitz der internen Kontrollkommission nicht übernommen." Es sei damals schwer gewesen, geeignete Personen für die ehrenamtliche Aufgabe zu finden. Nach seinen Angaben wurde die Kontrollkommission 2010 eingerichtet. "Das Gremium ist als eine Ergänzung zu einem Beschwerdemanagement gedacht. Es soll auch zwischen Erziehern und Jugendlichen vermitteln", so der Jurist. Das Gremium sei ein internes Angebot, diene aber nicht der Kontrolle der Haasenburg, ergänzte Haasenburg-Sprecher Hinrich Bernzen, Bruder des Anwalts. (dpa/apr)

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