Lieber User,

anscheinend hast Du einen Ad-Blocker aktiviert oder Javaskript deaktiviert. Um unsere Existenz zu sichern, sind wir als werbefinanzierter privater Radiosender auch im Internet auf Werbung angewiesen. Damit Du auch weiterhin alle Inhalte unserer Webseite nutzen kannst, bitten wir dich, Deinen Ad-Blocker zu deaktivieren oder radiohamburg.de als Ausnahme hinzuzufügen. Sobald Du das gemacht hast, kannst Du unsere Inhalte nach einem Reload der Seite ganz normal weiternutzen.

103.6 Grüße
Dein Radio Hamburg Team


*Sollte diese Meldung fälschlicherweise angezeigt werden, schicke uns bitte eine Mail an adblocker@radiohamburg.de

Es gibt neue Inhalte auf unserer Startseite - jetzt aktualisieren! [Schließen]
Radio Hamburg

Haasenburg

Vorwurf der Misshandlung: Drei Heimkinder vermisst

Cottbus/Potsdam, 05.07.2013
Haasenburg Heim in Brandenburg

Eines der Kinder- und Jugendheime der Haasenburg GmbH in Brandenburg

Kinder und Jugendliche sollen in Heimen in Brandenburg misshandelt worden sein. Drei Jugendliche werden vermisst. Betreiber bestreitet Vorwürfe.

Drei weggelaufene Jugendliche aus einem der umstrittenen Kinder- und Jugendheime der Haasenburg GmbH in Brandenburg bleiben vermisst. Trotz intensiver Suche sei ihr Aufenthaltsort bisher unbekannt, sagte ein Polizeisprecher am Freitagmorgen in Cottbus. Sie werden seit Mittwochmorgen vermisst. Ein 15-Jähriger und zwei 16 Jahre alte Jungen waren in einem geschlossenen Heim in Neuendorf in Unterspreewald (Kreis Dahme-Spreewald) untergebracht. Gegen mehrere Heime der Haasenburg GmbH gibt es Misshandlungsvorwürfe. Am Donnerstag durchsuchten Ermittler die Einrichtungen.

Geschlossene Heime in der Kritik

Die Politik erwägt die Abschaffung geschlossener Heime. Hintergrund sind Anschuldigungen, nach denen Bewohner zum Beispiel tagelang auf Liegen fixiert worden sein sollen. Es soll auch zu Knochenbrüchen gekommen sein. In den umstrittenen Einrichtungen sind Kinder und Jugendliche aus 14 Bundesländern untergebracht. Linke und FDP forderten die sofortige Schließung der Heime. Der Bildungsausschuss im Landtag soll nun klären, ob die Behörden ihren Aufsichtspflichten ausreichend nachgekommen sind. "Wir sollten prüfen, ob solche Heime im äußersten Fall notwendig sind", sagte Bildungsministerin Martina Münch (SPD). Das Konzept und die Kontrollmechanismen müssten überprüft werden. Sie warnte jedoch vor einem Schnellschuss. "Es gibt keine schnellen und einfachen Antworten." Ziel müsse es jedoch sein, die Vorwürfe umfassend aufzuklären - und ein pädagogisch sinnvolles Konzept anzubieten.

An diesem Freitag erwartet die Haasenburg GmbH einen Besuch der Experten. "Wir begrüßen alles, was der Sachaufklärung dient", sagte ein Unternehmenssprecher. Der Betreiber bestreitet die Anschuldigungen. Vorwürfe erheben nach einem Bericht der "Hamburger Morgenpost" (Freitag) auch drei Jugendliche, die aus einem Heim in Neuendorf in Unterspreewald weggelaufen sind. Ein 15-Jähriger und zwei 16-Jährige geben demnach an, dort Gewalt, Isolation und Erniedrigung durch die Erzieher ausgesetzt gewesen zu sein. Der Haasenburg-Sprecher wollte den Vorfall mit Verweis auf das jugendliche Alter der Betroffenen und deren Persönlichkeitsrechte nicht kommentieren. Der Polizei in Brandenburg liegt jedoch eine Vermisstenanzeige vor, wie ein Sprecher am Donnerstag in Frankfurt (Oder) der dpa sagte. Demnach sind die Jugendlichen zur Fahndung ausgeschrieben.

Geschlossene Heime sind unter Experten umstritten. Es gibt sie beispielsweise in Bayern oder Nordrhein-Westfalen. In Hamburg wurde eine entsprechende Einrichtung geschlossen - viele der Insassen wurden anschließend in Brandenburg untergebracht. Rund 50 Polizeibeamte und vier Staatsanwälte durchsuchten am Donnerstag drei Heime in Jessern, Neuendorf in Unterspreewald und in Müncheberg sowie ein Bürogebäude in Lübben. Sie stellten viele Akten sicher, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Cottbus mit. Anlass war die Strafanzeige eines 19-Jährigen, der in dem Heim in Jessern gewesen ist. Außerdem hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren aufgrund eines RBB-Fernsehberichts eingeleitet, in dem eine 19-Jährige von Misshandlungen berichtet hatte. Die Behörde ermittelt laut Justizstaatssekretär Ronald Pienkny in acht Fällen. Dazu zählen zwei frühere Todesfälle in den Jahren 2005 und 2008, die nochmals untersucht werden.

Schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter

In sechs weiteren Fällen geht die Staatsanwaltschaft Vorwürfen nach, die bis in das Jahr 2006 zurückreichen. Grundlage sind Anzeigen oder Medienberichte. Es geht um Körperverletzung, Misshandlung Schutzbefohlener und Nötigung. Die Vorwürfe richten sich bislang gegen noch nicht näher identifizierte Mitarbeiter der Einrichtungen, teilte eine Behördensprecherin mit. Die Geschäftsführer der Haasenburg GmbH würden der Beihilfe zum Mord und Folterungen bezichtigt. Von 114 Plätzen in den drei Heimen sind 56 für eine geschlossene Unterbringung vorgesehen. Derzeit sind laut Ministerium 75 Plätze belegt. Nachdem die Heime negativ aufgefallen waren, hatte das Landesjugendamt dem Betreiber zahlreiche Auflagen gemacht. Es wird bezweifelt, dass die Kontrollen ausreichen. Für landesweit etwa 400 Einrichtungen seien nur drei Mitarbeiter im Landesjugendamt zuständig, kritisierten die Oppositionsparteien CDU und Grüne. (dpa/apr)

comments powered by Disqus