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Radio Hamburg

Riesending-Schachthöhle

Verletzter Höhlenforscher transportfähig

Berchtesgaden, 12.06.2014
RHH - Expired Image

In den bayerischen Alpen sind inzwischen Ärzte bei dem verletzten Höhlenforscher angekommen.

Es geht voran: Nach tagelanger Anspannung ist am Abend ein Arzt bei dem verletzten Höhlenforscher in der Riesending-Schachthöhle eingetroffen. 

In der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden haben Ärzte mit der Versorgung des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser begonnen.

Forscher bekommt "medikamentösen Schutzmantel"

In der Nacht zum Donnerstag (12.06) traf auch der zweite entsandte Arzt aus Österreich bei dem verletzten Stuttgarter ein, wie ein Sprecher der Bergwacht Bayern mitteilte. Der Schwerverletzte sei transportfähig, müsse jedoch zuvor behandelt werden. "Die Ärzte werden jetzt einen medikamentösen Schutzmantel um den Mann legen", sagte der Sprecher. Dazu hätten sie spezielle Medikamente angefordert, die am Donnerstag bei dem Forscher eintreffen sollten.

Sobald der Zustand des Patienten es erlaube, sei geplant, mit der Hilfe von sechs internationalen Höhlenretter-Teams die Bergung des Mannes aus der Höhle zu starten.

Schädel-Hirn-Trauma durch Steinschlag

Johann Westhauser, der seit Jahren in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands forscht,  hatte bei einem Steinschlag am frühen Sonntagmorgen (8.06) ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. "Es ist so, dass so ein Patient seit mehr als drei Tagen auf der Intensivstation liegen würde", sagte der Frankfurter Neurochirurg Michael Petermeyer in Berchtesgaden. Westhauser habe aber wahrscheinlich das Schlimmste überstanden. "Die Schwelle der maximalen Gefährdung ist überschritten, aber er ist noch nicht über den Berg", sagte Petermeyer. "Was jetzt mehr oder minder schicksalhaft und nicht vorhersehbar ist, sind Blutungen."

Der höhlenerfahrene Mediziner ist angereist, um die Einsatzleitung zu verstärken und bei Bedarf selbst in die Höhle zu gehen. Petermeyer berät die Retter und ist in Kontakt mit seinen beiden Kollegen unter der Erde, einem Arzt aus Österreich und einem aus Italien.

Riesending-Höhle extrem schwierig

Andere Helfer haben die Route zum Unglücksort gesichert. Unter anderem wurden an schwierigen Stellen Metallstifte in die glitschigen Felswände gebohrt. Zusätzliche Seile sollen den Rettern den Weg erleichtern. Teils wurden Seile ausgetauscht, weil sie verschlissen waren. Die Höhle sei extrem schwierig, sagte der Bergwachtler Schneider. "Für mich ist das die absolute Ausnahme, wenn da einer runterkommt." 

Westhauser, der zu den extremsten Höhlenforschern Deutschlands zählt, hatte die Höhle mitentdeckt und erforscht sie mit seinen Kollegen seit Jahren. Für den Aufstieg wäre es hilfreich, wenn Westhauser mithelfen könnte - etwa an Engstellen. Der Höhlenretter und Einsatzleiter Nils Bräunig sagte am Mittwoch, er sei zuversichtlich, den Verletzten mit einer Trage auch an engen Stellen vorbei zu bringen. 

Wärmegewitter drohen

Sehr aufmerksam beobachten die Helfer den Wetterbericht. Unter anderem soll es Wärmegewitter geben. Starker Regen kann auch in Höhlen die Schluchten und Canyons gefährlich mit Wasser anschwellen lassen. Durch "geschickte Planung" sei hier inzwischen Vorsorge getroffen worden, sagte Schneider. "Wir haben die Leute aus dem wassergefährten Bereich abgezogen."

(dpa/mgä)

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