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Radio Hamburg

ARD-Magazin "Panorama"

Deutsche Ärzte wollen Schwule "heilen"

Hamburg, 09.05.2014
Homosexualität, Schwul, Lesbisch

In Deutschland gibt es niedergelassene Ärzte, die Homosexualität als Krankheit sehen und "heilen" wollen.

Eine Reportage, die schockiert. Das Magazin "Panorama" zeigt: In Deutschland gibt es tatsächlich Ärzte, die Homosexualität als Krankheit sehen und "heilen" wollen.

Ärzte, die Homosexualität "heilen" wollen? In Deutschland im Jahr 2014? Leider ja. 

Die Schwulenheiler: Homosexuelle sollen "umgepolt" werden

Das ARD-Magazin "Panorama" zeigte diese Woche die Reportage "Die Schwulenheiler". Journalist Christian Deker, selbst schwul, hat ein Gerücht überprüft, das unglaublich klingt. In Deutschland soll es Ärzte geben, die Menschen, die homosexuell sind, umpolen wollen. Die Reportage zeigte schockierende Einblicke in die anscheinend immer noch weit verbreitete Homophobie in Deutschland. Es gibt es in Deutschland Ärzte, die Homosexualität als Störung betrachten und deshalb therapieren wollen. Und es besteht der Verdacht, dass solche "Therapien" sogar mit den Krankenkassen abgerechnet werden könnten.

Psychotherapie für Schwule

In einem Selbstversuch hat der schwule "Panorama"-Reporter Christian Deker Praxen niedergelassener Ärzte besucht, die sich in strenggläubigen christlichen Kreisen bewegen. Dort wurden ihm Behandlungen, unter anderem eine Psychotherapie, vorgeschlagen, die seine homosexuellen Neigungen in Richtung Heterosexualität verändern sollen. Von zwei Ärzten erhielt er Abrechnungen zur Weiterleitung an die private Krankenkasse. Darin diagnostizieren die Ärzte eine "psychische Störung" oder eine "lebensverändernde Erkrankung".

"Therapie" bei Krankenkassen abgerechnet

Der Vorsitzende des Bundes Katholischer Ärzte, einer kleinen streng gläubigen Medizinergruppe, Dr. Gero Winkelmann, gibt im "Panorama"-Interview offen zu, dass der Psychotherapeut oder Arzt "tricksen" müsse, um die Therapie abrechnen zu können.

"Panorama" hat verschiedene Krankenkassen um Stellungnahmen gebeten. Dort heißt es, dass ihnen der Inhalt von Therapiegesprächen nicht bekannt sei. Bei der Frage, ob die Abrechnung von Veränderungsversuchen zulässig sei, verweisen etwa die Techniker Krankenkasse, die AOK und die Barmer Krankenkasse auf die Therapiehoheit der Ärzte und auf komplexe Genehmigungsverfahren. Der Verband der Privaten Krankenversicherung schreibt, dies sei eine rechtliche Frage, die Entscheidung liege nicht beim Verband.

Bundesärztekammer: Homosexualität ist keine Krankheit

Die Bundesärztekammer hat in einer Stellungnahme erneut betont, dass Homosexualität keine Krankheit sei und somit folglich auch keinerlei Heilung erfordere. Ob bei Behandlungen ein Verstoß gegen eine ärztliche Berufsordnung vorliege, der ein berufsrechtliches Verfahren nach sich ziehen könne, könne nur in Kenntnis des konkreten Falls und nur von der entsprechenden Ärztekammer beantwortet werden. Der "Panorama-Reporter" hat die Umpolungs-Behandlungen inzwischen abgebrochen.

(dpa/mgä)

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