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Radio Hamburg

Masernausbruch

Kleinkind in Berlin an Masern gestorben

Berlin, 23.02.2015
Masern, Kind, krank

In Berlin ist ein Kleinkind an Masern gestorben. (Symbolbild)

Hunderte Erkrankte, jetzt ein Todesfall: Ein Kleinkind ist in Berlin an Masern gestorben. Der Bundesgesundheitsminister schließt eine Impfpflicht nicht aus.

Der Junge im Alter von eineinhalb Jahren sei vor ein paar Tagen in einem Krankenhaus der Infektionskrankheit erlegen, sagte Gesundheitssenator Mario Czaja in Berlin.

Impflücke muss geschlossen werden

Mit verstärkter Aufklärung will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den Kampf gegen die Masern gewinnen. Eine Impfpflicht schließt er aber nicht generell aus. Die bestehende Impflücke müsse durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von Ärzten, Kitas, Schulen und aller anderen Verantwortlichen geschlossen werden, sagte Gröhe am Montag (23.02) bei einem Besuch des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg. «Wenn das nicht gelingt, ist eine Impfpflicht kein Tabu, aber sie steht jetzt nicht an.»

Schule in Berlin geschlossen

Hintergrund der Debatte ist ein schwerer Ausbruch von Masern in Berlin, wo seit Oktober mehr als 570 Fälle gemeldet wurden. Im Ortsteil Lichtenrade blieb eine Sekundarschule am Montag vorsorglich für einen Tag geschlossen. Grund sei ein schwerwiegender Verlauf der Infektionskrankheit bei einem Jugendlichen, sagte eine Sprecherin des Berliner Senats. Sie bestätigte damit Medienberichte. 

Impfberatung vor Anmeldung in Kita

Gröhe setzt auf eine verstärkte Aufklärung: Der Entwurf des Präventionsgesetzes sehe vor, dass Eltern vor der Anmeldung ihrer Kinder in der Kita eine Bescheinigung über eine Impfberatung vorlegen müssen. «Es geht auch darum, manchem Ammenmärchen und mancher Panikmache von Impfgegnern entgegenzutreten.» Die Masern-Impfung sei nach Ansicht internationaler Experten sicher. Das minimale Restrisiko durch Nebenwirkungen sei um ein Vielfaches geringer als die zum Teil dramatischen und lebensbedrohlichen Risiken einer Masern-Erkrankung. Wer sein eigenes Kind nicht impfen lasse, gefährde auch den Gruppenschutz in Kita oder Schule, verhalte sich also auch anderen Kindern gegenüber verantwortungslos. 

Lest auch: Das sagt die Hamburger Gesundheitsbehörde: Wiedereinführung der Impfpflicht gefordert

Nach der massiven Maserninfektion in Berlin fordern nun mehrere Politiker die Wiedereinführung der Impfpflicht in ...

Grüne und Linke gegen Impfpflicht

Grüne und Linke hatten Überlegungen zu einer Impfpflicht deutlich zurückgewiesen: «Das will wohl überlegt sein», sagte Grünen-Chef Cem Özdemir am Montag in Berlin. «Das ist ein ziemlich scharfes Geschütz, was man da auffährt.» Vermutlich müsste dafür das Grundgesetz geändert werden. Gegenwärtig sei man nicht an dem Punkt. Auch der Gesundheitsexperte der Linksfraktion, Harald Weinberg, sprach sich gegen einen Impfzwang aus. Das Selbstbestimmungsrecht der Eltern müsse weiter gelten, sagte Weinberg der «Saarbrücker Zeitung» (Montag).

Kinderärzte: Impfpflicht unrealistisch

Kinderärzte halten eine Impfpflicht für unrealistisch. «Eine generelle Impfpflicht wird sich wegen der Widerstände in der Bevölkerung nicht durchsetzen lassen», sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, der «Welt». Allerdings sollten alle Kinder beim Start in eine überwiegend staatlich finanzierte Kita oder Schule einen Impfnachweis vorweisen müssen.

Masern können lebenslange Schäden verursachen

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Die Infektion ist hochansteckend und schwächt das Immunsystem. Folgen können zum Beispiel Gehirnentzündungen sein - manchmal mit lebenslangen Schäden wie geistigen Behinderungen. Laut Statistik sterben zwei von 1.000 Patienten an den Folgen einer Masern-Infektion.

(dpa/mgä)

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