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Radio Hamburg

Zentralrat der Juden

Zahl judenfeindlicher Straftaten nimmt zu

Berlin, 27.02.2015
Juden Kippa

Der Zentralrat der Juden warnt die in Deutschland lebenden Juden. Er hält es für gefährlich, sich in überwiegend von Moslems bewohnten Gebieten durch das Tragen der Kopfbedeckung Kippa zu erkennen zu geben.

Friedhöfe werden geschändet, Juden beschimpft und verprügelt. Kann man mit Kippa noch sicher durch deutsche Straßen laufen?

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hält es für gefährlich, in überwiegend von Muslimen bewohnten Vierteln einiger Städte die Kippa zu tragen. Juden sollten sich zwar nicht aus Angst verstecken, und die meisten jüdischen Einrichtungen seien gut gesichert, sagt Ratspräsident Josef Schuster. Die Frage sei aber, "ob es tatsächlich sinnvoll ist, sich in Problemvierteln, in Vierteln mit einem hohen muslimischen Anteil, als Jude durch das Tragen der Kippa zu erkennen zu geben - oder ob man da besser eine andere Kopfbedeckung trägt". Es sei eine Entwicklung, die er so vor fünf Jahren nicht erwartet habe, und die ein wenig erschreckend sei.

Gefährdung von Juden in Deutschland

Der badische Landesrabbiner Moshe Flomenmann pflichtet Schuster bei. Die Gefährdung von Juden in Deutschland sei nichts Neues, sondern Realität. "Schließlich haben die Übergriffe auf Juden in den vergangenen Jahren zugenommen", sagt Flomenmann. Er erläuterte, die Kippa sei nicht heilig, sondern nur ein Bekleidungsstück, das ein Jude durch eine andere Mütze ersetzen könne, wenn er sich bedroht fühle. Die Zahl antisemitischer Straftaten hat in Deutschland im vergangenen
Jahr nach Informationen der Amadeu Antonio Stiftung stark zugenommen. 864 Fälle seien registriert worden nach 788 Fällen im Jahr 2013. Das sei ein Anstieg um rund zehn Prozent, teilte die Stiftung mit. Eine ähnlich hohe Zahl antisemitischer Taten gab es demnach zuletzt 2012. Der Projektleiter der Stiftung, Jan Riebe, verwies auf eine hohe Dunkelziffer. "Viele Straftaten werden nicht angezeigt, was auch an der sehr niedrigen Aufklärungsquote liegt", sagte er der Zeitung.

Das Bundesinnenministerium (BMI) arbeitet mit anderen Zahlen als die Stiftung und vermutet, dass die tatsächliche Zahl der antisemitischen Straftaten 2014 über den bisher gemeldeten 864 Fällen liegt. "Wir gehen davon aus, dass uns die Gesamtzahlen bis Ende 2015 vorliegen", sagte eine Sprecherin. Im Jahr 2013 waren laut BMI 487 antisemitische Straftaten später gemeldet oder aufgeklärt worden, so dass statt der zunächst registrierten 788 Taten letztlich insgesamt 1275 Fälle
registriert wurden.

Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit

Unterdessen gründeten mehrere jüdische Organisationen nach dem Streit um den Expertenkreis Antisemitismus des Bundesinnenministeriums ein eigenes Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit. Mit der Initiative wollten die Amadeu Antonio Stiftung, das American Jewish Committee und das Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam die politische Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus weiter befördern, teilten die Organisatoren mit. Die Beteiligten hatten zuvor kritisiert, dass in der Kommission des Innenministeriums jüdische Perspektiven nicht vertreten seien. Die Bundesregierung hatte daraufhin angekündigt, die Zusammensetzung zu überdenken.

Interview

Der Chef des Zentralrat der Muslime, Mazyek, sagt, er versteht die Angst der jüdischen Bevölkerung, betont aber: Richtig verstandener Islam sieht Judenhass als schwere Sünde an.
Roy Naor ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde in Hamburg und wir haben mit ihm gesprochen.

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Sicherheit der Juden in Deutschland

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Juden in Hamburg und Europa

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