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Radio Hamburg

Beihilfe zum Massenmord

Vier Jahre Haft für früheren SS-Mann Gröning

Lüneburg, 15.07.2015
RHH - Expired Image

Oskar Gröning, früherer SS-Mann, wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. 

Der frühere SS-Mann Oskar Gröning wurde wegen Beihilfe zum Massenmord in Auschwitz zu vier Jahren Haft verurteilt. 

Vier Jahre Haft für den früheren SS-Mann Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen in Auschwitz. Damit ging das Gericht über das von der Anklage geforderte Strafmaß hinaus. Ob der gesundheitlich angeschlagene Gröning haftfähig ist, muss jedoch noch von der Staatsanwaltschaft überprüft werden.

"Buchhalter von Auschwitz"

Im Prozess hatte Gröning seine Beteiligung und moralische Mitschuld am Holocaust eingeräumt und hatte gestanden, Geld von Verschleppten gezählt und zur SS nach Berlin weitergeleitet zu haben. Dies brachte ihm später den Beinamen eines "Buchhalters von Auschwitz" ein. Er sagte aus, zwei- bis dreimal vertretungsweise Dienst an der Rampe getan zu haben, um dort Gepäck zu bewachen. Dort wurden deportierte Juden zur Ermordung selektiert.

Die Staatsanwaltschaft hatte dreieinhalb Jahre Haft gefordert, von denen 22 Monate als verbüßt angesehen werden sollten, weil eine Verurteilung schon vor Jahrzehnten möglich gewesen wäre. Erste Ermittlungen hatte es bereits 1977 gegeben.

Die Anwälte der über 70 Nebenankläger hielten das von der Staatsanwaltschaft verlangte Strafmaß für zu gering. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch, weil Gröning den Holocaust im strafrechtlichen Sinne nicht gefördert habe.

Erschütternde Details über Massenmord

In dem knapp drei Monate dauernden Prozess, der auch auf großes Interesse im Ausland stieß, hatten etliche Holocaust-Überlebende erschütternde Details ihre Verschleppung sowie den Massenmord in dem Vernichtungslager geschildert. Dabei kamen unter anderem die menschenverachtenden medizinischen Experimente von Lagerarzt Josef Mengele sowie das Vergasen und Verbrennen von Juden im Takt der eintreffenden Züge zur Sprache. Auch die Schrecken der nächsten Generation, die mit dem Schatten ihrer in den Konzentrationslagern ermordeten Familien aufwuchsen, wurden eindringlich geschildert.

Wegen der schlechten Gesundheit des 94-Jährigen stand der Prozess mehrmals auf der Kippe, mehrere Verhandlungstage fielen aus. Gröning kam erst jetzt vor Gericht, weil die Justiz bis 2011 darauf bestand, dass KZ-Aufsehern eine direkte Beteiligung an den Morden nachgewiesen werden muss, weshalb frühere Ermittlungen gegen Gröning 1985 eingestellt worden waren.

(dpa/pgo)