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Radio Hamburg

Tugce-Prozess

Angeklagter zu drei Jahren Haft verurteilt

Darmstadt, 16.06.2015
RHH - Expired Image

Sanel M. ist vor dem Landgericht Darmstadt zu insgesamt drei Jahren Haft verurteilt worden.

Im Prozess um den Tod von Tugce A. hat das Gericht in Darmstadt den Angeklagten Sanel M. am Dienstag (16.06) wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.

Zu drei Jahren Gefängnis hat das Landgericht Darmstadt am Dienstag (16.06) den Angeklagten im Prozess um den gewaltsamen Tod der Studentin Tugce auf einem Parkplatz in Offenbach verurteilt. Die Richter sprachen den 18 Jahre alten Sanel M. nach dem Jugendstrafrecht der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig.

Angeklagter gesteht Schlag ins Gesicht

Der Angeklagte hatte zugegeben, der 22-Jährigen im November vergangenen Jahres auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in Offenbach heftig ins Gesicht geschlagen zu haben. Die junge Frau stürzte und schlug mit dem Kopf hart auf den Boden auf. Sie fiel in ein Koma, aus dem sie nicht mehr erwachte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert. Die Nebenklage verlangte eine längere Haftdauer, hatte aber keinen konkreten Zeitraum genannt. Aus Sicht der Verteidigung hätte eine Bewährungsstrafe ausgereicht. Den Schlag von M. wertete das Gericht nicht als Ohrfeige. Es sei vielmehr ein "von unten nach oben ausholender Schlag in Richtung des Gesichts" gewesen. Mit dem Urteil von drei Jahren Gefängnis folgte das Landgericht damit letztlich in weiten Teilen der Anklage. 

Tod nicht beabsichtigt

Der Täter habe den Tod der 22-Jährigen nicht beabsichtigt, sagte der Vorsitzende Richter Jens Aßling. Sanel M. sei "kein Killer, Totschläger oder Koma-Schläger". "Es tut mir unendlich leid, was ich getan habe. Ich habe niemals mit ihrem
Tod gerechnet", erklärte Sanel M. während des Prozesses. Die Richter führten aber auch, dass "wer so heftig zuschlägt, der nimmt die Körperverletzung in Kauf." Zudem bescheinigte der Richter dem jungen Mann "schädliche Neigungen" und "erhebliche Erziehungsdefizite" beim Umgang mit Gewalt. Der Mutter von Tugce kamen beim Urteil die Tränen, auch Zuschauer weinten. Der 18-jährige Sanel M. nahm die Entscheidung äußerlich ruhiger auf.

Tumulte im Gerichtssaal

Der gewaltsame Tod von Tugce hatte deutschlandweit große Anteilnahme ausgelöst. Die Studentin soll vor der Tat in der Toilette des Restaurants zwei Mädchen vor dem Angeklagten beschützt haben. Vor dem mit Spannung erwarteten Urteil war es im Gericht zu einem Tumult gekommen. Unter Zuschauern hatte es wegen Drängelns und der begrenzten Plätze Beleidigungen und Rangeleien gegeben. Für den Prozess gab es besondere Sicherheitskontrollen.

Verlust nicht auszugleichen

In dem Verfahren hat das Landgericht Darmstadt mehr als 60 Zeugen vernommen, auch Freundinnen von Tugce sowie Freunde von Sanel M.. Schnell wurde klar, dass sich beide Seiten vor dem Schlag gegenseitig übel beleidigten.  Richter Aßling richtete sich in der Urteilsbegründung auch an die Familie von Tugce. Der Verlust sei "durch kein Urteil dieser Welt auszugleichen".

Täter will in Berufung gehen

In ihrem Urteilsspruch wollten die Richter dediglich die "Schwere der Schuld" nicht feststellen. "Über diese Frage kann man diskutieren", sagte ein sichtlich zufriedener Oberstaatsanwalt Alexander Homm nach der Urteilsverkündung.  "Das Strafmaß war zu erwarten", sagte Macit Karaahmetoglu, Anwalt von Tugces Eltern, die als Nebenkläger aufgetreten waren. Das Wort "zufrieden" sei im Zusammenhang mit dem Urteil nicht angebracht. Die Familie sei aber froh, dass der Prozess nun vorbei sei.  Die Verteidigung will das Urteil dagegen anfechten. "Wir werden in Revision gehen", sagte Anwalt Heinz-Jürgen Borowsky. Man halte die Begründung des Gerichts nicht für überzeugend. Es hätte bessere Möglichkeiten gegeben, als Sanel M. im Gefängnis wegzusperren.

(dpa/san)

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