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Radio Hamburg

Mega-Streik ab Freitag

Lufthansa-Flugbegeleiter streiken 8 Tage lang

Frankfurt/Main, 05.11.2015
Lufthansa

Mehr als eine Woche lang werden ab Freitag (06.11) wohl viele Lufthansa-Jets am Boden bleiben.

Nach den Piloten sind bei der Lufthansa jetzt die Flugbegleiter dran - aller Voraussicht nach werden diese ab Freitag (06.11) 12:00 Uhr für mehr als eine Woche die Arbeit niederlegen.

Nun also die Flugbegleiter: Lufthansa-Passagiere müssen in den kommenden Tagen immer wieder mit streikbedingten Flugausfällen rechnen. Ganze acht Tage lang, bis zum 13. November, soll der Arbeitskampf der Gewerkschaft Ufo dauern, doch den genauen Ablauf lässt die Spartengewerkschaft bewusst im Dunklen. Bislang teilte die Gewerkschaft nur mit, dass aus Rücksicht auf die Planungen der Passagiere wegen der kurzen Frist bis Freitag (06.11), 12.00 Uhr, nicht gestreikt werde. Weitere Einzelheiten werde man "rechtzeitig" am Freitagvormittag bekanntgeben.

Streiks sollen flexibel stattfinden

Ufo-Chef Nicoley Baublies machte am Donnerstag (05.11) klar, dass man die Streiks von Tag zu Tag flexibel handhaben wolle, um der Lufthansa möglichst wenig Chancen auf Reaktionen zu geben. "Die Kunden müssen sich alle darauf einstellen, dass ihr Flug ausfallen könnte." Für die Intensität der Streiks komme es auch darauf an, ob das Unternehmen rechtliche Schritte einleite oder weitere Provokationen äußere. Bei der Lufthansa suchte ein Krisenstab nach möglichen Antworten auf die neue Strategie. "Die auf vielleicht nur noch drei Stunden verkürzte Ankündigungszeit macht die Planung für uns und unsere Passagiere viel schwieriger", sagte ein Sprecher. Bislang waren die Streiks der Piloten immer mit 24 Stunden Vorlauf angekündigt worden.

Zoff zwischen Ufo und Lufthansa

Ufo-Chef Baublies erklärte, bei der Last-Minute-Verhandlung am Donnerstag habe Lufthansa gedroht, bei Annahme der Ufo-Forderungen in Zukunft kein Kabinenpersonal mehr einzustellen und weitere Flugzeuge von der Lufthansa-Kerngesellschaft in andere, billigere Airlines zu verlagern. Lufthansa hatte hingegen erklärt, man sei bereit, auf alle Ufo-Forderungen zu den strittigen Betriebs- und Übergangsrenten einzugehen. Neueinsteigern sollte allerdings eine geringere Altersversorgung auf dem Niveau anderer DAX-Konzerne angeboten werden. Ufo verlangt in dieser Frage eine Gleichstellung auch der neuen Mitarbeiter.

Zankapfel: Ruhestand

Lufthansa sei offenbar nicht in der Lage, die Bedürfnisse der eigenen Beschäftigten anzuerkennen, schimpfte der Gewerkschafter in einer schriftlichen Erklärung. "Sozialpartnerschaft ist keine Einbahnstraße und findet nicht nur zwischen den Tarifpartnern statt." Ufo und Lufthansa seien verpflichtet, alles dafür zu tun, dass die Mitarbeiter nach Jahrzehnten guter Arbeit in einen angemessen Ruhestand wechseln könnten. "Der Konzernführung scheint dies egal zu sein."

Was müssen Passagiere beachten

Der Arbeitskampf betrifft nur die Lufthansa-Mutter, nicht aber die Konzerntöchter wie Germanwings, Eurowings, AUA oder Swiss. Auch einzelne Lufthansa-Fernstrecken, die von der Lufthansa Cityline betrieben werden, dürfen laut Ufo-Hinweisen an die eigenen Mitglieder nicht bestreikt werden. Lufthansa wollte ihre Passagiere so schnell wie möglich über Flugausfälle informieren. Die streikerfahrene Airline nutzt dafür elektronische Kanäle wie SMS, E-Mails und die eigene Homepage. Für den Ersatzflugplan waren zuvor verschiedene Szenarien entwickelt worden. Bei streikbedingten Ausfällen können Tickets kostenfrei umgebucht oder storniert werden, erklärte ein Sprecher.

So ist Hamburg betroffen

Wie der Hamburg Airport nach der Streikankündigung erklärte sind möglicherweise folgende Flüge von den Arbeitsniederlegungen betroffen:

Lufthansa-Streik

Alle betroffenen Flüge von und nach Hamburg

  • Freitag, 06. November, ab 12: Uhr

    -          München: 9 Abflüge und 11 Ankünfte

    -          Frankfurt: 8 Abflüge und 11 Ankünfte

    -          Insgesamt geplante Abflüge ab Hamburg (alle Fluggesellschaften): 122

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 146

  • Samstag, 07. November

    -          München: 9 Abflüge und 8 Ankünfte

    -          Frankfurt: 12 Abflüge und 10 Ankünfte

    -          Insgesamt geplante Abflüge ab Hamburg (alle Fluggesellschaften): 134

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 129

  • Sonntag, 08. November

    -          München: 10 Abflüge und 11 Ankünfte

    -          Frankfurt: 10 Abflüge und 12 Ankünfte

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 157

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 164

  • Montag, 09. November

    -          München: 15 Abflüge und 15 Ankünfte

    -          Frankfurt: 16 Abflüge und 16 Ankünfte

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 209

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 208

  • Dienstag, 10. November

    -          München: 15 Abflüge und 15 Ankünfte

    -          Frankfurt: 16 Abflüge und 16 Ankünfte

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 187

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 188

  • Mittwoch, 11. November

    -          München: 14 Abflüge und 14 Ankünfte

    -          Frankfurt: 16 Abflüge und 16 Ankünfte

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 199

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 199

  • Donnerstag, 12. November

    -          München: 15 Abflüge und 15 Ankünfte

    -          Frankfurt: 16 Abflüge und 16 Ankünfte

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 205

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 205

  • Freitag, 13. November

    -          München: 16 Abflüge und 16 Ankünfte

    -          Frankfurt: 16 Abflüge und 16 Ankünfte

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 215

    -          Insgesamt geplante Ankünfte in Hamburg (alle Fluggesellschaften): 214

Pro Abflug oder Ankunft sind laut des Flughafens 135 Passagiere betroffen. Für alle weiteren Auskünfte und Informationen zu möglichen Flugausfällen, wenden sich Reisende direkt an die Lufthansa.

Streikerprobte Fluggesellschaft

Die Tarifverhandlungen für die Flugbegleiter ziehen sich bereits seit zwei Jahren hin. Auch mit den anderen Berufsgruppen der Piloten und des Bodenpersonals hat Lufthansa bislang keine Einigung zum Umbau der Altersversorgung erreicht. Grundsätzlich will der Kranich-Konzern nur noch feste Rentenzuschüsse zahlen, nicht aber mehr wie bislang die absolute Höhe der Renten garantieren. Dies hat in der andauernden Niedrigzinsphase zu erheblichen bilanziellen Belastungen des
Eigenkapitals geführt.  Bei den parallelen Verhandlungen für die rund 33.000 Bodenbeschäftigten machte Verdi am Donnerstag erneut deutlich, dass sie anders als die Ufo eine Systemumstellung nicht mitträgt und daher weiter auf garantierten Renten besteht.

Auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die ihre Mitglieder seit April 2014 bereits 13 Mal streiken ließ, ist gegen die Umstellung auf Festbeiträge. Die VC hatte die Verhandlungen wieder aufgenommen, nachdem ein Gericht den 13. Streik im September abgebrochen hatte. Die Begründung hatte gelautet, dass dieser sich allzu offensichtlich gegen die unternehmerische Entscheidung gerichtet habe, die Billigschiene Eurowings außerhalb des deutschen Tarifrechts im Ausland auszubauen.

(dpa/san) 

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