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Radio Hamburg

Irischer Flugärger

Ryanair veröffentlicht Liste aller gestrichenen Flüge

Dublin, 19.09.2017
Drei Ryanair Flugzeuge stehen auf einem Flughafen Rollfeld

50 Ryanair-Flugzeuge sollen bis Ende Oktober in ganz Europa am Boden bleiben.

Bis Ende Oktober wird Billigflieger Ryanair täglich bis zu 50 Verbindungen streichen - insgesamt rund 2.000 Flüge. Eine Streichungsliste gibt Aufschluss welche Flüge betroffen sind.

Flugreisende über Deutschland und Europa haben in letzter Zeit wahrlich wenig zu lachen. Bei Air Berlin bleiben viele Flieger aufgrund des anstehenden Verkaufs der Airline am Boden, bei dem irische Biligflieger Ryanair werden zudem in den kommenden Wochen rund 2.000 Flüge gestrichen, um die Pünktlichkeit zu verbessern. Eine Streichungsliste der irischen Fluglinie soll nun immerhin den Reisenden etwas mehr Planungssicherheit bieten.

Streichungsliste auf Ryanair-Homepage

Der Billigflieger Ryanair hat in der Nacht zu Dienstag (19.09.) eine Liste aller gestrichenen Flüge der kommenden Wochen auf seiner Webseite veröffentlicht. Betroffene Passagiere würden zudem per Email über die Streichungen benachrichtigt, teilte das Unternehmen in der mit. Wird ein Flug abgesagt, können Ryanair-Kunden demnach entweder eine Rückerstattung beantragen oder kostenlos auf einen anderen verfügbaren Flug umbuchen.

Flüge in Deutschland betroffen

Am Dienstag (19.09.) sind allein sechs Flüge von und nach Deutschland betroffen - auf den Strecken Nürnberg-Mailand, Köln-Mailand sowie Berlin-Dublin. Ryanair hatte am Freitag angekündigt, bis Ende Oktober täglich bis zu 50 ihrer mehr als 2.500 Flüge abzusagen. Dies wären insgesamt rund 2000 Verbindungen. Zu den Abflug-Flughäfen, von denen Flüge gestrichen werden, gehören unter anderem Barcelona, Brüssel, Dublin, London-Stansted, Mailand und Madrid. Der Hamburger Flughafen ist von den rund gestrichenen Flüge bisher nur wenig betroffen. Ein Start und eine Landung werden am Freitag (22.09.) auf der Strecke Madrid-Hamburg gestrichen. Am Montag (18.09.) waren bereits zwei Flüge der Verbindung Manchester-Hamburg ausgefallen. 

Insgesamt werden die Ausfälle aber für weniger als zwei Prozent der Kunden Auswirkungen haben, hieß es. Mit der Maßnahme will das Unternehmen nach eigenen Angaben seine Pünktlichkeit verbessern. Zudem müssten Urlaubsansprüche der Crews berücksichtigt werden.

+++ Hier geht es direkt zur Flug-Streichungsliste von Ryanair +++

EU mahnt Fluglinie

Unterdessen ist Ryanair wegen der Flugstreichungen heftig in die Kritik geraten. Die EU-Kommission mahnte die Iren am Montag (18.09.) die europäischen Verbraucherrechte der Passagiere zu achten. Diese hätten bei der Absage eines Flugs eine Reihe von Ansprüchen, betonte ein Kommissionssprecher in Brüssel. Gleichzeitig wurden Zweifel an der von Ryanair vorgebrachten Begründung laut. Statt einer verfehlten Personalplanung könnten nach Ansicht von Experten auch massenhafte Kündigungen von Piloten oder eine strategische Entscheidung zur Air-Berlin-Insolvenz hinter den Flugstreichungen stehen. Ryanair bereitet sich nach Einschätzung von Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne auf den möglichen Fall vor, dass die insolvente Air Berlin ihren Flugbetrieb aus Geldmangel vorzeitig einstellen muss. "Im Fall eines vorzeitigen 'Groundings' der Air Berlin müssten die begehrten Start- und Landerechte vom zuständigen Koordinator der Bundesrepublik sofort neu vergeben werden", sagte Wissel. Den Zuschlag könnten aber nur Gesellschaften erhalten, die dann auch mit entsprechenden Flugzeugen die Strecken tatsächlich fliegen könnten. Dafür wolle Ryanair einige Maschinen in der Hinterhand haben, vermutete Wissel.

Die Rechte der Fluggäste

Nach einschlägigen EU-Regeln aus dem Jahr 2004 müssen Airlines ihre Kunden mindestens zwei Wochen vor dem Abflug über eine Streichung informieren. Ist die Frist kürzer, müssen sie den Passagieren eineneue Verbindung anbieten. Je weniger Zeit bis zum gebuchten Abflug bleibt, desto weniger Spielraum hat die Airline: Werden Kunden weniger als sieben Tage vorher unterrichtet, darf der Ersatzflug nicht mehr als eine Stunde früher abgehen und nicht mehr als zwei Stunden später ankommen als die ursprünglich gebuchte Verbindung. Schafft die Fluglinie das nicht, muss sie Kunden entschädigen, wie die Kommission klarstellte. Man erwarte, dass sich Ryanair daran halte. Für die Durchsetzung der Rechte zuständig seien aber nationale Behörden, in Deutschland das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig. 

Ryanair-Chef rechnet mit Millionenschaden

Ryanair-Chef Michael O'Leary rechnet mit einem negativen Ergebniseffekt von "unter 5 Millionen Euro", wie er auf einer Analystenkonferenz in London sagte. Die Ausgleichsansprüche bezifferte der Manager auf bis zu 20 Millionen Euro. O'Leary räumte ein, dass die Streichungen das Image von Ryanair beschädigen könnten. Die Piloten will Ryanair mit einem "Loyalitätsbonus" bei der Stange halten. Wie O'Leary weiter sagte, würden Konkurrenten um die Piloten von Ryanair buhlen - es gebe jedoch keinen Personalengpass. Die deutsche Gewerkschaft Vereinigung Cockpit sagte hingegen der "Mitteldeutschen Zeitung", dass Ryanair-Piloten massenhaft das Weite suchten und bei anderen Gesellschaften anheuern wollten.

(dpa/san)

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