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Radio Hamburg

Napster-Team mit neuem Projekt

Airtime: Videochat mit zufälligen Partnern

New York, 06.06.2012
Airtime

Der neue Videochat "Airtime" läuft komplett über Facebook.

Sean Parker und Shawn Fanning, die beiden Napster-Gründer, melden sich mit einem neuen Projekt zurück: Airtime.

Die Idee ist nicht neu: Videochats, bei denen der Gesprächspartner ausgewürfelt wird. Trotzdem ist die Herangehensweise bei "Airtime" irgendwie neu, anders, besser - und läuft komplett über Facebook. Für Aufsehen um den neuen Dienst sorgt außerdem, dass er von den Napster-Machern Shawn Fanning und Sean Parker kommt. Und diesmal soll es nicht - wie bei Seiten wie "Chatroulette" - um Porno-Chats gehen.

Was kann Airtime?

Der Clou an "Airtime ist", dass man nicht nur mit seinen Facebook-Freunden kommunizieren kann, sondern auch mit Fremden, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden. Hinter Airtime stehen Napster-Gründer Shawn Fanning und der milliardenschwere Internet-Investor Sean Parker (Mitgründer von Facebook). Ein Nutzer kann auswählen, ob er mit seinen Facebook-Freunden chatten will - oder sich auf ein Videotelefonat mit einem Fremden einlässt. Die Gesprächspartner werden dann ausgehend aus den im Facebook-Profil vermerkten Interessen eines Nutzers ausgesucht.

Airtime setzt auf den "Social Graph" von Facebook

Bei Airtime kann man mit seinen Facebook-Freunden einen Videochat starten. Das Besondere an dem Dienst ist aber die Möglichkeit, mit Fremden zu chatten, die über Facebook ausgesucht werden. Der "Social Graph" wird genutzt, um gemeinsame Interessen der User zu finden. So treffen nur Nutzer aufeinander, die entweder die gleichen Dinge "geliked haben", sich gerade direkt in der Nähe befinden oder die gleichen Freunden haben. Hat man sich mit einem Partner verbunden, kann über Text, Video und Audio gechattet werden - aber auch das gemeinsame Angucken von Videos ist möglich. In Zukunft ist auch gemeinsames Musik hören und spielen geplant. Außerdem soll es auch bald Gruppenchats geben und eine App für Apple und Android ist geplant.

Auch Promis bekommt man vor die Linse

Mark Zuckerberg, Alicia Keys, Jim Carrey und andere Promis haben den neuen Dienst bereits ausprobiert. Und da der Zufall bzw. die gemeinsamen Interessen über den Chat-Partner entscheiden, ist es gut möglich, dass auch Sie einen Promi zum Plaudern zugelost bekommen.

Kein Porno-Dienst wie Chatroulette

Vor ein paar Jahren hatte schon ein junger russischer Programmierer mit für Aufsehen mit dem Dienst Chatroulette gesorgt, bei dem die Gesprächspartner ausgewürfelt wurden. Die anfangs populäre Idee scheiterte jedoch daran, dass zu viele männliche Nutzer mehr zeigten als andere Nutzer sehen wollten. Um das zu verhindern, schlägt die Airtime-Software internen Alarm etwa wenn kein Gesicht im Bild zu sehen ist. Rund 100 Mitarbeiter überwachen die Bilder im Dienst, sagte Airtime-Manager Michael Polansky dem "Wall Street Journal". Wer sich nicht benimmt, fliegt raus.

Airtime greift Skype mit neuen Ideen an

Airtime trifft auf einen bereits hart umkämpften Markt. Der von Microsoft gekaufte Videotelefonie-Pionier Skype hat mehrere hundert Millionen Nutzer, Apple setzt auf den hauseigenen Dienst FaceTime, Google richtete in seinem Online-Netzwerk Google+ die sogenannten Hangouts ein, an denen auch mehrere Nutzer teilnehmen können. Auch Facebook, auf dem Airtime aufsetzt, hat einen eigenen Videochat. Dazu gibt es jede Menge kleinerer Konkurrenten. Parker will das Geld etwa mit Werbeeinblendungen vor Chat-Beginn oder Spezialeffekten wie virtuellen Schnauzbärten verdienen. Das Startup holte sich bisher 25 Millionen Dollar für die Entwicklung. Parker könnte es allerdings auch locker aus eigener Tasche finanzieren. Nachdem die Musikindustrie Napster schließlich schließen konnte, wurde er mit einem guten Gespür für Investitionen in Internet-Unternehmen reich. Allein sein Facebook-Anteil ist auch nach den massiven Kursverlusten mehr als 1,5 Milliarden Dollar wert.

Airtime steht ab jetzt für alle Facebook-User zur Verfügung.

(lhö)