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Radio Hamburg

Berechtigt oder überflüssig?

Facebook löscht Profil von Nutzerin wegen Pseudonym

Hamburg, 28.07.2015
Facebook Startseite Screenshot

Facebook will mit der Klarnamen-Pflicht verhindern, dass Menschen unter Pseudonymen im Netzwerk auftreten. 

Weil sie sich unter einem Pseudonym bei Facebook angemeldet hat, wurde das Facebook-Profil einer Nutzerin gelöscht. Außerdem sollte sie ihren Personalausweis vorzeigen. 

Sich bei Facebook mit seinem richtigen Namen anmelden kommt für viele Personen nicht in Frage. Das Online-Netzwerk möchte das aber mit der Klarnamen-Pflicht ändern, doch der Hamburgische Datenschutzbeauftragte will nun formell dagegen vorgehen.

Kopie des Personalausweises vorzeigen

Facebook müsse zulassen, dass Menschen den Dienst auch mit einem Pseudonym nutzen, erklärte der Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. Das Netzwerk dürfe pseudonyme Profile nicht sperren und auch keine Kopie des Personalausweises als Beleg für die Namen der Nutzer fordern. Ausgangssituation dieser öffentlichen Diskussion ist das Problem einer Nutzerin, die unter Pseudonym bei Facebook angemeldet war, da sie keine beruflichen Nachrichten bekommen wollte. Laut dem deutschen Telemediengesetz muss es möglich sein, Dienste auch anonym oder unter einem Pseudonym zu benutzen. Das Ende der Geschichte ist, dass das Konto der Nutzerin gesperrt wurde. Facebook habe einen amtlichen Ausweis gefordert und das Profil auf den echten Namen der Frau umgestellt. Das alles hält Caspar für unzulässig. Er ordnete an, dass Facebook diese Schritte rückgängig machen müsse und das Profil der Frau sofort wieder freischalten solle. Dazu verschickte Caspar eine Verwaltungsanordnung an Facebook, wogegen sich das Online-Netzwerk jedoch wehren konnte. Facebook zeigte sich verwundert und erklärte: "Wir sind enttäuscht, dass Facebooks Pflicht zu echten Namen wieder hervorgeholt wird". Tatsächlich wies das Oberverwaltungsgericht Schleswig im Jahr 2013 eine Klage zur Klarnamen-Pflicht ab.

Nationales Recht statt allgemeiner Bedingungen

Da sich der Europasitz von Facebook in Irland befindet und daher die irischen Datenschützer für das Thema zuständig sind, fällt es Kritikern schwer, gegen Facebook vorzugehen. Die gemeinsamen Datenschutz-Regeln in Europa sind veraltet, daher gelten in jedem Land unterschiedliche Bedingungen. Caspar ist jedoch der Meinung, dass der Europäische Gerichtshof mit seiner Rechtssprechung zu Google geklärt habe, dass US-Internetkonzerne sich an nationales Recht halten müssten und könnten sich nicht auf den Standpunkt zurückziehen, dass für sie nur das irische Datenschutzgesetz maßgeblich sei. "Facebook ist mit seiner Niederlassung in Hamburg wirtschaftlich in Deutschland tätig. Danach gilt: Wer auf unserem Spielfeld steht, muss sich auch an unsere Regeln halten", erklärte Caspar.
Auch in seinem Heimatland, den USA, brachte Facebook mit der Klarnamen-Pflicht Ärger, sodass mittlerweile "authentische Namen" bei der Anmeldung reichen.

Was haltet Ihr davon? Sollte man sich weiterhin unter einem Pseudonym bei Facebook anmelden können? Schreibt Eure Meinung in die Kommentare. 

(pgo/dpa)

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