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Radio Hamburg

Kommentar zu #NetzFragtMerkel

LeFloid als Stichwortgeber statt Meinungsmacher

Hamburg, 14.07.2015

Das Interview von LeFloid mit Angela Merkel - oder doch eher umgekehrt?

Im Interview mit Bundeskanzlerin wollte LeFloid seine YouTube-Star-Qualitäten beweisen. Am Ende scheint er eher wie der Stichwortgeber für Merkels Politikkampagnen.

LeFloid ist bekannt für seine polarisierende Art. Er äußert in YouTube-Videos seine Meinung vor allem zur Politik und gewinnt für dieses Konzept "Neuer Nachrichten" Millionen Likes und Abonnenten für seinen Channel.

LeFloid fragt Merkel

Das hatte sich sogar bis zur Bundeskanzlerin durchgesprochen, sodass sie sich mit dem erfolgreichen YouTube-Star zum Interview treffen wollte. Wochenlang wurde dieses Thema im Netz gepusht und Ihr um Eure Fragen an die Kanzlerin gebeten, bis am Montagnachmittag (13.07.) endlich das Video im Channel von LeFloid auftauchte. Die Hände wurden gerieben, denn jetzt würde mal ein "Normalo" der unantastbaren Merkel, seine Meinung zu Homo-Ehe, Legalisierung von Gras und der NSA-Spähaffären geigen. Endlich!

Stichwortgeber statt Meinungsmacher

Doch die Ernüchterung ist schon nach wenigen Augenblicken groß. LeFloid scheint von der Interviewkulisse unglaublich eingeschüchtert. Angela Merkel wirkt vor dem großen Glasfenster mit Blick auf das Reichstagsgebäude hingegen perfekt in Szene gesetzt. Ob dem YouTube-Star jetzt schon klar war, für was er da instrumentalisiert wurde?

Werbeveranstaltung für die CDU

Bereits als Antwort auf die erste Frage nutzt die Kanzlerin die Chance auf die Werbung für den "Bürgerdialog zur Lebensqualität in Deutschland". Und auch im restlichen Interview ist LeFloid eher Stichwortgeber für Merkels Selbstdarstellung. Die Fragen der Netzgemeinde wurden zwischendurch zwar eingeblendet, aber nicht so konsequent beantwortet.

Während er in einem Video vor sechs Wochen noch eine klare Meinung zur Homo-Ehe hatte, redet Merkel ihm anscheinend selbst die kaputt, sodass er sich mit der Begründung der Kanzlerin gegen die Ehe gleichgeschlechtlicher Partner nach einem kurzen Aufbahren zufrieden gibt und nur noch ein "absolut" hervorbringt.

Merkel gewinnt das Duell

Wenn das Gespräch ein TV-Duell gewesen wäre, hätte Merkel gewonnen, durch die Erwartungen auf eine nahbare Kanzlerin und LeFloids Souveränität verlieren aber beide. Die Bundeskanzlerin zeigt erneut, dass sie schlagfertig ist. Nahbar wird sie durch dieses Interview nicht.

LeFloid lässt sich häufig abbügeln. Stellt seine Fragen nicht konsequent genug und bekommt als Antwort Politiker-Sprech, den man auch in den von Frau Merkel so häufig erwähnten Broschüren nachlesen kann, aber die meisten Zuschauer von LeFloid wohl wenig interessieren. Von seiner eigenen Meinung, die er in seinen Videos stark vertritt, ist auch wenig zu spüren.

Kein Jahrhundertinterview

Nachdem es viel Kritik für LeFloid hagelte, melden sich nun viele zu Wort und fragen die Journalisten: Habt Ihr wirklich gedacht, LeFloid macht es besser als ihr? Die Antwort ist: Ja! Viele sind an ihre Zeitung, ihren Fernseh- oder Radiosender gebunden. Meistens kann man nicht einfach Interviews im Jugendsprech führen. Dieser YouTuber hatte jedoch die Chance sein Wissen und seine Meinung auf seiner Plattform zu präsentieren und seinen Usern mundgerecht zu servieren und trotzdem seinen Stil beizubehalten.

Dieses Interview wird seinem Erfolg keinen Abbruch tun. Dennoch hätte er mit diesem Interview beweisen können, was so ein YouTube-Kanal erreichen kann und dass man solch ein Format auch in dieser Umgebung, mit der Bundeskanzlerin in einem ähnlichen Stil halten kann.

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