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Radio Hamburg

Roaming-Gebühren

EU-Pläne: Handynutzung im Ausland bleibt teuer

Berlin/ Brüssel, 16.05.2015
Handy, Ausland, Roaming, Handynutzung im Urlaub

Fotos knipsen am Strand und dann an die Freunde zu verschicken, bleibt auch in Zukunft ein teurer Spaß.

Geht es nach der EU sollen Handynutzer im europäischen Ausland weiterhin kräftig zur Kasse gebeten werden. Dabei wollte man die Extra-Gebühren erst abschaffen.

Telefonieren, surfen und simsen im EU-Ausland bleibt wohl auch in Zukunft ein kostspieliges Vergnügen. Nach Plänen der EU-Staaten sollen die Extra-Gebühren für die Handynutzung im Ausland nicht, wie zuerst vorgesehen, abgeschafft werden. Von Seiten der Politiker und Verbraucherschützern hagelt es heftige Kritik an den Plänen.

"Roaming passt nicht zu Europa"

"Roaming-Gebühren passen nicht zur Idee von Europa und zur Idee des digitalen Binnenmarkts", sagte der frühere niedersächsische Ministerpräsident und jetzige EU-Parlamentarier David McAllister (CDU) der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" am Samstag (16.05). Es mache keinen Sinn, dass es unterschiedliche Gebühren gebe. "Verbraucher sind sich häufig gar nicht bewusst, in welche Gebührenfallen sie dabei tappen." Der SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange kündigte den Widerstand des Europaparlaments an. "Offensichtlich scheinen einige Telekommunikationskonzerne Einfluss bei einigen Staaten gewonnen zu haben. Die Mehrkosten sind durch nichts mehr zu rechtfertigen, zumal die Telekommunikationsunternehmen längst europaweit agieren", sagte Lange der Zeitung.

Rolle rückwärts

Eigentlich hätten sich Handynutzer schon zum Jahresende auf eine Abschaffung der Extra-Gebühren für Telefonate, Surfen und SMS im EU-Ausland freuen können. Doch daraus wird wohl nichts: Erstens wird die Zeit knapp. Zweitens gibt es inzwischen unter den EU-Staaten einen Kompromissplan, die Gebühren auf niedrigem Niveau beizubehalten. Das geht aus einem öffentlich gewordenen Dokument des Rates hervor, über das am Freitag (15.05) die "Bild"-Zeitung berichtete. Die EU-Länder müssen sich aber noch mit dem Europa-Parlament einig werden - dort will man die Gebühren eigentlich streichen. Das hatten EU-Abgeordnete bereits Freitag bekräftigt.

Verbraucherschützer empört

Auch Verbraucherschützer hatten die Abschaffung der Gebühren gefordert. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hatte nach Bekanntwerden der Pläne empört reagiert: "Kommunikation ist nicht nur ein Urlaubsspaß, sondern innerhalb Europas für viele Menschen notwendiger Alltag", kommentierte Vorstand Klaus Müller. "Die Preise für die Endkunden müssen sich stärker an den realen Kosten der Unternehmen
orientieren. Derzeit verdienen Unternehmen gutes Geld mit den Roaming-Gebühren." Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverbraucherschutzministerium, Ulrich Kelber (SPD), sagte der "Passauer Neuen Presse": "Die vollständige Abschaffung der Roaming-Gebühren in Europa muss das Ziel bleiben. Nur so werden wir den Erwartungen der Verbraucher gerecht."

Relikt aus vergangenen Zeiten

Angesichts des technologischen Fortschritts seien Roaming-Gebühren ein Relikt vergangener Zeiten. So schaffe man keine digitale europäische Gesellschaft, sagte die Grünen-Politikerin Renate Künast den "Ruhr Nachrichten" . Die Vorsitzende des Verbraucherschutz-Ausschusses im Bundestag sagte, es sei an der Zeit, endlich etwas für alle Verbraucher zu tun. Dem Kompromisspapier der EU-Staaten zufolge sollen Bürger etwa bei Anrufen aus dem Ausland nur 50 Minuten lang zu Inlandskonditionen telefonieren können. Zudem sollen sie 50 SMS pro Jahr aus dem Ausland zu Inlandsbedingungen verschicken können, die mobile Internetnutzung ohne Aufschläge wäre nur bis zu 100 Megabyte im Jahr möglich. Diese Zahlen nannte die "Bild" am Freitag mit Bezug auf das Papier der EU-Länder.

Kosten dennoch niedriger?

Die Staaten hatten sich bereits Anfang März darauf verständigt, dass sie die Extra-Gebühren für mobiles Telefonieren und Surfen im Ausland mit Einschränkungen vorerst weiter erlauben wollen. Ein EU-Diplomat bestätigte, dass die Zahlen dem derzeitigen Kompromiss unter den Staaten entsprechen. Er sagte, man gehe aber davon aus, dass die Roaming-Aufschläge nach Erreichen dieser Grenzwerte niedriger ausfallen als bisher.

(dpa/san)

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