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Radio Hamburg

Ach sooooo geht das!

Renate Künast erklärt Internet-Trollen wie's geht

Berlin, 16.01.2016
Renate Künast Hass Tool bei Facebook

Politikerin Renate Künast gibt den Schreibern von Hasskommentaren ganz praktische Tipps, wie sich schöner trollen lässt.

Promis und Politiker kennen das zur Genüge - lehnt man sich im Netz vielleicht etwas zu sehr aus dem Fenster, hagelt es Beleidigungen und Pöbeleien. Grünen-Politikerin Renate Künast erklärt jetzt, wie man's richtig macht!

Ja, als Internet-Troll, der ständig bemüht ist jeden und alles zu beleidigen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, hat man es stellenweise schon schwer. Angesichts von Flüchtlings-, Euro- und Was-Es-Nicht-Sonst-Noch-Alles-Gibt-Krise muss der gemeine Troll schon ordentlich ackern. Wie gut, dass Grünen-Politikerin Renate Künast auf ihrer Facebook-Seite ganz praktische Tipps zum schnelleren Hasskommentare-Schreiben veröffentlicht hat, die allen Hatern ein willkommener Service sein dürften. Zum Lachen ist die ziemlich ironische Anleitung allemal.

"So richtig auskotzen"

Wer sich mal so richtig auskotzen wolle, weil einem vielleicht die Frisur von Künast nicht gefallen habe und wer zudem nicht genau wisse, was man schreiben solle und auch noch eine augeprägte Rechtschreibschwäche habe, für den sei das Hass-Tool genau das Richtige, so Künast auf ihrer Facebook-Seite am Donnerstag (14.01). Was danach folgt sind fünf grandios-sarkastische Tipps, wie Trolle in Zukunft schneller und vor allem schöner so richtig effizient haten können.

Praktische Tipps

Trollen leicht gemacht

  • 1. Grußformel

    Die meisten Hass-Kommentare kommen ganz ohne Anrede aus. Tun Sie sich keinen Zwang an. Manche schreiben auch „Frau Künast!" und manche bringen den immer wieder neuen Witz und nennen mich „Frau Knast". Alles ist möglich. Sie können mich aber jederzeit auch mit „Sehr geehrte Frau Künast" anreden.

  • 2. Inhalt  

    Hauen Sie einen raus. Seien Sie kreativ. Hier ein paar Dinge, die fast noch niemand geschrieben hat:
    - „Pfui!!!!", „Unerträglich!!!!!", „Peinlich!!!!!!", „Sie sollten sich schämen!!!!!!!"
    - „Wenn ich die schon sehe!"
    - „Früher habe ich mal die Grünen gewählt, spätestens jetzt sind sie unwählbar!"
    - „Es wird bald Prozesse für Politiker (sic!) wie dich geben!"
    - „Noch schlimmer als die Roth!"
    - „Nie wieder Grün!"
    - „Und das von meinen Steuergeldern!"
    - „Dumm wie Brot!"
    - „Zieh die Schuhe aus!"
    - „Armes Deutschland"
    - „Lern erst mal Türkisch!"
    - „Volksverräterin!"
    - „Wie war das noch mit Lincoln und Washington?"
    Es gibt natürlich noch viel mehr Möglichkeiten. Schauen Sie sich die Kommentare Ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger an. Kopieren Sie es einfach. Hauptsache, es geht Ihnen danach besser.

  • 3. Stil

    Sparen Sie nicht an Ausrufezeichen. Schreiben Sie einzelne Worte, Sätze oder gleich den gesamten Kommentar ruhig in Versalien.

  • 4. Soziales

    Sie werden bestimmt einige Likes bekommen. Je früher Sie posten, desto wahrscheinlicher ist das. Sehen Sie das als Bestätigung und liken Sie dafür die Hass-Kommentare der anderen. Solche Gruppenerfahrungen bei gleichzeitiger Einsamkeit daheim kann ich Ihnen dank meines facebook-Profils kostenlos anbieten.

  • 5. Konsequenzen

    Sie brauchen die großen Worte nicht zu scheuen. Denn Sie wissen: Ich stelle zwar regelmäßig Strafanzeigen wegen Beleidung und Volksverhetzung, die Ermittlungsbehörden verfolgen Ihre Taten aber nur vereinzelt und stellen die Verfahren rasch ein. 
    Trotzdem kann es unangenehm sein, wenn gegen Sie ermittelt wird.

"Emotionale Erleichterung"

Am Ende ihres Postings stellt Künast dann auch direkt vor, mit welchen Konsequenzen Internet-Trolle zu rechnen haben und präsentiert eine Mail, die den Servicebeitrag der Politikerin nicht besser hätte abschließen könnte:

hallo frau kühnast
wie ich heute erfuhr ,haben Sie mich wegen Beleidigung in Ihrer
facebookseite angezeigt.
natürlich war meine Wortwahl Ihnen gegenüber nicht richtig und total
überzogen und deshalb entschuldige ich mich auch in aller form deswegen .was
mich bei diesem beitrag geritten hatte kann ich jetzt nicht mehr
nachvollziehen denn ich finde diesen beitrag nicht mehr.
es war denke ich mal ein beitrag zur aktuellen Flüchtlingsdiskussion und in
der aufgeheizten Stimmung bin ich wohl weit über das ziel
hinausgeschossen...er Ermittlungsbehörde habe ich in meiner Stellungnahme
mitgeteilt das ich den Tatbestand zugebe und ich mich bei Ihnen
entschuldigen werde...
das ist mir jetzt eine Mahnung zurückhaltender in den sozialen medien zu
sein.eine Geldbuße werde ich wohl leisten müssen.
mfg n bxxx

Künast beendet den Post schließlich mit den Worten "Viel Freude und emotionale Erleichterung beim Schreiben wünscht Renate Künast". In diesem Sinne, in die Tasten gehauen ihr Trolle. ;)