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Radio Hamburg

Neue Cyber-Attacke

Auch Hamburger Nivea-Hersteller Beiersdorf betroffen

Hamburg/Berlin, 28.06.2017
Beiersdorf

Das Hamburger Unternehmen Beiersdorf ist ebenfalls von der neuesten Cyber-Attacke betroffen.

Ein neuer Cyber-Angriff traf vor allem internationale Konzerne. Auch das Hamburger Unternehmen Beiersdorf ist von dem jüngsten Angriff betroffen.

Nach dem zweiten massiven Angriff mit Erpressungssoftware innerhalb von zwei Monaten kämpfen Firmen rund um den Globus mit den Folgen der Cyber-Attacke. Zu den betroffenen
Unternehmen zählen die dänische Reederei Maersk, der größte russische Ölproduzent Rosneft, der US-Pharmakonzern Merck, die französische Bahn SNCF, der Lebensmittel-Riese Mondelez ("Milka", "Oreo") sowie das Hamburger Unternehmen Beiersdorf.

Besonders hart traf es Unternehmen und Behörden in der Ukraine. An der Ruine des ukrainischen Katastrophen-Atomkraftwerks Tschernobyl musste die Radioaktivität nach dem Ausfall von Windows-Computern manuell gemessen werden. Wichtige technische Systeme der Station funktionierten dort aber normal.

Windows-Sicherheitslücke ausgenutzt

Die Schadsoftware verbreitete sich am Dienstag (27.06.) nicht nur über die Windows-Sicherheitslücke, die im Mai der Trojaner «WannaCry» ausgenutzt hatte, sondern fand auch einen weiteren Weg, Computer innerhalb eines Netzwerks anzustecken. Unterdessen sehen Experten Hinweise darauf, dass die Angreifer eher Chaos anrichten wollten und nicht auf Profit aus waren.

Während Erpressungstrojaner, die Computer verschlüsseln und Lösegeld für die Freischaltung verlangen, ein eingespieltes Geschäftsmodell von Online-Kriminellen sind, war die Bezahlfunktion bei der neuen Attacke äußerst krude gestaltet. Die Angreifer verlangten 300 Dollar in der Cyberwährung Bitcoin. Das Lösegeld sollte auf ein einziges Konto gehen, die zahlenden Opfer sollten sich per E-Mail zu erkennen geben. Nachdem der E-Mail-Anbieter Posteo die genannte Adresse aus dem Verkehr zog, wurde es für die Betroffenen völlig sinnlos, Lösegeld zu zahlen. Bis Mittwochmorgen gingen nur 35 Zahlungen auf dem Bitcoin-Konto ein.

Beiersdorf ohne Statement

Die russische IT-Sicherheitsfirma Kaspersky verzeichnete am Dienstag rund 2000 erfolgreiche Angriffe, die meisten davon in Russland und der Ukraine, aber auch in Deutschland, Polen, Italien, Großbritannien, Frankreich und den USA.

In Deutschland ist auch Hamburger Zentrale von Beiersdorf betroffen. Wie von einem Mitarbeiter zu erfahren war, sind viele Beiersdorf-Angestellte am Mittwoch (28.06.) Zuhause geblieben, weil in dem Unternehmen gar nichts mehr funktionieren soll.
Da die Telefonanlage und E-Mail Server nicht funktionieren, sind Unternehmenssprecher leider nicht erreichbar. Offizielle Statements seitens des Unternehmens gibt es bisher nicht.

Der neue Angriff breitete sich langsamer aus als der "WannaCry"-Trojaner, der binnen eines Tages hunderttausende Computer befiel - aber er zog mehr international agierende Unternehmen in Mitleidenschaft. IT-Sicherheitsexperten waren sich unterdessen uneins, mit welcher Software sie es diesmal überhaupt zu tun haben. Ersten Erkenntnissen zufolge handelte es sich um eine Version der bereits seit vergangenem Jahr bekannten Erpressungs-Software "Petya". Kaspersky kam hingegen zu dem Schluss, es sei keine "Petya"-Variante, sondern eine neue Software, die sich nur als "Petya" tarne.

Update nach "WannaCry"

Der Trojaner habe sich zumindest zum Teil über dieselbe Sicherheitslücke in älterer Windows-Software verbreitet wie auch der im Mai für eine globale Attacke genutzte Erpressungstrojaner "WannaCry", erklärten die IT-Sicherheitsfirma Symantec und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

In internen Netzen nutze "Petya" aber zusätzlich ein gängiges Administrationswerkzeug zur Weiterverbreitung aus und könne damit auch Systeme befallen, die auf aktuellem Stand seien, warnte das BSI. Die Windows-Schwachstelle wurde ursprünglich vom US-Abhördienst NSA ausgenutzt. Hacker machten sie im vergangenen Jahr öffentlich. Es gibt zwar schon seit Monaten ein Update, das sie schließt - doch das scheinen viele Firmen noch immer nicht installiert zu haben.  Mitte Mai hatte die "WannaCry"-Attacke hunderttausende Windows-Computer in mehr als 150 Ländern infiziert. Betroffen waren damals vor allem Privatpersonen - aber auch Unternehmen wie die Deutsche Bahn und Renault. (dpa/apr)

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