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Radio Hamburg

Geleakte Dokumente veröffentlicht

Fragwürdige Facebook-Richtlinien

Hamburg, 22.05.2017
Facebook

Wie sollen Facebook-Mitarbeiter mit Hasskommentaren umgehen?

Welche Inhalte dürfen auf Facebook gepostet werden, welche nicht? Der „Guardian“ hat jetzt geleakte Dokumente zu den Facebook-Löschregeln veröffentlicht. 

Mobbing, Beleidigungen, terroristische und gewaltverherrlichende Kommentare oder rassistische sowie pornografische Inhalte … immer mehr Menschen werden Opfer solcher oder ähnlicher Einträge in den sozialen Netzwerken. Doch wie geht man mit solchen Kommentaren im Internet um? Welche Regeln und Richtlinien gibt es? Besonders Facebook ist immer wieder in die Kritik geraten: Facebook-Mitarbeiter brauchen noch viel zu lang, bis sie auf Hasskommentare oder ähnliche negative Einträge reagieren.

Facebook-Leak zum Umgang mit Hasskommentaren

Beleidigende und strafbare Inhalte werden immer noch viel zu wenig und viel zu langsam zensiert, gelöscht oder von den Facebook-Administratoren entfernt. Eine der größten Schwachstellen bei Facebook ist die unzureichende Zensierung von sexuellen und gewaltverherrlichenden Inhalten. So lautet das Ergebnis einer Auswertung der britischen Tageszeitung „The Guardian“. Ein Team hatte die offiziellen, aber geheimen Facebook-Richtlinien zugespielt bekommen und diese ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass es zum einen an Transparenz fehlt, wie viele Beschwerden von Nutzern bei Facebook gemeldet und letztlich von Facebook-Mitarbeitern ernstgenommen werden. Zum anderen zeigt die Auswertung, dass die Facebook-Richtlinien zum Umgang mit Hass sehr fragwürdig sind: Facebook tut sich schwer, im Netzt geäußerte Gefühle in Regeln zu bringen. Für eindeutige Bewertungen fehle der Kontext, um zu verstehen, wie etwas gemeint ist. Bei den Inhalten auf der Facebook-Seite, die von fast 2 Milliarden Menschen genutzt wird, ist es nicht leicht alles im Blick zu behalten. Zudem ist es schwer zu erkennen, was ironisch oder ernst gemeint ist. Es gibt einfach noch zu wenig „Online-Aufpasser“, die sich kritischen Online-Inhalten widmen.

Unverständliche Löschkriterien

Der Guardian hat mehr als 100 Dokumente in Bezug auf Facebook-Einträge ausgewertet. Die Löschkriterien und Richtlinien sind dabei sehr fragwürdig. Ein skurriles Beispiel – so das Auswertungsergebnis des Guardian – sei die unterschiedliche Handhabung mit Sex und Pornografie: Bei Facebook ist demnach jede „handgemachte Kunst“, die sexuellen Aktivitäten oder nackte Personen zeigt, auf Facebook erlaubt. Produzierte Kunst mit denselben Inhalten ist dahingegen aber verboten ist.

Es ist eine Gradwanderung zwischen Ironie und Ernst, Aufklärung, Provokation oder Hass. Facebook ist sich dessen bewusst. In Zukunft will das Netzwerk eine Software einsetzen, die solche Inhalte besser abfangen und entsprechend zensieren kann.

Hier weitere Beispiele zur den äußerst fragwürdigen Facebook-Richtlinien.  

Facebook: Was ist okay? Was nicht?

Fragwürdige Facebook-Richtlinien

  • Gewaltaufrufe, die nicht okay sind: „Kann jemand Trump erschießen?“ oder „Erdlocht sie und werdet der Schrecken der Zionisten“ 

  • Videos, die gewaltvolle Tode zeigen – also auch gestreamte Morde – werden nicht grundsätzlich gelöscht. Sie können „Verständnis“ schaffen. 

  • Und das sei im Netzwerk erlaubt – sie dürfen sich „sicher fühlen, das zu tun“. 

  • Gewaltaufrufe, die okay sind: „Verprügeln wir das dicke Kind“ oder „Brich der Schlampe das Genick“.

  • Auch Bilder von Kindesmisshandlungen werden nicht automatisch gelöscht – sondern nur, wenn sie „mit Freude oder aus sadistischen Gründen“ geteilt werden.

  • Tierquälerei ist grundsätzlich okay, besonders schlimme Fotos können aber als „störend“ markiert werden.

  • Abtreibungsvideos sind okay, so lange man keine Nacktheit sieht. 

  • Thema Hasskommentare: Facebook weiß, dass Nutzer „gewaltvolle Sprache benutzen, wenn sie online Frustration ausdrücken wollen“. 

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