Lieber User,

anscheinend hast Du einen Ad-Blocker aktiviert oder Javaskript deaktiviert. Um unsere Existenz zu sichern, sind wir als werbefinanzierter privater Radiosender auch im Internet auf Werbung angewiesen. Damit Du auch weiterhin alle Inhalte unserer Webseite nutzen kannst, bitten wir dich, Deinen Ad-Blocker zu deaktivieren oder radiohamburg.de als Ausnahme hinzuzufügen. Sobald Du das gemacht hast, kannst Du unsere Inhalte nach einem Reload der Seite ganz normal weiternutzen.

103.6 Grüße
Dein Radio Hamburg Team


*Sollte diese Meldung fälschlicherweise angezeigt werden, schicke uns bitte eine Mail an adblocker@radiohamburg.de

Es gibt neue Inhalte auf unserer Startseite - jetzt aktualisieren! [Schließen]
Radio Hamburg

Trotz Verurteilung

Demjanjuk auf freiem Fuß

John Demjanjuk KZ-Wachmann Sobibor

John Demjanjuk im Münchner Gerichtssaal. Die ganze Verhandlung über hatte er immer eine Sonnenbrille auf uns äußerte sich nicht zu den Anschuldigungen.

Fünf Jahre Haft - so lautet das Urteil gegen den früheren KZ-Wachmann in Sobibor, John Demjanjuk. Aber er kommt frei.

München - Nach fast eineinhalb Jahren ist einer der letzten NS-Prozesse zu Ende. Der greise John Demjanjuk wurde zu einer Haftstrafe verurteilt - wegen Beihilfe zum Massenmord an Europas Juden. Das Münchner Landgericht sprach den 91-Jährigen am Donnerstag (12.05.2011) der Beihilfe zum Mord an mindestens 28.060 Juden im Jahr 1943 im Vernichtungslager Sobibor schuldig. Allerdings: Trotz seiner Verurteilung verlässt John Demjanjuk das Gericht als freier Mann. Mit Blick auf die zweijährige Untersuchungshaft des 91-Jährigen und aus Gründen der Verhältnismäßigkeit hob das Landgericht München II den Haftbefehl auf.

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft für den gebürtigen Ukrainer verlangt, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Seine Anwälte kündigten Revision gegen das Urteil an. Das Gericht war überzeugt, dass der Angeklagte zu den "Trawniki" in Sobibor gehörte - das waren "fremdvölkische Hilfswillige", wie sie bei den Nazis hießen. Allen "Trawniki" sei klar gewesen, was dort geschah, sagte der Vorsitzende Richter Ralph Alt. Der Feuerschein der Krematorien sei überall zu sehen gewesen. "Der Angeklagte war Teil dieser Vernichtungsmaschinerie."

Demjanjuk vollkommen emotionslos bei Urteilsverkündung

Zwar konnte Demjanjuk keine konkrete Tat zugeschrieben werden. Das Gericht schloss sich jedoch der Argumentation der Anklage an: Da das Lager Sobibor allein zur planmäßigen Ermordung von Menschen diente, habe sich jeder mitschuldig gemacht, der dort Dienst tat. Demjanjuk nahm das Urteil am 93. Verhandlungstag ohne jede Regung auf. Der 91-Jährige, der das Verfahren von einem Rollbett neben der Richterbank mit einer Sonnenbrille über den Augen verfolgte, hat in dem fast eineinhalbjährigen Prozess geschwiegen. Auch zum Prozessende verzichtete er auf ein Schlusswort. In drei Erklärungen hatte er das Verfahren jedoch unter anderem als politisch motivierten Schauprozess bezeichnet.
Das israelische Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem begrüßte die Verurteilung. Sein Leiter Efraim Zuroff sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Entscheidung bedeute eine "sehr starke Botschaft, dass die Täter auch viele Jahre nach den Verbrechen des Holocaust noch für ihre Vergehen belangt werden können". (dpa)