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Radio Hamburg

Verbotene Liebe

Inzest unter Geschwistern - ein Menschenrecht?

Straßburg, 12.04.2012
RHH - Expired Image

Ist die Geschwisterliebe ein verbrieftes Menschenrecht? Darüber soll der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg entscheiden.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) soll entscheiden, ob die Bestrafung des Inzests unter Geschwistern einen Verstoß gegen die Menschenrechte bedeutet.

Es war eine im Wortsinn verbotene Liebe: Über mehrere Jahre hatte ein Mann aus Sachsen eine Liebesbeziehung zu seiner leiblichen Schwester. Die beiden zeugten vier Kinder miteinander. Er wurde wegen "Beischlafs zwischen Verwandten"mehrmals zu Freiheitsstrafen verurteilt. Jetzt entscheidet der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), ob die Bestrafung des Inzests unter Geschwistern einen Verstoß gegen die Menschenrechte bedeutet. Der 35-Jährige macht eine Verletzung von Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) geltend, der das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens schützt.

Geschwisterliebe als verbrieftes Menschenrecht?

Das Geschwisterpaar war nicht zusammen aufgewachsen. Beide stammten aus schwierigen Verhältnissen. Patrick S. wurde als Dreijähriger von seinem alkoholkranken Vater misshandelt, lebte von klein auf in Heimen und bei Pflegefamilien. Seine Schwester Susan wurde vom Jugendamt betreut. Im Jahr 2000 - kurz vor dem Tod der leiblichen Mutter - lernten sich die beiden kennen. Sie zeugten vier Kinder, zwei davon sind behindert.

Rechtsgut oder Moaralvorstellung

Das Bundesverfassungsgericht hatte 2008 eine Verfassungsbeschwerde des Mannes zurückgewiesen. Der Zweite Senat stützte seine Entscheidung vor allem auf die "familien- und sozialschädlichen Wirkungen" der Geschwisterliebe sowie darauf, dass es in der Familie zu "Rollenüberschneidungen" kommen könne. Der damalige Vizepräsident des Gerichts, Winfried Hassemer, stimmte gegen die Entscheidung seiner Kollegen. Seiner Ansicht nach sprach "viel dafür, dass die Vorschrift in der bestehenden Fassung lediglich Moralvorstellungen, nicht aber ein konkretes Rechtsgut im Auge hat".

Im Sommer 2009 wurde Patrick S. aus der Haft entlassen. Mit seiner Schwester ist er jedoch nicht mehr zusammen. "Die Beziehung ist im Laufe der Gerichtsverfahren und der Haftstrafen kaputt gegangen. Das hat natürlich alles zerstört", sagte sein Anwalt Endrik Wilhelm der Nachrichtenagentur dpa.

dpa