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Radio Hamburg

Der Leit-Wulff geht

Was bleibt vom Bundespräsidenten?

Collage Bettina Wulff, Christian Wulff

Der scheidende Bundespräsident Wulff (hier mit Frau Bettina) hinterlässt ein in Schieflage geratenes Bild von sich und dem Amt des Bundespräsidenten.

Kritik, Korruption, Klüngelei! Das scheint das Einzige zu sein, was rückblickend von Wulffs Amtszeit als Bundespräsidenten im Gedächtnis bleibt.

Berlin, 08.03.2012

Ex-Bundespräsident Christian Wulff ist beim Volk unten durch: Drei von vier Bürgern glauben, dass es für Wulff keine Rückkehr mehr in die Politik gibt. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der dpa. Und das kurz vorm Großen Zapfenstreich und dem Ausscheiden Wulffs aus seinem Amt. Das Musikkorps der Bundeswehr spielt am Abend für Christian Wulff auf. Der Ex-Bundespräsident wird im Schloss Bellevue aus seinem Amt verabschiedet. Viele werden der Veranstaltung fernbleiben, so etwa Wulffs vier noch lebende Amtsvorgänger Scheel, Weizsäcker, Herzog und Köhler.

Mit Vuvuzelas gegen den Zapfenstreich

Der Protest gegen den Großen Zapfenstreich und damit die würdige Verabschiedung Wulffs treibt teilweise ohrenbetäubende Stilblüten. Kritiker von Ex-Bundespräsident Christian Wulff wollen dessen feierliche Verabschiedung mit dem wenig feierlichen Klang von Vuvuzelas begleiten. Im Internet riefen sie dazu auf, am Donnerstagabend (08.03.2012) vor Schloss Bellevue in Berlin zu erscheinen und dann mehr als eine Stunde lang die seit der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika (2010) bekannten Lärminstrumente anzustimmen. Die erste Idee zu der Aktion kam von dem Journalisten und Blogger Mario Sixtus, der im Internet-Dienst Twitter schrieb: "Ich könnte mir vorstellen, dass viele Bürger dieses musikalische Ereignis mit ihren Vuvuzelas unterstützen wollen". Später schrieb er, es sei doch verständlich, dass in einem demokratischen Land das Volk dem Ex-Präsidenten "gerne den Marsch blasen würde". Am Donnerstag wurde dann getwittert, dass Vuvuzelas in Berlin ausverkauft seien.

Was am Ende bleibt

Viel Rückhalt hat der Ex-Bundespräsident vom Volk nicht zu erwarten. Allein die Türkische Gemeinde lobt seine Leistungen für Migranten in den höchsten Tönen. Sie drückte ihr Bedauern über den Rücktritt des Bundespräsidenten aus. Wulff habe eindeutige Fehler gemacht, dennoch sei es sehr schade, dass er sein Amt aufgeben musste, sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Kenan Kolat der "Welt".

Ansonsten bleiben eher ein Trauerspiel und ein Aufeinanderfolgen von Peinlichkeiten und Klüngelei im kollektiven Gedächtnis. Wir haben die wichtigsten Stationen der Wulff-Demontage für Sie zusammengestellt:

Chronologie der Fehltritte

Der moralische Verfall Christian Wulffs

  • 25. Oktober 2008: Christian Wulff, damals Ministerpräsident von Niedersachsen, bekommt von der Unternehmergattin Edith Geerkens einen Privatkredit über 500.000 Euro zum Kauf eines Hauses.

  • 18. Februar 2010: Wulff antwortet auf eine mündliche Anfrage im niedersächsischen Landtag, dass es zwischen ihm und dem Unternehmer Egon Geerkens in den vergangenen zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben habe.

  • 12. Dezember 2011: Wulff versucht, "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann zu erreichen, um einen Bericht zur Finanzierung seines Privathauses zu verhindern oder zu verschieben. Auf der Mailbox droht er Medienberichten zufolge den "endgültigen Bruch" und "Krieg" mit Springer an, falls die Geschichte erscheint.

  • 13. Dezember: Die "Bild"-Zeitung berichtet erstmals über Wulffs umstrittene Hauskauf-Finanzierung.

  • 15. Dezember: Der Bundespräsident bedauert in einer schriftlichen Mitteilung, den Kredit von Edith Geerkens vor dem niedersächsischen Landtag nicht erwähnt zu haben.

  • 22. Dezember: Der Bundespräsident entschuldigt sich öffentlich für die entstandenen Irritationen. Zugleich entlässt er seinen Sprecher Olaf Glaeseker.

  • 4. Januar 2012: Wulff gibt ARD und ZDF ein Interview, in dem er den Anruf bei Diekmann als "schweren Fehler" bezeichnet und volle Transparenz bei allen Fragen ankündigt. Am Folgetag veröffentlicht sein Anwalt aber nur eine zusammenfassende Stellungnahme.

  • 11. Januar: Wulffs Anwalt lehnt eine Veröffentlichung der Journalistenfragen und Antworten unter Berufung auf die "anwaltschaftliche Verschwiegenheitspflicht" ab.

  • 13. Januar: Nach massivem Druck von allen Seiten kündigt Wulffs Anwalt an, die Fragen und Antworten doch noch zu publizieren, sofern die Medien die Veröffentlichung freigeben.

  • 19. Januar: Wegen Korruptionsverdachts lässt die Staatsanwaltschaft Glaesekers Haus und Büros durchsuchen. Die Fahnder verschaffen sich auch Zugang zu Räumlichkeiten des Eventmanagers Manfred Schmidt, der zu Wulffs Zeit in Niedersachsen enge Kontakte zur Staatskanzlei in Hannover gehabt haben soll.

  • 8. Februar: Der Filmunternehmer David Groenewold soll einen Luxus-Kurzurlaub auf Sylt zunächst bezahlt haben, berichtet die "Bild"-Zeitung. Wulff habe den Betrag später in bar beglichen, sagt dessen Anwalt Gernot Lehr. Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft den Fall.

  • 16. Februar 2012: Die Staatsanwaltschaft Hannover beantragt die Aufhebung der Immunität Wulffs, um Ermittlungen führen zu können.

  • 17. Februar 2012: Wulff erklärt seinen Rücktritt, woraufhin die Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen beginnt.

  • 2. März 2012: Fünf Beamte des niedersächsischen Landeskriminalamts und ein Staatsanwalt durchsuchen das Wohnhaus von Wulff in Großburgwedel.