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Radio Hamburg

Medien-Affäre

CSU-Sprecher Hans Michael Strepp tritt zurück

Berlin, 25.10.2012

Nach einem umstrittenen Telefonat mit dem ZDF tritt der CSU-Sprecher Hans Michael Strepp jetzt zurück.

CSU-Sprecher Hans Michael Stepp gibt seinen Posten wegen der Medien-Affäre auf. Er habe Parteichef Horst Seehofer am Donnerstag gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, teilte die Partei mit. Seehofer habe der Bitte entsprochen.

ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut zur Diskussion über den Anruf des CSU-Sprechers Dr. Hans Michael Strepp am vergangenen Sonntag in der "heute"-Redaktion: "Die Intention des Anrufs war  eindeutig. Entscheidend für das ZDF ist, dass sich die Redaktion im  Sinne der journalistischen Unabhängigkeit verhalten hat. Das ZDF  lässt keine politische Einflussnahme auf seine Sendungen zu."

 

ZDF spricht von deutlicher Beeinflussung

Dass die Intention des Anrufs von Strepp der Versuch einer Beeinflussung war, ergibt sich für das ZDF nicht nur aus der Schilderung des Telefonats durch den "heute"-Redakteur, sondern auch durch eine SMS des CSU-Pressesprechers vom frühen Sonntagmorgen an den Leiter des ZDF-Landesstudios in München, Dr. Ulrich Berls. Darin erkundigt sich Strepp nach dem geplanten Umfang der "Berichterstattung Ude". Ob dies ungefähr so wie bei den Nominierungen von Albig und Weil erfolge? Das seien ja vergleichbare Fälle. Herr Berls hat Herrn Strepp daraufhin zurückgerufen und mitgeteilt, dass eine Berichterstattung geplant sei, dafür aber die Zentrale in Mainz zuständig sei.

Später hatte Strepp dann - allerdings erfolglos - ebenfalls via SMS versucht, mit dem Leiter der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles Kontakt aufzunehmen, um mit ihm über die geplante Berichterstattung über den SPD-Parteitag zu telefonieren. Der "heute"-Redakteur fasst das Telefonat mit Herrn Strepp wie folgt zusammen: "Er fragte, ob wir wüssten, dass weder die ARD noch Phoenix über den SPD-Landesparteitag berichten würden. Er sei informiert, dass wir einen Beitrag planten. Weit davon entfernt in das Programm reinzureden, wolle er aber doch rechtzeitig zu bedenken geben, dass es im Nachklapp Diskussionen geben könnte, wenn das ZDF im Alleingang sende."

ZDF-Chefredakteur Dr. Peter Frey: "Der CSU-Pressesprecher hat am Sonntag auf verschiedenen Wegen versucht, die Berichterstattung des ZDF über eine andere Partei zu beeinflussen. Die 'heute'-Redaktion hat wie geplant über den SPD-Nominierungsparteitag berichtet und ihre journalistische Unabhängigkeit gewahrt."

(ZDF/dpa/aba)