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Radio Hamburg

Homosexuelle Priester

Papst: Ich will nicht über Schwule urteilen

Rom, 30.07.2013
Papst Franziskus in Brasilien

Papst Franziskus gab vor dem Rückflug nach Rom ein langes Interview.

Papst Franziskus hat in einem Interview für einen offeneren Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen geworben.

Schwulen-Lobbys im Vatikan, die Vatileaks-Affäre und Frauen in der Kirche: Beim Rückflug aus Rio de Janeiro redet Papst Franziskus überraschend offen. Auch für einige persönliche Einblicke und Geständnisse bleibt Zeit.

Franziskus: Reformen in der römischen Kurie und bei Vatikanbank IOR

Papst Franziskus hat für einen offeneren Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen geworben. Er wolle nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung über Schwule urteilen, sagte der Pontifex auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro nach Rom. Der 76-Jährige kehrte am Montag (29.7.) von seiner ersten Auslandsreise nach Brasilien in den Vatikan zurück. Im Flugzeug stand er mitreisenden Journalisten rund 80 Minuten lang Rede und Antwort. Dabei kündigte er auch weitere Reformen in der römischen Kurie und in der Vatikan-Skandalbank IOR an. Als großes Problem bezeichnete er die Vatileaks-Affäre um gestohlene Dokumente im Vatikan.

Papst will nicht wegen sexueller Orientierung über Schwule urteilen

"Wenn jemand Gott mit gutem Willen sucht, wer bin ich, dass ich urteile?", antwortete der Papst laut "Wall Street Journal" auf eine Frage zur Haltung der Kirche zu homosexuellen Priestern. Es werde viel über Schwulen-Lobbys geschrieben. Er habe aber bisher niemanden im Vatikan gefunden, in dessen Ausweis "Gay" gestanden habe. "Man muss unterscheiden zwischen Schwul sein, diese Tendenz haben oder Lobby machen", sagte Franziskus. "Die Lobbys, alle Lobbys sind nicht gut»" betonte er.

Wütende Worte des Papstes über Schwulenlobby geben Rätsel auf

Schwulenorganisationen begrüßten die Äußerungen des Papstes, wonach Homosexuelle nicht ausgegrenzt, sondern in die Gesellschaft integriert werden müssten. "Vielleicht zum ersten Mal kommen von einem Papst nicht offen homophobe Worte", sagte der italienische Abgeordnete und Schwulen-Aktivist Alessandro Zan laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. "Gibt es etwa eine Kursänderung im Vatikan? Das darf bezweifelt werden, aber diese Äußerungen des Papstes (...) sind neu", so Zan. Für den Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck machen die Worte des Papstes Hoffnung. "Aber vielmehr als eine Hoffnung ist es nicht", so Beck. Auch gebe das obskure Wettern des Papstes gegen eine sogenannte
Schwulenlobby Rätsel auf.

Mehr Frauen in Kirche, aber keine weiblichen Priester

Franziskus sprach sich auch für eine stärkere Einbindung der Frauen in der Kirche aus. Mädchen seien heute Messdiener, Frauen hielten die Lesung, es müsse aber noch mehr geschehen - "auch auf der Ebene der Theologie", sagte der Papst, ohne Details zu nennen. Zugleich erinnerte Franziskus jedoch an das Nein des ehemaligen Papstes Johannes Paul II. zur Frauenordination. "Diese Tür ist geschlossen", sagte er.

Franziskus:"Ich brauche das Leben in der Gemeinschaft"

Zu seiner bescheidenen Unterkunft im Gästehaus Santa Marta im Vatikan erläuterte Franziskus, er brauche Menschen um sich herum. "Ich lebe in Santa Marta, weil ich nicht allein sein kann. Ich brauche das Leben in der Gemeinschaft, tatsächlich und auch aus psychiatrischen Gründen", sagte er. Die Papstgemächer im Apostolischen Palast seien zwar groß, aber nicht luxuriös, betonte er. Auch die Kardinäle lebten in Appartements und seien sparsam. "Es gibt auch viele Heilige in der Kurie. Aber sie machen keinen Lärm - ein Baum, der fällt, macht mehr Lärm als ein Wald, der wächst", sagte Franziskus.

Nächste Reise des Papstes möglicherweise nach Israel

Der Pontifex sprach von einer schönen Brasilienreise. Die Tage in Rio hätten ihm spirituell gutgetan. Trotz Sicherheitsbedenken sei es wichtig gewesen, den Menschen in einem offenen Fahrzeug zu begegnen und nicht hinter Glas. "Man kann nicht ein Volk mit einem so großen Herzen in einem Glaskasten besuchen." Als mögliche Ziele seiner nächsten Auslandsreisen nannte Franziskus Israel, ausdrücklich Jerusalem, und Asien.

Franziskus fühlt sich manchmal "wie im Käfig"

Jugendlichen seines Heimatlandes Argentinien hatte der Papst kürzlich gesagt, auch er fühle sich manchmal wie in einem Käfig. Darauf angesprochen sagte er im Flugzeug: "Sie ahnen nicht, wie gern ich manchmal durch die Straßen Roms gehen würde, das hat mir früher so gut gefallen."

 

(dpa/mgä)