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Radio Hamburg

NSU-Angeklagte Zschäpe

Versteckter Nazicode in Brief an Neonazi?

München, 15.06.2013
Beate Zschäpe, NSU-Prozess Juni 2013

Beate Zschäpe, Angeklagte im NSU-Prozess, schweigt vor Gericht beharrlich.

Vor Gericht schweigt Beate Zschäpe eisern. In einem Brief an einen Dortmunder Neonazi gibt sie mehr über sich und ihre Gefühlslage preis.

Die Nebenkläger im Münchner NSU-Prozess verlangen, einen Brief der Hauptangeklagten Beate Zschäpe an einen Dortmunder Neonazi in das Verfahren einzuführen. "Es ist an der Tagesordnung, dass beschlagnahmte Briefe von Häftlingen verlesen werden. So ein Brief kann die Persönlichkeit der Angeklagten aufhellen", sagte Rechtsanwalt Jens Rabe der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Die Münchner Anwältin Angelika Lex regte an, den Brieffreund als Zeugen zu laden.

Zschäpe schrieb an Neonazi, der verbotener "Hilfsorganisation Nationaler Gefangener" angehören soll

Der lange, handschriftliche Brief war bei der Kontrolle von Zschäpes Post nicht beanstandet worden, weil das Oberlandesgericht München die teilweise sehr persönlichen Zeilen offenbar für irrelevant hielt. Beschlagnahmt wurde das Schreiben erst in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne. Dort verbüßt der Neonazi, der laut SWR der verbotenen "Hilfsorganisation Nationaler Gefangener" (HNG) angehört haben soll, zurzeit eine mehrjährige Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung.

Brief über ihre Gefühle und  den Alltag in Haft

In dem Brief, der auch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt, schreibt Zschäpe unter anderem über ihren Alltag in der Haft, ihre Vorführung beim Haftrichter des Bundesgerichtshofes (BGH) und ihre Sorge, bereits vorverurteilt zu sein. Außerdem schildert sie in längeren Passagen ihre Gefühle. Vor Gericht hat die 38-Jährige bislang jede Aussage verweigert.

Zahl 18 steht bei Neonazis für Adolf Hitler

Die Vertreter der Nebenkläger halten den Brief auch deshalb für bedeutsam. "Diese Frau hat kein Ego-Problem", sagte der Berliner Anwalt Mehmet Daimagüler der "SZ". Sein Kollege Sebastian Scharmer äußerte die Vermutung, dass Zschäpe in dem Brief auch politische Codes verborgen haben könnte. "Plötzlich schreibt sie darüber, dass man bei 18 Grad nicht frieren wolle. Das ergibt an dieser Stelle keinen Sinn." Die Zahl 18 wird in der Neonazi-Szene oft als Synonym für Adolf Hitler verwandt, weil A der erste und H der achte Buchstabe im Alphabet sind.

Zschäpe ist wegen Mittäterschaft bei sämtlichen NSU-Anschlägen angeklagt

In dem Brief erwähnt Zschäpe, dass sie den Dortmunder Neonazi erst zwei Monate kenne. In einem Schreiben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums an die Bundesanwaltschaft heißt es jedoch, der "außergewöhnliche" Briefverkehr könne Anhaltspunkte dafür geben, dass sich die beiden bereits vorher kannten. Den Terroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) wird auch ein Mord in Dortmund zur Last gelegt - insgesamt sind es zehn, neun davon an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern. Zschäpe ist angeklagt als Mittäterin bei sämtlichen NSU-Anschlägen.

 

(dpa/mgä)