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Radio Hamburg

Literaturnobelpreis 2013

Alice Munro für ihre Kurzgeschichten ausgezeichnet

Stockholm, 10.10.2013

"Königin der Kurzgeschichte": Die 82 Jahre alte Kanadierin Alice Munro erhält den Literaturnobelpreis.

Die Kanadierin Alice Munro hat sich mit ihrem Kurzgeschichten einen Namen gemacht. Nun bekommt sie den Literaturnobelpreis 2013.

Der Literaturnobelpreis 2013 geht an die Schriftstellerin Alice Munro aus Kanada. Das gab die schwedische Akademie in Stockholm bekannt. Damit geht der Preis zum ersten Mal nach Kanada und zum 13. Mal an eine Frau. Die wichtigste Literaturauszeichnung der Welt ist mit umgerechnet rund 910.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Die 82-jährige Munro ist vor allem bekannt für kurze Prosa. "Sie ist die Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte", sagte Peter Englund als Sprecher der Jury. "Sie hat diese spezielle Form zur Perfektion gebracht." Im vergangenen Jahr hatte der Chinese Mo Yan ("Das rote Kornfeld") den Preis erhalten. Letzte deutschsprachige Gewinner waren Herta Müller (2009), Elfriede Jelinek (2004) und Günter Grass (1999). Die Auszeichnung wird seit 1901 vergeben.

Mütter und Töchter in Ontario

Munro, die auf Englisch schreibt, hat bisher nur einen einzigen Roman veröffentlicht, dafür aber 13 Bände mit Kurzgeschichten. Ihr erster Erzählband (deutscher Titel: "Tanz der seligen Geister") erschien 1968, als die Kanadierin fast 40 war. Gleich ihr erster Band wurde preisgekrönt, weitere große Auszeichnungen wie der Man-Booker-Preis für internationale Literatur folgten. Die Autorin, die als "Königin der Kurzgeschichten" gilt, lebt in der kanadischen Provinz Ontario. Auch in ihren Geschichten geht es meist um Frauen - um Mütter und Töchter - in Ontario.

Man habe die 82-Jährige zunächst nicht erreicht und ihr eine Nachricht hinterlassen, sagte Peter Englund als Sprecher der Jury am Donnerstag in Stockholm. Munro erfuhr dann von ihrer Tochter, dass sie den Nobelpreis bekommen hat, wie der kanadische Sender CBC berichtete. "Mama, du hast gewonnen", habe die Tochter am Telefon gesagt, twitterte der Sender nach einem Anruf bei der Autorin. Sie sei schon so alt, er hoffe, dass sie im Dezember über den Atlantik kommen könne, sagte Englund. Munro habe eine "hohe Intensität in ihren Texten", "sie kann mehr auf 30 Seiten sagen als andere Autoren auf 300", erläuterte er im schwedischen Fernsehsender TV4. Er lobte Munros "stilistische Perfektion", sie habe "eine fantastische Melodie", sei aber "sehr sehr selbstkritisch".

Jury hat gute Wahl getroffen

Literaturkritiker Denis Scheck nennt den Literaturnobelpreis für die kanadische Schriftstellerin Alice Munro eine "sensationelle Wahl". "Das ist nicht nur eine Entscheidung für die neben Margaret Atwood tollste kanadische Autorin, sondern auch eine Entscheidung für die Form der Erzählung", sagte Scheck auf der Frankfurter Buchmesse.

Der Literaturnobelpreis wird traditionell am 10. Dezember in Stockholm überreicht. An diesem Tag werden auch die wissenschaftlichen Auszeichnungen verliehen. Das Datum der Preisübergabe ist der Todestag des schwedischen Preisstifters und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896). An diesem Freitag soll der Name des Friedensnobelpreisträgers verkündet werden. Diese Auszeichnung wird traditionsgemäß in Oslo überreicht.

Deutscher Verlag hoch erfreut

Große Freude und Überraschung hat der Literaturnobelpreis für Munro auch bei ihrem deutschen Verlag S. Fischer ausgelöst. "Man bereitet sich immer wieder ein bisschen darauf vor und denkt, dieses Jahr wird es klappen. Dann hört man irgendwann auf zu hoffen, und dann klappt's", sagte der Programmchef für Internationale Literatur, Hans-Jürgen Balmes, auf der Frankfurter Buchmesse. Munro gilt seit vielen Jahren als Anwärterin auf den Nobelpreis. Als "Kammerspiele des Gefühls" bezeichnete Balmes ihre Erzählungen. "Geschichten, die immer in kleinen Räumen spielen, bekommen eine unheimliche Dimension." Damit habe die zurückgezogen in ihrem kleinen Haus lebende Kanadierin Millionen Menschen in der Welt beglückt. Die 82-Jährige wolle keine Bücher mehr schreiben. "Mit so einem Geschenk abzutreten, ist wirklich das Allergrößte", sagte Balmes zur Vergabe des Nobelpreises. Munro habe aber schon dreimal gesagt, das sei ihr letztes Buch gewesen. "Jetzt hoffen natürlich alle, dass es auch dieses Mal nicht das letzte Buch war." (dpa/apr)

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