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Soll Steuersünder Hoeneß ins Gefängnis?

München, 12.03.2014
RHH - Expired Image

Uli Hoeneß am Montagmorgen (10.03.) auf dem Weg ins Gericht. Die Anspannung steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Seit Montagmorgen läuft der Prozess wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung gegen FC Bayern Präsident Uli Hoeneß. Ihm droht eine Haftstrafe.

Für Uli Hoeneß haben die Tage der Wahrheit vor Gericht begonnen. Unter großem Andrang von Medien und Schaulustigen startete am Montag (10.03.) in München der Steuerprozess gegen den Präsidenten des FC Bayern München. 14 Monate nach seiner Selbstanzeige nahm der 62-Jährige um 9.30 Uhr im Münchner Justizpalast auf der Anklagebank Platz.

Wird Selbstanzeige strafmildernd wirken?

Staatsanwalt Achim von Engel wirft Hoeneß vor, etwas mehr als 33 Millionen Euro nicht versteuert zu haben. Damit habe er rund 3,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen (Az: W5 KLs 68 Js 3284/13). Insgesamt wird Hoeneß beschuldigt, "durch sieben selbständige Handlungen gegenüber den Finanzbehörden unrichtige oder unvollständige Angaben gemacht und dadurch Steuern verkürzt zu haben", hieß es im Anklagesatz.

Eine Kernfrage in dem Verfahren ist, ob die Wirtschaftskammer am Landgericht München II unter Vorsitz von Richter Rupert Heindl die Selbstanzeige von Hoeneß von Anfang 2013 ganz oder zumindest teilweise als strafbefreiend bewertet.

Der moralische Fall des Uli Hoeneß

Seine besten Saubermann-Sprüche

  • "In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen." (Hoeneß 2012 in der Zeitung "Die Welt")

  • "Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt." (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow "Günther Jauch")

  • "Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum." (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

  • "Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein." ("Brand eins" in 2011)

  • "Am Ende nutzt die Vermögensteuer gar nichts, dann gehen die Unternehmer nach Österreich oder in die Schweiz." (Bei Günther Jauch 2012) 

  • "Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten." (Im Februar 2011 im "Hamburger Abendblatt")

  • "Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können." (2011 im Magazin "Brand Eins")

Hoeneß: Weitere 15 Millionen Euro am Fiskus vorbei geschleust

Gleich zu Beginn des Prozesses ließ Uli Hoeneß eine weitere Bombe platzen. Nach eigenen Angaben hat Hoeneß noch viel mehr Steuern hinterzogen als ihm in der Anklage zu Last gelegt wird. In den Jahren 2003 bis 2009 habe er weitere 15 Millionen Euro am Fiskus vorbei geschleust, sagte sein Anwalt Hanns W. Feigen am Montag zum Auftakt des Steuerprozesses vor dem Landgericht München.

Insgesamt 27,2 Millionen Euro Steuern hinterzogen

Der Präsident des FC Bayern München soll nach Angaben der Rosenheimer Steuerfahnderin vor dem Münchner Landgericht 23,7 Millionen Euro hinterzogen haben. Das sind noch einmal 5,2 Millionen mehr als die von ihm am Vortag eingeräumten 18,5 Millionen Euro. Dabei soll es sich um eine "Best-Case-Rechnung" zu Gunsten von Hoeneß handeln, wie die Steuerfahnderin sagte.

Die neue Steuerschuld liegt nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft bei 27,2 Millionen Euro. Zu den 23,7 Millionen Euro, die aus neuen Unterlagen von der Rosenheimer Steuerfahndung errechnet worden waren, kommen demnach noch die 3,5 Millionen Euro aus der ursprünglichen Anklage gegen den Bayern-Präsidenten hinzu.

Prominente Steuersünder

Diese Promis haben Steuern hinterzogen

  • Alice Schwarzer, Journalistin und Publizistin

    Erst im Februar gab die bekannteste Frauenrechtlerin Deutschlands, Alice Schwarzer, zu, dass sie über viele Jahre ein Schweizer Konto vor den deutschen Steuerbehörden verheimlicht habe. Sie zeigte es 2013 selbst an und zahlte nach eigenen Angaben 200.000 Euro Steuern nach. Sie muss keinen Prozess fürchten, da sie die Steuerschuld innerhalb einer vorgeschriebenen Frist nachzahlte.

  • Dolce & Gabbana, Modedesigner

    Die Modedesigner Domenico Dolce and Stefano Gabbana wurden im Juni 2013 wegen Steuerhinterziehung zu Haftstrafen von 20 Monaten verurteilt. Die Strafe wurde aber zur Bewährung ausgesetzt. Den Gründern des Mode-Unternehmens Dolce & Gabbana war vorgeworfen worden, mit fiktiven Firmen in Luxemburg eine Milliarde Euro Steuern hinterzogen zu haben.

  • Lauryn Hill, US-Sängerin

    Die mehrfache Grammy-Gewinnerin Lauryn Hill wurde im Mai 2013 wegen Steuerhinterziehung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Sie hatte zugegeben, zwischen 2005 und 2007 1,8 Millionen Dollar ihres Einkommens nicht versteuert zu haben. Sie saß ihre Haftstrafe ab.

  • Klaus Zumwinkel, Ex-Vorstand der Deutschen Post

    Der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel wurde im Januar 2009 vom Landgericht Bochum zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Er hatte gestanden, über seine Stiftung in Liechtenstein Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben. Zusätzlich musste er eine saftige Geldstrafe bezahlen.

  • Boris Becker, Ex-Tennisspieler

    Boris Becker wurde im Oktober 2002 vom Landgericht München zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem musste er 300.000 Euro Geldstrafe zahlen und 200.000 Euro an karitative Einrichtungen überweisen. Boris Becker hatte zugegeben, zwischen 1991 und 1993 zwar in Monaco gemeldet gewesen zu sein, aber in München gelebt zu haben. Er habe somit bewusst falsche Angaben in seinen Steuererklärungen gemacht, um 3,3 Millionen Mark zu sparen. Er zahlte die Steuern nach.

  • Peter Graf, Vater der Tennisspielerin Steffi Graf

    Der Vater von Steffi Graf wurde 1995 wegen Steuerhinterziehung angeklagt und zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Es ging um rund 12 Millionen Mark hinterzogener Steuern. Peter Graf saß die Hälfte seiner Strafe ab, bevor er auf Bewährung frei kam.

  • Patrick Lindner, Schlagersänger

    Auch Schlagersänger Patrick Lindner zahlte 2005 eine Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung. Er hatte 400.000 Euro Verlust aus der Vermietung einer Villa für die Jahre 1993 bis 1996 beim Fiskus geltend gemacht. In der Villa lebte jedoch zu dieser Zeit sein Manager und Lebensgefährte Michael Link.

Haftstrafe droht

Dem 62-Jährigen droht eine Haftstrafe. Unter Umständen muss er tatsächlich ins Gefängnis, sollte die Strafe zwei Jahre überschreiten. Vier Verhandlungstage sind angesetzt. Wenn nichts dazwischen kommt, soll es am Donnerstag (13.03.) ein Urteil geben. Für den Montagnachmittag waren drei der insgesamt vier Zeugen geladen, darunter auch der Steuerfahnder in Altersteilzeit, der Hoeneß bei dessen Selbstanzeige geholfen hatte.

 

Einige Experten gehen davon aus, dass Hoeneß' bisher untadeliger Lebenswandel, sein großes soziales Engagement und auch die - wenngleich fehlerhafte - Selbstanzeige strafmildernd wirken. Die Wirtschaftskammer hat damit auch einen Präzedenzfall. Denn bisher gibt es keine Urteile, wie eine missglückte Selbstanzeige eines Prominenten zu bewerten ist.

Ihre Meinung ist gefragt

Was meinen Sie? Denken Sie, Uli Hoeneß sollte für seine Steuervergehen ins Gefängnis kommen? Oder reicht es aus, wenn er die fehlenden Steuern nachzahlt?

(dpa/mgä)

Soll Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis kommen?

Ja, ich finde eine Haftstrafe angemessen für Steuerhinterziehung in Millionenhöhe.
83,37 %
Nein, ich finde, dass eine Geldstrafe reicht.
16,63 %

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