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Radio Hamburg

Nach Gauland-Beleidigung

So reagiert Jerome Boateng

Berlin, 30.05.2016
Boateng, Gauland

Der AfD-Vizevorsitzende Alexander Gauland hat sich beleidigend über den Nationalspieler Jerome Boateng geäußert.

Er spielt in der Nationalmannschaft und ist beliebt. Aber als Nachbarn würden "die Leute" den dunkelhäutigen Boateng nicht haben wollen, meint AfD-Vize Gauland.

"Kann ich nur drüber lächeln": Der Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng hat sich gelassen über ein  umstrittenes Zitat des AfD-Vizevorsitzenden Alexander Gauland zu seiner Person geäußert.

"Boateng nicht als Nachbarn haben"

Boateng fügte am Sonntagabend (28.05) in der ARD allerdings hinzu: "Ist traurig, dass so etwas heute noch vorkommt." Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» («FAS») hatte Gauland mit den Sätzen zitiert: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Damit spielte er auf Boatengs Hautfarbe an: Der gebürtige Berliner hat eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater. Politiker aller anderen Parteien und Fußballfunktionäre empörten sich über Gauland.

Gauland versucht, sich zu rechtfertigen

Der weit rechts stehende AfD-Vize bestritt am Sonntag (29.05), sich über Boateng als Person geäußert zu haben. "Ich habe nie, wie die «FAS» insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten." Die Zeitung bekräftigte aber ihre Darstellung. In der ARD räumte Gauland am Abend ein, Boatengs Name könne gefallen sein, möglicherweise seitens der Journalisten - "denn ich kenne mich im Fußball gar nicht aus". Er habe deutlich machen wollen, "dass es viele Menschen gibt, die halt Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten".

Frauke Petry entschuldigt sich

Die Vorsitzende seiner rechtspopulistischen Partei, Frauke Petry, schon länger im Clinch mit ihrem Stellvertreter, hatte sich auffallend deutlich von ihm distanziert und von Erinnerungslücken gesprochen: "Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist."

Rechte Propaganda

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner unterstellte dem 75-Jährigen neben einer gezielten Äußerung auch Altersverwirrung. "Senilität scheint hier nicht die primäre Ursache zu sein....eher rechte Propaganda: Provokation, öffentliche Debatte", schrieb er im Internetdienst Twitter. 

"Jerome sei unser Nachbar"

Boateng selbst freute sich über die Reaktionen der Fans, wie er am Abend nach dem Länderspiel Deutschland - Slowakei in Augsburg sagte: "Ich glaube, heute waren auch genug positive Antworten im Stadion. Ich habe ein paar Plakate gesehen." Fans hatten im Stadion einTransparent mit der Aufschrift "Jerome sei unser Nachbar!" aufgehängt.

(dpa/mgä)