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Radio Hamburg

Maike Kohl-Richter tief bewegt

Europäischer Staatsakt für Helmut Kohl

Berlin, 19.06.2017
Helmut Kohl Trauerflor

In Straßburg soll ein Staatsakt für Helmut Kohl stattfinden, im Dom von Speyer eine Totenmesse. Die Flaggen wehen auf halbmast.

Für Altkanzler Helmut Kohl wird es nach Informationen der "Bild"-Zeitung ausschließlich einen europäischen Staatsakt in Straßburg geben. Ein weiterer nationaler Staatsakt in Deutschland sei nicht vorgesehen. Dies sei Kohls ausdrücklicher Wunsch gewesen, schreibt die Zeitung (Montag). Der Altkanzler war am Freitag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben.

Kohl soll als erste Persönlichkeit in der Geschichte der EU mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. Der genaue Termin und die Details sind nach Angaben der EU-Kommission aber noch offen. An dem Staatsakt sollen EU-Spitzenvertreter und politische Weggefährten Kohls teilnehmen. Aber auch in Deutschland dürfte es wohl eine größere Trauerzeremonie geben. Direkt nach den Feierlichkeiten in Straßburg sei im Dom zu Speyer in Rheinland-Pfalz eine Totenmesse geplant, hatte die "Bild am Sonntag" geschrieben. Genaue Termine standen aber noch nicht fest.

Helmut Kohl

Der frühere Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann würdigte Kohl als geradlinigen, sensiblen und gebildeten Menschen. "Er war nicht die Dampfwalze, die alles brutal niederwalzte, zu der ihn manche immer wieder machen wollten", schrieb Lehmann in einem Beitrag für die "Rheinische Post" (Montag). "Europäische Staatsmänner aus kleinen Ländern haben mir öfter gesagt, dass sie Helmut Kohl im Zusammenspiel der europäischen Kräfte ganz besonders schätzten, weil er gerade als Vertreter eines größeren und mächtigeren Landes immer Sensibilität und Rücksicht walten ließ gegenüber kleineren Partnern."

Für CDU-Generalsekretär Peter Tauber war Helmut Kohl "der zweite große Kanzler dieser Republik nach Konrad Adenauer". Der langjährige Kanzler habe ganze Jahrgänge von Jugendlichen geprägt. "Und selbst denen, die sich über ihn ärgerten und politisch anderer Meinung waren, gab das wahrscheinlich ein Gefühl von Sicherheit", schreibt Tauber in einem Gastbeitrag für "Die Welt" (Montag). Der Kohl-Biograf Heribert Schwan, der sich mit dem Altkanzler jahrelang erbittert vor Gericht gestritten hatte, sagte dem "Express" (Montag): "Ich trauere zum einen um einen Staatsmann - und dann um einen Menschen, dem ich acht Jahre sehr nahe stand und verbunden war, von dem ich viel erfahren habe." 

Familiär zerrüttet

Der Altkanzler war am Freitag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben, in dem er mit seiner zweiten Frau Maike Kohl-Richter lebte. Kohls Söhne Walter und Peter hatten in den vergangenen Jahren kaum noch Zugang zu ihrem Vater - Walter Kohl erfuhr aus dem Radio vom Tod seines Vaters. Die Tür in Oggersheim öffnete ihm am Abend der frühere "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, ein langjähriger Vertrauter Kohls und Trauzeuge bei dessen Heirat mit Maike Richter 2008. 

Maike Kohl-Richter und Kai Dieckmann

Maike Kohl-Richter, Witwe des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU), geht am 18.06.2017 in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) zusammen mit dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Salomon Korn (M), und dem Kohl-Vertrauten und früheren Bild-Chefredakteur Kai Diekmann vor ihr Wohnhaus.

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