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Radio Hamburg

Unfassbare Aktion

Apotheker wegen gepanschten Krebsmedikamenten vor Gericht

Essen, 14.11.2017
Tropf im Krankenhaus

In über 60.000 Fällen hat ein Apotheker aus Bottrop die Medikamente von Krebspatienten gepanscht.

In mehr als 60.000 Fällen soll der Apotheker Peter S. Krebsmedikamente gepanscht haben. In den meisten Präparaten waren zwischen 80 und 100 Prozent weniger Wirkstoff vorhanden, als vorgeschrieben, stattdessen enthielten sie Kochsalz. In den Jahren von 2012 bis 2016 lieferte Peter S. die falsch hergestellten Medikamente an Krankenhäuser in sechs verschiedenen Bundesländer. Bei der Abrechnung mit den Krankenkassen entstand ein Schaden in Höhe von 56 Millionen Euro.  

Schlechte Kontrollen

Die Laborräume in denen die Medikamente für Krebspatienten angefertigt werden, unterliegen besonderen Hygiene-Vorschriften, da das Immunsystem der Erkrankten stark geschwächt ist und sie somit anfälliger für Infektionen sind. Diese Vorschriften hat Peter S. missachtet. Er soll teilweise in Straßenklamotten oder in Begleitung seines Hundes praktiziert haben. Zu dieser Erkenntnis kamen die Ermittler jedoch erst nach der Festnahme des Apothekers. Apotheken werden grundsätzlich nur nach Ankündigung kontrolliert, die Betreiber bekommen so also die Möglichkeit, ihre Fehler vor der Kontrolle zu beseitigen.

Festnahme im November 2016

Seit dem 29.11.2016 befindet sich der Angeklagte in U-Haft, erst knapp ein Jahr später, am 13.11.2017 hat der Prozess vor dem Landgericht in Essen begonnen. Bislang schweigt Peter S. zu den Vorwürfen, die rund 800 Seiten der Anklageschrift füllen.

Nebenkläger

Die "Onko-Mädels", eine Gruppe von betroffenen Krebspatienten, stehen als Nebenklägerinnen vor Gericht. Ursprünglich bestand die Gruppe aus zehn Frauen, fünf von ihnen sind kürzlich an den Folgen ihrer Krankheit gestorben. Die Frauen stellen sich die Frage, ob die Krankheit allein schuld ist oder ob die vorenthaltenen Medikamente ihren Teil dazu beigetragen haben. Sie werfen der Staatsanwaltschaft vor, die Verbrechen von Peter S. auf Betrug und versuchte Körperverletzung zu reduzieren und ihn nicht für Mord anzuklagen, denn er habe wissentlich den Tod von Krebspatienten in Kauf genommen.

Nicht das erste Mal

Dieser Skandal ist leider kein Einzelfall. Bereits 2007 wurde die "Holmsland-Affäre" aufgedeckt, bei der ebenfalls mit minderwertigen oder in Deutschland nicht zugelassenen Medikamenten gehandelt wurde. Apotheker benutzten die billigen Medikamente zur Anfertigung der Präparate für Krebspatienten und rechneten mit den Krankenkassen den teureren Preis für die Original-Medikamente ab. Lieferant für das günstige, jedoch nicht zulässige Medikament war ein Pharmaunternehmen mit Sitz in Holmsland, Dänemark.

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