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Radio Hamburg

20 Jahre danach: Erinnern und nicht vergessen

Die rassistischen Krawalle von Rostock-Lichtenhagen

Rostock, 22.08.2012
Ausschreitungen Rostock-Lichtenhagen

20 Jahre nach dem Progrom von Rostock-Lichtenhagen heißt es, sich zu erinnern, nicht zu vergessen.

Erschütternd und grausam. Vor 20 Jahren begehrt der Mob und 150 Neonazis gegen Ausländer in Rostock-Lichtenhagen auf. Wir erinnern daran.

Heute vor 20 Jahren geschah das Unfassbare in Rostock-Lichtenhagen. Ein Mob von Menschen rottete sich zusammen, um Ausländer zu jagen, die in Deutschland eigentlich Schutz suchten. Vom 22. bis 26. August 1992 (Samstag bis Mittwoch) eskalierte die Stimmung in Rostock-Lichtenhagen.

Steine fliegen, Autos brennen, der Mob applausiert

Über 150 Neonazis gingen aggressiv auf die Bewohner des  Wohnheim „Sonnenblumenhaus“ los, in dem sich noch über 100 Vietnamesen und ein Fernsehteam des ZDF aufhielten.Die Neonazis schmissen Molotowcocktails, gröllten Hetzparolen. Auf dem Höhepunkt der Ausschreitungen zog sich die Polizei zeitweise völlig zurück und die im brennenden Haus Eingeschlossenen waren schutzlos sich selbst überlassen. Nachdem die Eingeschlossenen sich in der Nacht von Montag auf Dienstag selbst aus dem brennenden Haus befreit hatten, wurden sie mit zwei Bussen aus Lichtenhagen evakuiert. Fast 3.000 "Zuschauer" zeigten ihr wahres Gesicht, applaudierten und nahmen die Maske des "braven Bürgers" ab. Ein Armutszeugnis für Rostock, ein noch größeres für das gerade wiedervereinigte Deutschland.

Am 25. August beteiligten sogar sich bis zu 1.200 Personen an den Ausschreitungen - sie schienen in einem gesetzesleeren Raum zu aggieren, skandierten sich in eine Art Rausch. Am Ende wurden unter anderem 65 Polizisten verletzt, von den psychischen Folgen der Menschen im Wohnheim ganz zu schweigen. Die Greultaten von Rostock-Lichtenhagen erwuchsen zur größten ausländerfeindliche Ausschreitung in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

20 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen

Rostock und Mecklenburg-Vorpommern haben nach Ansicht des Direktors der Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt, die richtigen Konsequenzen aus den rassistischen Krawallen von Lichtenhagen 1992 gezogen. "Noch Mitte der 90er Jahre war bei den Menschen in der Stadt eine Traumatisierung zu spüren. Lichtenhagen war ein mit Scham, Trauer und der Furcht vor einer dauerhaften Stigmatisierung besetztes Thema", sagte Schmidt der Nachrichtenagentur dpa. Dann hätten sich aber viele auf den Weg gemacht und gesagt, "das darf nicht noch einmal passieren". Ein Zeichen dafür seien die Initiativen zur Integration von Ausländern, die sich seither gebildet haben.

Bundespräsident plädiert für das Erinnern

Auch Bundespräsident Joachim Gauck meldet sich in der Ostsee zeitung zu Wort: "Wir schenken Rechtsextremisten nicht unsere Angst, wir lassen sie nicht gewähren", mahnt Joachim Gauck. Deshalb sei es gut, sich daran zu erinnern, "was passieren kann, wenn die Emotionen das ihrige tun". Und gleichzeitig sollten sich alle zusammen daran erinnern, was  passieren könne, "wenn die Bürger das ihrige nicht tun", ergänzte der Bundespräsident.

Quelle: Youtube

(dpa/aba)