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Radio Hamburg

Chronologie eines Dreifach-Kindermörders

Martin N., Maskenmann & Monster: Urteil erwartet

Marin N. vor Gericht Stade 10.10.2011

Martin N. im Oktober 2011 in Stade vor Gericht.

Am Stader Landgericht wird Montag (27.02.2012) das Urteil gegen den Dreifach-Kindermörder und Kinderschänder Martin N. gesprochen.

Stade, 27.02.2012

Unfassbares Leid und menschliche Abgründe brachte der Prozess gegen den geständigen Mörder und Kinderschänder Martin N. zutage. Die Details, die seine früheren Missbrauchsopfer mit stockender Stimme im Gerichtssaal schilderten, waren zum Teil kaum zu ertragen. Jetzt wird das Urteil gegen den dreifachen Kindermörder Martin N. verkündet. Dass das Gericht eine lebenslange Haftstrafe verhängen wird, gilt bei Prozessbeobachtern als sicher.

Welche Strafe verdient Martin N. für unfassbares Leid?

Doch wie viele Jahre der 41-Jährige tatsächlich im Gefängnis verbüßen muss, steht damit noch nicht fest. Die Morde an drei Jungen und zahlreiche sexuelle Übergriffe hatte der Pädagoge vor Gericht gestanden. "Es ist einfach so schrecklich, was hier Gegenstand der Anklageschrift ist, dass einem die Worte fehlen", betonte derOberstaatsanwalt Johannes Kiers später in seinem Plädoyer. Er sieht deshalb eine besondere Schwere der Schuld vorliegen. Das würde bedeuten, dass die lebenslange Haftstrafe nicht nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Darüber hinaus fordert die Staatsanwaltschaft, dass die Richter Sicherungsverwahrung für Martin N. anordnen.

Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist Realität geworden

Der Münchner Psychiater Norbert Nedopil hatte diesen in seinem Gutachten wegen der pädophilen Neigung als rückfallgefährdet eingeschätzt. "Er hatte eine Tag- und eine Nachtseite." Wie in der Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Jahrelang schöpfte deshalb niemand Verdacht. Tagsüber kümmerte sich Martin N. fürsorglich um seine Schützlinge, fuhr als Betreuer auf Freizeiten mit und arbeitete in Heimen, erst in Bremen und später in Hamburg. Kollegen und Nachbarn beschrieben ihn als unauffällig und freundlich, als netten Kerl, der gut mit Kindern konnte.

Nachts wurde er zum Monster

Vier Jahre lang wohnte sogar ein Pflegekind bei ihm in der Wohnung. Doch nachts wurde Martin N. zum Monster - zum "schwarzen Mann" oder "Maskenmann", wie ihn die Medien tauften. Mit dunkler Kleidung und einer schwarzen Sturmhaube getarnt, drang er in Häuser, Zeltlager und Schullandheime ein und verging sich dort an den schlaftrunkenen Jungen. In drei Fällen entführte und tötete er seine Opfer: 1992 den 13-jährigen Stefan, 1995 den achtjährigen Dennis R. und 2001 den
neunjährigen Dennis K. Martin N. unterschied dem Gutachter zufolge ganz klar zwischen den Kindern, für die er verantwortlich war und meist unbekannten Kindern, die allein zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse dienten. Dabei sei es ihm egal gewesen, welchen Schaden seine Opfer davontragen würden. Denn Mitgefühl habe er nie gelernt, sagte Nedopil.

Ein früheres Missbrauchsopfer war es schließlich, dass die Fahnder im Frühjahr 2011 auf die Spur von Martin N. brachte. Im Prozess saß der junge Mann seinem mutmaßlichen Peiniger direkt gegenüber. Dadurch bekam der Schatten, der vor mehr als 16 Jahren nachts plötzlich neben seinem Bett stand, endlich ein Gesicht. "Vergessen tut man sowas ja nie", sagte der Dachdecker aus Bremen.

Am letzten Verhandlungstag ergriff er dann überraschend das Wort. Er habe seinen Opfern und deren Angehörigen unfassbares Leid zugefügt, sagte der 41-Jährige. "Ich glaube, dass meine Taten kaum entschuldbar sind." Dennoch hoffe er, eines Tages ein neues Leben in Freiheit beginnen zu können.

Wer sind denn die Nebenkläger und was werden die ihre Forderung sein? 

Unsere Reporterin Carolina Koplin hat den Prozess in Stade die ganze Zeit begleitet: "Es sind die Eltern der drei ermordeten Kinder Dennis K., Dennis Rostel und Stefan Jahr, die als Nebenkläger auftreten sowie Martin Wiechmann, der von Martin N. misshandelt worden ist. Und ich gehe davon aus, dass sie, wie auch schon der Staatsanwalt, eine lebenlsange Haftstrafe und Sicherungsverwahrung fordern werden. Martin N. hat 1992 das erste Kind getötet, dutzende Kinder hat er in Schullandheimen und Ferienlagern misshandelt. Jahrzentelang haben die Ermittler nach ihm gesucht."

So war Martin N. als Kollege - Ein Interview

Viele Hamburger und auch wir fragen sich bei solch einem Verbrecher immer wieder, was dieser Mann eigentlich für ein Mensch ist. Nick Freytag (Name geändert) ist Lehrer an einer Hamburger Schule und hat vor einigen Jahren Martin N. beruflich kennengelernt. 
 
Wann haben Sie Martin N. kennengelernt?

"Ungefähr im Jahr 2005. Martin N. war Bezugsbetreuer eines Schülers von mir, der in der Wohngruppe gelebt hat, in der Martin N. gearbeitet hat. Martin N. war eben auf jedem Elternabend, auf jedem Elternsprechtag und wir haben natürlich auch aufgrund von diversen Gesprächen außerhäusig miteinander zu tun gehabt und das Ganze bis zum Abschluss meines Schülers im Jahr 2008."

Der Schwerverbrecher war ja zu dem Zeitpunkt, als Sie mit ihm gearbeitet haben, auch schon einer, nur sie und all die anderen wussten das ja nicht? Wie war dieser Mensch in seiner Rolle als Pädagoge?

"Eigentlich war er sehr zuverlässig und gleichzeitig sehr unauffällig. Wenn ich Bezugsbetreuer habe statt Eltern, habe ich wenige Bezugsbetreuer gehabt, die so regelmäßig und immer ansprechbar waren, z.B. zu Elternabenden erschienen sind. Das tun halt die wenigsten Bezugsbetreuer. Oder auch auf Elternsprechtagen immer, auch bei den Kollegen, zu Gesprächen erschienen ist. Andererseits hat er immer wenig gesagt, er war einfach da, um den Kontakt herzustellen als Absicherung dafür, dass der Schüler nicht durch die Lappen geht. Von daher hat man im Grundsatz immer einen positiven Eindruck von ihm gehabt."

Was ist das Negativste, was Ihnen von Martin N. in Erinnerung geblieben ist?

"Das einzig Negative, was ich im Hinblick auf ihn habe, er war ein Stück weit zu viel von dem, was ein Pädagoge an Klischees darstellt. Also zuviel der verständige, der einfühlende, der nickende, der zurückhaltende Mensch. Das war so ein Punkt, wo ich mir mehr Aktivität und nicht dieses Rollen-Klischee gewünscht hätte."