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Radio Hamburg

Parasiten im Schlickgras

Hochgiftige Pilze an der Nordseeküste entdeckt

Hannover/Kiel, 23.05.2013
RHH - Expired Image

Ein Mutterkorn (dunkel) befällt Roggen.

Im Schlickgras an der Nordseeküste wurde ein hochgiftiger Parasit entdeckt. Experten sorgen sich, dass Kinder gefährdet sein könnten.

Botaniker der Universität Hannover haben den hochgiftigen Parasiten im Schlickgras an der Nordseeküste entdeckt. Die Experten sind nun in Sorge, dass dadurch Schafe, Hunde oder sogar Kinder gefährdet sein könnten.

Pilz an gesamter Wattenmeerküste nachgewiesen

Die sporenartigen Gebilde in den Rispen der Pflanze entpuppten sich als Mutterkorn. Der Pilz mit dem lateinischen Namen Claviceps purpurea befällt meist Roggen. "Dass Claviceps auch Schlickgras besiedelt, war uns neu", erklärte die Biologieprofessorin Jutta Papenbrock am Mittwoch (22.5.). Die Wissenschaftler konnten den Pilz in Schlickgras-Beständen an der gesamten Wattenmeerküste von den Niederlanden bis nach Dänemark nachweisen.

Mutterkorn sollte nicht von Kleinkindern verzehrt werden

In Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe der Tierärztlichen Hochschule Hannover fanden sie heraus, dass die Giftkonzentrationen größer waren als beim Roggen-Mutterkorn. Die giftigen Überwinterungsorgane des Pilzes - sogenannte Sklerotien - entwickeln sich im Herbst. "Allerdings haben wir festgestellt, dass das Gift kaum abgebaut wird", sagte Papenbrock. Mehrere der Sklerotien könnten ein Kleinkind töten. Papenbrock empfiehlt Eltern, Kleinkinder vor dem Verzehr von Mutterkorn zu warnen. Allerdings wird Mutterkorn erst ab einer Menge von ca. einer Handvoll gefährlich. 

Experten benötigt, um Ausbreitung zu stoppen

Das Schlickgras Spartina anglica wurde zunächst zur Küstenbefestigung in England und Holland angebaut. Inzwischen findet sich die ursprünglich aus Amerika stammende Pflanze fast überall an der Nordsee bis an die Deiche. Die zuständigen Ämter und die Nationalparkverwaltung wurden bereits informiert. Das Umweltministerium in Schleswig-Holstein erklärte, das Schlickgras werde beobachtet, um Veränderungen festzustellen. Bislang sei aber nichts Auffälliges entdeckt worden. "In Zusammenarbeit mit Fachleuten anderer Wattenmeeranrainer" werde geprüft, welche Maßnahmen darüber hinaus ergriffen würden, hieß es am Mittwoch. Um die Ausbreitung zu stoppen, müsse man Experten ins Boot holen und international zusammenarbeiten, forderte Biologieprofessorin Papenbrock.

Erster Fund in Deutschland

In Deutschland sei der Fund der erste, aus Holland, Belgien und Frankreich gebe es aber ähnliche Meldungen. In einer Warnliste des Bundesamtes für Naturschutz wird Schlickgras als invasive Art aufgeführt, die andere Pflanzen verdrängt und sich negativ auf die Fischerei und den Tourismus auswirkt. Negative gesundheitliche Auswirkungen werden hier aber verneint.

 

(dpa/mgä)