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Radio Hamburg

Schleswig-Holstein

Bislang 150 tote Seehunde an der Nordsee

Oldenburg/Husum, 14.10.2014
Seehund Nordsee

An der schleswig-holsteinischen Nordseeküste wächst die Angst vor einem Massensterben von Seehunden.

An der Nordseeküste in Schleswig-Holstein werden zurzeit täglich tote und schwer kranke Seehunde gefunden. Geht eine Seuche um?

In Niedersachsen gibt es derzeit keine Anzeichen für ein neues Massensterben von Seehunden. Die Zahl der tot entdeckten Tiere sei normal, hieß es am Dienstag (14.10.) beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Oldenburg. Tierschützer befürchten dagegen an Schleswig-Holsteins Nordseeküste ein massenhaftes Sterben von Seehunden. Dort wurden seit Anfang Oktober rund 150 tote Tiere entdeckt. In Büsum suchen Experten der
Tierärztlichen Hochschule Hannover nach den Ursachen. Ergebnisse werden im Laufe der Woche erwartet.

Kadaver auf Amrum, Helgoland und Sylt

Bislang wurden an den Küsten der Nordseeinseln Helgoland, Amrum, Föhr und Sylt vermehrt Kadaver gefunden. Viele Seehunde seien bereits mehrere Jahre alt gewesen, sagte Nationalparkamt-Sprecher Hendrik Brunckhorst in Husum.
Weiter südlich in Niedersachsen werden jährlich bis zu 300 tote Seehunde registriert. Das sei völlig normal, sagte Laves-Sprecherin Hiltrud Schrandt. Schwache Tiere, die etwa zu früh geboren seien, könnten wegen zu geringer Widerstandskraft verenden. Auch Peter Lienau von der Seehundstation im ostfriesischen Norddeich sind bisher keine besonderen Totfunde aufgefallen. "Es ist aber etwas seltsam, dass in Schleswig-Holstein erwachsene Tiere verendet sind", sagte er.

Sind Viren schuld?

Experten wollen nun herausfinden, ob Staupe- oder Influenzaviren eine Rolle spielen. Letztere waren für die dänische Ostseeinsel Anholt nachgewiesen worden, wo seit August rund 200 von insgesamt 1500 dort lebenden Seehunden verendet waren. Bei zwei großen Ausbrüchen der Seehundstaupe hatten Experten in der Vergangenheit ein Massensterben der Meeressäuger an den Küsten von Nord- und Ostsee beobachtet. 1988 verendeten rund 18.000 Tiere, 2002
wurden rund 21.700 tote Tiere gezählt.  Das Virus verbreitet sich an den Liegeplätzen der Seehunde. Bei einem Ausbruch wird das Immunsystem geschwächt. Überlebende Tiere bilden Antikörper und sind danach für einige Zeit immun gegen die Seuche. Die Abwehrkräfte lassen jedoch mit jedem Jahr nach. (dpa/apr)

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