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Radio Hamburg

Seehundstation Friedrichskoog

Erster Heuler der Saison heißt "Polli"

Friedrichskoog, 01.06.2017
Heuler, Robbe, Robben-Baby

Heuler "Polli" wurde von der Mutter verlassen.

Jedes Jahr Ende Mai beginnt die Geburtenzeit der Seehunde im Wattenmeer an der Nordseeküste. Die ersten Heuler sind bereits in der Station Friedrichskoog eingetroffen.

Schleswig-Holsteins erster Heuler der Saison heißt "Polli". Die Seehundstation Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen präsentierte am Donnerstag (01.06.) das junge Tier-Waise der Öffentlichkeit. Das von seiner Mutter verlassene Robben-Baby sei am 25. Mai auf Nordstrand gefunden worden, sagte Stationsleiterin Tanja Rosenberger. Bei seiner Einlieferung in Friedrichskoog wog der Heuler 9,9 Kilogramm. Er wurde zunächst in einem Quarantänebecken gehalten, bevor er in ein normales Aufzuchtbecken umziehen konnte.

Viele Robben-Waisen

Die Seehundstation wurde 1985 gegründet. Zu ihren Aufgaben gehören neben wissenschaftlicher Forschung und Informationen über Seehunde auch die Aufzucht junger Seehunde und Kegelrobben, die von ihrer Mutter verlassen wurden. Sie ist gemäß internationalem Abkommen die einzige berechtigte Aufnahmestelle für Heuler in Schleswig-Holstein. Sie betreut nicht nur Schleswig-Holsteins Nordseeküste von Hamburg bis Nordfriesland, sie ist auch für die gesamte deutsche Ostseeküste zwischen Dänemark und Polen zuständig. 2016 wurden insgesamt 310 Robbben aufgenommen, wie Stationsleiterin Rosenberger sagte. Die jungen Seehunde werden zunächst mit Fischbrei, später mit ganzen Heringen aufgezogen, bis sie das für eine Auswilderung nötige Mindestgewicht von 25 Kilogramm erreicht haben. Die Robben-Waisen bleiben bis zu ihrer Auswilderung meist zwei bis drei Monate in der Obhut der Tierschützer. Die Kosten dafür summieren sich für jedes Tier auf durchschnittlich 1300 Euro. Bei Kranken könne es wegen zusätzlicher ärztlicher Versorgung noch teurer werden, sagte Rosenberger.

Kein Kontakt zu Besuchern

Anders als die "Dauergäste" haben junge Heuler in Friedrichskoog keinen Kontakt zu den Besuchern der Station. Sie können jedoch übereine "Life-Kamera" oder von einem Aussichtsturm aus beobachtet werden. Die Seehundstation finanziert sich seit 1996 ohne staatliche Zuschüsse ausschließlich durch Spenden und den Verkauf von Eintrittskarten.

Mit ihren dunklen Augen sehen die jungen Seehund-Babys sehr niedlich aus. Die kläglich nach ihrer Mutter rufenden Heuler sind jedoch keine Kuscheltiere, sondern Raubtiere mit spitzen Zähnen. Die Seehundstation warnt entsprechend, in der freien Wildbahn einen allein liegenden Seehund anzufassen. Stattdessen sollten ein Seehundjäger, die Seehundstation oder die Polizei benachrichtigt werden, sagte Rosenberger.

Die Geburtensaison der Seehunde begann laut Rosenberger in diesem Jahr rund zwei Wochen später als in den Vorjahren. Die Ursachen seien unbekannt, erklärte die Biologin.

Auch an der niedersächsischen Nordseeküste sind die ersten Heuler der Saison in eine Seehundstation gebracht worden - hier in die Station Norden-Norddeich. Drei in der vergangenen Woche entdeckte Jungtiere werden derzeit medizinisch untersucht und versorgt. "Das sind absolute Frühgeburten in kritischem Zustand", sagte Stationsleiter Peter Lienau. Die weiteren Untersuchungen müssten zeigen, ob die Tiere überlebensfähig seien. In der ostfriesischen Seehundstation werden jährlich zwischen 80 und 150 verwaiste Seehunde und vereinzelt auch Kegelrobben aufgezogen und in die Nordsee zurückgebracht. (dpa)

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