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Radio Hamburg

Gasleck auf Nordsee-Plattform

Explosionsgefahr steigt weiter an

Gasleck Nordsee-Plattform Elgin

Eine Gas-Förderplattform in der Nordsee droht zu explodieren. Immer mehr Gas tritt aus.

Nach dem Leck an einer Förderplattform in der Nordsee vor Schottland kämpft die Betreiberfirma Total gegen das Gas und gegen eine mögliche Explosion.

London, 27.03.2012

Ein dramatischer Kampf mit dem Gas in der Nordsee: Der französische Energiekonzern Total versucht nach einem am Sonntag bekanntgewordenen Leck fieberhaft, die undichte Stelle zu finden. Unterdessen strömt aus dem "Elgin"-Gasfeld weiter ungehindert Gas ins Meer vor der schottischen Ostküste. Für die inzwischen verlassene Förderplattform herrscht Explosionsgefahr. Es habe sich ein erkennbarer Film auf der Wasseroberfläche gebildet, teilte Total am Dienstag mit. Der Teppich sei sechs Seemeilen lang. Die Plattform sei von einer Gaswolke umgeben.

Gas könnte für Menschen giftig sein

Experten halten es für möglich, dass das Gas für Menschen giftig ist. Das Unternehmen versuche alles, um die Situation unter Kontrolle zu bringen, hieß es von Total. Gegenwärtig seien jedoch weder die Menge des ausströmenden Gases noch der genaue Ort des Lecks bekannt. Der Aktienkurs von Total gab am Dienstag bereits um sechs Prozent nach. Von zwei benachbarten Bohrstationen vor der schottischen Ostküste zog der Energiekonzern Shell am Dienstag vorsichtshalber große Teile seines Personals ab, wie das Unternehmen mitteilte. Eine Wartungsphase werde vier Tage vorgezogen, die Produktion sei deswegen eingestellt worden.

Zwei-Meilen-Sperrzone um Plattform eingerichtet

Die Küstenwache errichtete um die leckgeschlagene Plattform eine Zwei-Meilen-Sperrzone für Schiffe und eine Drei-Meilen-Zone für Flugzeuge. Die "Elgin"-Plattform von Total war bereits am Sonntag geräumt worden, nachdem das Leck bemerkt worden war. Alle 238 Arbeiter sind in Sicherheit. Total kündigte an, "alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leck zu identifizieren". Der Sprecher bezeichnete die Gefahr, dass die Plattform explodieren könne, als gering. "Aber man sollte niemals nie sagen", betonte er. Er schloss auch eine Vergrößerung der Sperrzone nicht aus. Total arbeite eng mit allen wesentlichen Stellen, darunter die Küstenwache und die schottische Regionalregierung, zusammen.

Kritik an Gasförderung in der Nordsee

Nach Angaben des Total-Sprechers handelt es sich bei dem austretenden Stoff um ein Gas-Kondensat, das in flüssiger Form gefördert wird. Es sei entzündlich und potenziell explosiv. Die Auswirkungen auf die Umwelt seien jedoch deutlich geringer als etwa bei Erdöl. Das Gas-Kondensat sei sehr leicht und verflüchtige sich. Allerdings könne es Wochen oder Monate dauern, bis das Leck gestopft sei. Eine Entlastungsbohrung, die das ausströmende Gas kanalisieren könnte, könne bis zu sechs Monate dauern. Britische Umweltschützer kritisierten die Gasförderung in der Nordsee, für die Finanzminister George Osborne erst vor wenigen Tagen Steuererleichterungen in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt hatte. Das austretende Gas sei 20 Mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Großbritannien müsse auf umweltfreundliche Technologien wie Wind und Sonne umstellen.

(dpa)