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Radio Hamburg

„Werwolf-Kommando“

Bundesanwaltschaft ordnet Razzien an

Karlsruhe, 17.07.2013
RHH - Expired Image

Rund 50 Polizeibeamte durchsuchen verdächtige Wohnungen und Geschäftsräume (Symbolbild).

Auf der Suche nach Beweismaterial für mögliche Anschlagspläne einer rechtsextremen Terrorzelle werden auch in Norddeutschland Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht.

Wegen des Verdachts der Gründung eines rechtsextremen „Werwolf-Kommandos“ hat es neben der Schweiz und den Niederlanden auch im Umland von Hamburg, der Region Hannover sowie in Mecklenburg-Vorpommern Razzien gegeben. Die Bundesanwaltschaft ließ Wohnungen und Geschäftsräume durchsuchen, in der Schweiz auch die Gefängniszellen von zwei Beschuldigten. Festgenommen wurde nach Angaben der obersten Anklagebehörde bisher niemand.

Terror gegen das System

Ziel der rechtsextremistischen Vereinigung sei es gewesen, das "politische System der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen", so die Bundesanwaltschaft. Es bestehe der Verdacht, dass die Männer zu diesem Zweck terroristische Gewalttaten verüben wollten - offenbar nach dem Vorbild der so sogenannten "Werwolf"-Guerilla der Nazis im Zweiten Weltkrieg. Dabei sollte hinter den feindlichen Linien ein Guerilla-Krieg geführt werden. Konkrete Anschlagspläne gab es nach Wissen der Behörde aber nicht. Mangels dringenden Tatverdachts wurde niemand festgenommen.

Bei den Razzien wurden schriftliche Unterlagen und Computer sichergestellt, die jetzt ausgewertet werden. Den Razzien waren monatelange verdeckte Ermittlungen vorausgegangen. Sie gestalteten sich schwierig, weil die Verdächtigen bereits ein elektronisches Verschlüsselungsprogramm entwickelt hatten, "um konspirativ kommunizieren zu können", so die Bundesanwaltschaft. Nach Informationen von "Spiegel Online" gelten der Behörde zwei Schweizer Rechtsextremisten als Führungsfiguren: Robert S. (54) und der 25-jährige Sebastien N., der im vergangenen Jahr nach knapp 48-stündiger Flucht in Hamburg festgenommen worden war - kurz nachdem er im Mai 2012 in Zürich einen jungen Mann niedergeschossen haben soll. Er wurde später an die Schweizer Justiz ausgeliefert.

Auch Gefängniszellen durchsucht

Wie "Spiegel Online" weiter berichtet, wurde am Mittwoch unter anderem die Gefängniszelle von Sebastien N. und und die eines weiteren Gesinnungsgenossen (Roberto K.) durchsucht, ebenso die Wohnung von Robert S.. Die Hauptbeschuldigten werden demnach vor allem durch Zeugenaussagen belastet. Die Bundesanwaltschaft wollte den Bericht nicht bestätigen oder kommentieren. Das Schweizer Bundesamt für Justiz bestätigte am Mittwoch lediglich, dass die Staatsanwaltschaft Zürich "Hausdurchsuchungen und Einvernahmen" vornehmen ließ.

In Deutschland waren unter der Leitung der Bundesanwaltschaft rund 50 Polizeibeamte des Bundeskriminalamts und der beteiligten Landeskriminalämter im Einsatz. Mit der Aktion sollten Beweise für mögliche Anschlagspläne und Vorbereitungen gefunden werden. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen führt das Bundeskriminalamt in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Hamburg.

Vorbild aus dem Zweiten Weltkrieg

Die historische Organisation "Werwolf" war im November 1944 von SS-Führer Heinrich Himmler ins Leben gerufen worden. "Entschlossene Männer und Frauen" sollten hinter den Linien des Feindes einen Guerillakrieg führen. Zahlreiche Morde an "Volksverrätern" gingen auf das Konto der "Werwölfe" und ähnlicher Organisationen. Auch eine unbekannte Zahl alliierter Soldaten starb durch ihre Hand. Wie viele Aktionen es insgesamt waren, liegt allerdings ebenso im Dunkeln wie die Zahl der damaligen "Werwolf"-Mitglieder.

(dpa/bbü)

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