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Radio Hamburg

Tod in Montana

Hamburg trauert um Diren D.

Missoula/Hamburg, 29.04.2014
Trauer Hamburg Montana Diren D.

Im Fall des Austauschschülers Diren D. ist Anklage gegen Markus K. aus dem US-Staat Montana wegen vorsätzlicher Tötung erhoben worden. Unterdessen wir in Hamburg getrauert.

Das "Recht auf Notwehr" ist in den USA immer wieder für blutige Tragödien verantwortlich. Nun traf es einen deutschen Teenager.

Nach den tödlichen Schüssen auf den 17-jährigen Austauschschüler Diren D. aus Deutschland drohen dem Schützen in den USA mindestens zehn Jahre Gefängnis - möglicherweise sogar lebenslang. Der 29-Jährige wurde wegen vorsätzlicher Tötung angeklagt. Zwar räumt sein Heimatstaat Montana für die Verteidigung des eigenen Hauses das bewaffnete Recht auf Notwehr ein. Laut Anklageschrift stellte der Mann aber potenziellen Dieben eine Art Falle und legte sich auf die Lauer. Der Tod des Jungen wurde in dessen Heimatstadt Hamburg mit Trauer und Entsetzen aufgenommen.

Handlung in Selbstverteidigung

Nach zwei Einbrüchen innerhalb der vergangenen drei Wochen hatte der Schütze laut einer Zeugin gesagt, einen "verdammten Typen" erschießen zu wollen. Sein Anwalt sagte laut einem Bericht der Lokalzeitung "Missoulian", der 29-Jährige werde sich nicht schuldig bekennen, da er in Selbstverteidigung gehandelt habe. Der Jugendliche hatte der Anklageschrift zufolge die Garage betreten, wurde von Schüssen am Kopf und am Arm getroffen und starb später im Krankenhaus. Er war im August in die USA gekommen und hatte im Ort Missoula eine High School besucht.

"Er war ein Mensch, den jeder Vater sich wünschen würde", sagte sein Fußballtrainer Garip Ercin in Hamburg. "Er war nicht aggressiv, er war beliebt - einfach ein Supertyp." In wenigen Wochen sollte der talentierte Fußballspieler nach Deutschland zurückkehren, erzählte Ercin: "Er hätte noch 43 Tage gehabt." Der Vater des Teenagers reiste inzwischen nach Montana ab, wie Ercin sagte. Auch eine Vertreterin des Generalkonsulats in San Francisco sowie Mitarbeiter der US-Austauschorganisation CIEE, über die der 17-Jährige in die USA gekommen war, wurden erwartet. Die Mutter soll Ercins Angaben zufolge nach einem Schock im Krankenhaus sein.

Einzelheiten unbekannt

Ercin, der Jugendleiter beim Verein SC Teutonia 1910 ist, sagte, die Eltern des Schülers hätten ihn am Sonntagnachmittag über den Tod informiert. Kurze Zeit später sei die ganze Mannschaft zu der Familie gegangen: "Eine Stunde später waren alle da." Was genau in der tragischen Nacht auf einem Privatgrundstück in der ruhigen Wohnsiedlung Grant Creek geschah, wird möglicherweise erst im Gerichtsprozess ans Licht kommen. Zunächst blieb unklar, was der Teenager mitten in der Nacht in einer fremden Garage suchte. Er war laut Berichten lokaler Medien mit einem weiteren Mann unterwegs, als die Bewegungssensoren des Hausbewohners Alarm schlugen. Der Mann flüchtete, als die Schüsse fielen.

Die Partnerin des Schützen habe als eine Art Köder eine Handtasche mit persönlichen Gegenständen in die Garage gestellt und die Dinge darin aufgelistet, um einen potenziellen Einbruch später beweisen zu können, heißt es in der Anklageschrift. Trotz der Einbrüche der vergangenen Wochen ließen die beiden das Garagentor offen stehen. Einer Zeugin zufolge soll der Mann seit Nächten darauf gewartet haben, jemanden zu fassen und zu erschießen. Die Schulbehörde will den Hamburger Mitschülern Hilfe anbieten. "Es ist ja doch ein sehr einschneidendes Erlebnis", betonte Sprecher Thomas Bressau. Da in Hamburg derzeit Ferien sind, hätten viele Schüler möglicherweise noch nichts mitbekommen. Wenn die Schule am Montag wieder beginnt, sollen sich Mitarbeiter der Beratungsstelle Gewaltprävention um die Mitschüler kümmern.

Lest auch: Drama in Montana: Schüler aus Hamburg in den USA erschossen

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Der 17-Jährige sei sportbegeistert, freundlich und gut vernetzt gewesen, berichtete Bressau. "Man hört nichts Negatives, im Gegenteil." Das habe ihm der Schulleiter erzählt, der derzeit im Urlaub sei. Der Fußballverein des 17-Jährigen rief dazu auf, für die Eltern zu spenden. "Wir wünschen den Eltern und Angehörigen alle Kraft und Unterstützung in diesen schweren Zeiten", hieß es auf der Homepage. An diesem Mittwoch (30.04; 17.45 Uhr) gibt es außerdem ein Benefizspiel.

Bürger Montanas dürfen sich wie in rund der Hälfte der 50 US-Staaten notfalls mit Waffengewalt verteidigen. Laut der sogenannten Castle Doctrine (Schloss-Doktrin) ist der Einsatz tödlicher Gewalt gegen Eindringlinge in Haus und Garten in den meisten Fällen erlaubt. Allerdings muss sich der Schütze ernsthaft bedroht fühlen. (dpa/apr)