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Radio Hamburg

AOK-Krankenhausreport

19.000 Tote im Jahr durch Behandlungsfehler

Berlin, 21.01.2014
Auge Untersuchung Verletzung

Hunderttausendfach werden Klinikpatienten in Deutschland Opfer von Behandlungsfehlern.

Falsche Medikamente, mangelnde Hygiene, Probleme im OP: Viele Klinikpatienten werden in Deutschland Opfer von Behandlungsfehlern.

Wegen Behandlungsfehlern im Krankenhaus sterben jährlich in Deutschland nach Schätzungen rund 19.000 Patienten. In rund 190.000 Fällen sollen solche Fehler gesundheitliche Schäden bei Patienten verursachen. "Die meisten Fehler entstehen bei operativen Eingriffen", sagte der Mitherausgeber des neuen AOK-Krankenhausreports, Max Geraedts, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Komplikationen entstünden, weil die Ärzte Nachbarorgane verletzten und es zu Blutungen oder Infektionen im OP-Saal komme. Typische Fehler seien auch Verwechslungen bei den Medikamenten und mangelnde Desinfektion der Hände bei Ärzten und Pflegern. Knapp die Hälfte der Todesfälle sei vermeidbar, sagte der Gesundheitssystemforscher der Universität Witten/Herdecke. Je komplizierter ein Eingriffe desto höher das Risiko.

Routine mindert Risiko

Bei der Gesamtzahl von Fehlern und Todesfällen greift der AOK-Report allerdings auf eine rund acht Jahre alte Erhebung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit zurück. Diese basierte damals auf mehr als 180 großteils internationalen Studien. Der AOK-Report bezieht nun die damals ermittelten Anteile von Fehlern auf die
aktuelle Zahl der Klinikfälle in Deutschland. Geraedts wies Kritik an der Methode zurück: Die Zahlen seien gültig, tatsächlich passierten wohl sogar mehr Fehler.

Besonders hoch sei zudem die Zahl der weniger gravierenden, aber dennoch unerwünschten und vermeidbaren Zwischenfälle: Zwischen 360.000 und 720.000 Mal passierten in den Kliniken pro Jahr Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. Als Kernproblem nennt die AOK, dass viele Krankenhäuser auch komplizierte Behandlungen anböten, obwohl ihnen die Erfahrung dafür fehle. So gebe es deutliche Unterschiede beim Einsatz künstlicher Hüftgelenke bei Arthrose: In Kliniken, die in der Rangliste zum Viertel der schlechtesten Krankenhäuser zählen, müssen mindestens 5,7 Prozent der Patienten binnen eines Jahres erneut unters Messer. Beim Viertel der besten Kliniken werde nur bei höchstens 2,6 Prozent der Patienten eine neue OP fällig.

Krankenkassen sollen mehr unterstützen

An Kliniken mit weniger als 15 Frühchen pro Jahr hätten zu früh geborene Babys sogar ein um 87 Prozent höheres Risiko zu sterben als an den besten Krankenhäusern. AOK-Vorstand Uwe Deh forderte eine umfassende Klinikreform. "In den Fokus der Aufmerksamkeit gehören die Menschen." Die Krankenkassen
müssten stärker in die Lage versetzt werden, ihre Patienten in die besten Krankenhäuser zu lotsen. Auch der Vorstandschef der Barmer GEK, Christoph Straub, forderte eine Konzentration von Eingriffen. Die Bundesärztekammer warf der AOK ein durchsichtiges Manöver vor. "Wir kehren diese Fehler aber nicht unter den Tisch", sagte ihr Präsident Frank Ulrich Montgomery. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft unterstrich, die Sicherheitsstandards seien so hoch wie nie. "Sie können sich im internationalen Vergleich sehen lassen", sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Mehr Personal im Bereich Pflege

Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn forderte: "In den Häusern ist eine neue Fehlerkultur notwendig." Die Koalition wolle die Qualität der Behandlung für Patienten nun besser nachvollziehbar machen. Die SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis kündigte eine Qualitätsoffensive gemeinsam mit den Krankenhäusern an. "Das wird ohne mehr Personal, besonders im Bereich der Pflege nicht gehen." Insgesamt beanstanden nach Schätzungen jährlich rund 40.000 Versicherte pro Jahr ihre Behandlung bei Ärztestellen, Krankenkassen oder direkt vor Gerichten. Ärztevertreter weisen immer wieder darauf hin, dass in der Regel nicht einfach Pfusch eines Arztes dahinterstecke. Organisationsmängel, mehr komplizierte Eingriffe und auch der Mut vieler Operateure zum Risiko zählten zu den Ursachen. (dpa/apr)

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