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Radio Hamburg

Löst dieses Tierchen unser Müll-Problem?

Diese Raupe frisst am liebsten Plastik

Madrid, 25.04.2017
Raupe frisst Plastik

So sieht die plastikfressende Raupe (Larve der Wachsmotte) aus.

Eine Raupe kann handelsübliche Plastiktüten relativ zügig zersetzen. Die Larven der Großen Wachsmotte sind die Stars der aktuellen Tier-Forschung.

Eine Hobbyimkerin - im Hauptberuf Forscherin - ärgert sich über kleine Raupen in ihrem Bienenstock. Doch dann fällt ihr auf, dass die Tierchen Plastik fressen. Und zwar verhältnismäßig fix.

Die Larven der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella) fressen den wohl am häufigsten verwendeten und biologisch kaum abbaubaren Kunststoff Polyethylen (PE), wie spanische Forscher im Fachmagazin "Current Biology" schreiben. Wegen der hohen Zersetzungsgeschwindigkeit habe der Fund "Potenzial für bedeutende biotechnologische Anwendungen". Die Entdeckung gelang durch einen Zufall. "Ich beschäftige mich beruflich mit Hühnerembryos, bin aber Hobby Bienenzüchterin", sagte Federica Bertocchini, die an der Studie beteiligt war.

Bei der Säuberung eines Bienenstocks habe sie zu Hause im nordspanischen Santander, wo sie an der Universidad de Cantabria arbeitet, plötzlich "diese Würmchen" entdeckt. "Die sich von Pollenresten ernähren und für uns Imker wie die Pest sind." Die Italienerin warf die Larven in eine Plastiktüte. Und siehe da: "Nach einer Weile war der Beutel voller Löcher und die Larven draußen!"

Nagen an der Plastik-Tüte

Diese Beobachtung setzte die Forschungsarbeit der Wissenschaftlerin und ihrer Kollegen in Gange. Dabei fanden sie heraus, dass rund 100 Wachsmotten-Larven in 12 Stunden etwa 92 Milligramm einer normalen Einkaufstüte fressen können. "Das ist ein sehr schneller Abbau, schneller als alles, was zu diesem Thema bisher wissenschaftlich veröffentlicht wurde", sagte Bertocchini.  "Wir vermuten, dass für diese schnelle Zersetzung ein Molekül oder Enzym verantwortlich ist, das wir zu isolieren versuchen werden." Dieses Enzym könne man dann in großen Umfang produzieren und es nutzen, um Plastikmüll abzubauen, hofft die junge Wissenschaftlerin.

Plastikfresser = Müllproblem-Löser?

Auch andere Organismen wie Pilze oder Bakterien sind bekannt dafür, dass sie Kunststoffe abbauen können. Erst voriges Jahr wurde am japanischen Kyoto Institute of Technology ein Bakterium namens Ideonella sakaiensis entdeckt, das PET-Flaschen verdauen kann.  Doch wie andere zuvor entdeckte "Plastikfresser" ist auch Ideonella weit davon entfernt, eine Lösung für das globale Problem mit dem Plastikmüll zu liefern. Unter optimalen Bedingungen und bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius braucht es etwa sechs Wochen, um ein kleines Stück Polyethylenterephthalat (PET) zu zersetzen.

(dpa/aba)