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Radio Hamburg

Interview bei ARD und ZDF

Wulff will Bundespräsident bleiben

Christian Wulff im Interview mit der ARD 2012

Bundespräsident Christian Wulff im Interview mit Ulrich Deppendorf und Bettina Schausten.

Der Anruf bei der "Bild" sei ein schwerer Fehler gewesen, räumt Wulff im Interview ein. An Rücktritt denkt er aber nicht.

Berlin - Es ist ein kurzes Interview - 15 Minuten lang und nur die Moderatoren der ARD und des ZDF dürfen den Bundespräsidenten interviewen. Sichtlich nervös tritt er vor die Kameras, ist zu Beginn recht schwierig zu verstehen. Doch dann die entscheidenden Fragen.

Bereits zu Beginn antwortet er auf die Rücktrittsfrage. Er habe zu keiner Zeit an Rücktritt gedacht und habe von vielen Seiten große Unterstützung erfahren.

Blick auf das Amt des Bundespräsidenten

"Ich habe die Verantwortung für fünf Jahre übernommen, will sie für fünf Jahre wahrnehmen und danach eine Bilanz vorlegen, dass ich ein guter und erfolgreicher Bundespräsident war", so Wulff im Interview Dass ihm das bislang nicht uneingeschränkt gelungen ist, räumt er selbstkritisch ein: "Das Amt ist schwieriger geworden und durch diese Art von Umgang hat man dem Amt sicher nicht gedient."

 

Stellungnahme zum "Bild"-Anruf - Wulff habe sich als Opfer gefühlt

"Der Anruf war ein schwerer Fehler, der mir leid tut, für den ich mich entschuldige. Ich habe mich in der Weihnachtsansprache ausdrücklich zur Pressefreiheit bekannt." Allerdings distanziert sich der Bundespräsident vom Vorwurf, er habe den Artikel durch den Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann verhindern wollen. Er wollte die Veröffentlichung des Artikels nur noch um einen Tag hinausziehen . Er begründet seinen Anruf damit, dass er zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung außer Landes gewesen sei, sich als Opfer gefühlt habe, sich nicht wehren konnte und somit als letzten Ausweg diesen Anruf gesehen habe.

Wulff und die Medien

"Ich muss mein Verhältnis zu den Medien neu ordnen, ändern." Unbedingt, denn ob der Schritt, allein der ARD und dem ZDF und nicht allen Hauptstadtmedien ein Interview oder Statement zu geben, richtig war, muss in den nächsten Tagen noch diskutiert werden. Seine Antworten auf die rund 400 Journalisten-Fragen sollen an diesem Donnerstag im Internet veröffentlicht werden, kündigte Wulff an. Er bat darum, sein Vorgehen menschlich zu verstehen, auch vor dem Hintergrund der Belastungen für seine Familie. Er habe da auch eine Schutzfunktion gesehen. Dies gelte auch vor dem Hintergrund dessen, was an Fantasien alles im Internet über seine Frau Bettina zu lesen sein.

Wulff zum Thema Darlehen und Urlaub

Der Bundespräsident verteidigte das Darlehen für sein Haus und seine Urlaube bei Freunden - und warnte davor, dass kaum jemand mehr Politiker werden wolle, wenn in diesem Zusammenhang alles kritisiert werde. Man müsse auch sehen, dass Menschen noch bereit sein sollten, etwa als Politiker in die Öffentlichkeit zu gehen. Er wolle nicht Präsident in einem Land sein, in dem man nicht von Freunden Geld leihen könne. Auch als Politiker müsse man bei Freunden übernachten
dürfen. Sonst verändere sich die Republik zum Negativen. Er habe gegen kein Gesetz verstoßen, unterstrich Wulff. "Es geht nicht um Rechtsverstöße", weder in seiner Zeit als Bundespräsident noch als niedersächsischer Regierungschef.

Das komplette Interview gibt's hier als Video

Bild widerspricht Wulffs Darstellung

Die "Bild"-Zeitung hat nach einem Bericht des Deutschlandfunks der Aussage von Bundespräsident Christian Wulff widersprochen, er habe mit seinem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann eine Berichterstattung zu seiner Hausfinanzierung nicht verhindern wollen. Der stellvertretende Chefredakteur Nikolaus Blome sagte nach Angaben des Senders am Mittwochabend im Deutschlandfunk, "den Satz von Herrn Bundespräsident Wulff, ich wollte die Berichterstattung nicht verhindern, das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen." Blome bezeichnete demnach die auf der Mailbox von Diekmann hinterlassene Nachricht als "große Dummheit". Blome erklärte: "Und es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden. Und wenn Sie das jetzt als Drohung bezeichnen oder auch nicht, das sei mal dahingestellt. Das ist vielleicht eine Geschmacksfrage. Aber klar war das Ziel dieses Anrufs, die Absicht und das Motiv - nämlich: Die Berichterstattung, diesen ersten Breaking-Bericht über die Finanzierung seines privaten Hauses zu unterbinden."

Chronik der Ungereimtheiten

Wulffs Stolpersteine in der Kredit- und "Bild"-Affäre

  • Februar 2010: Im niedersächsischen Landtag wird Christian Wulff (damals noch Ministerpräsident in Niedersachsen) gefragt, ob er Geschäftsbeziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens unterhalte. Wulff verneint die Frage.

    Grund für die Befragung: Eine Urlaubsreise nach Florida im Dezember 2009. Für den Flug hatte die Wulff-Familie ein kostenloses Upgrade bekommen und angenommen im Wert von ca. 3.000 Euro. Hintergrund: Nach dem niedersächsischen Ministergesetz sind nur Geschenke bis zehn Euro erlaubt.

  • März 2010: Wulf löst den Geerkens-Privatkredit (angeblich von Edith Geerkens gewährt) durch ein Darlehen bei der BW-Bank ab.

  • 13. Dezember 2011: Die "Bild"-Zeitung macht mit dem Artikel auf, das Wulff von der Unternehmergattin Edith Gerkens 500.000 Euro als Privatkredit bekommen hat.

  • 13. Dezember 2011: Wulff äußert sich nicht persönlich zum "Bild"-Artikel. Das Bundespräsidialamt bestätigt aber, dass es den Kredit gegeben hat, dass aber die Anfrage des Landtages 2010 "korrekt beantwortet" worden ist.

  • 15. Dezember 2011: Wulff ist on seiner Reise duch die Golfregion zurück und erklärt öffentlich: "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedaure das. Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen."

  • 16. Dezember 2011: Es verdichten sich die Hinweise, dass der Geerkens-Kredit nicht von Edith sondern von Egon Geerkens gewährt wurde. "Der Spiegel" zitiert den Unternehmer wie folgt: "Ich habe mit Wulff verhandelt" und "ich habe mir überlegt, wie das Geschäft abgewickelt werden könnte."

  • 16. Dezember 2011: Wulffs Anwälte bekräftigen und bestätigen, dass der Kreditvertrag allein mit Edith Geerkens geschlossen wurde.

  • 18. Dezember 2011: Neue Vorwürfe gegen Wulff werden laut. Es soll mehrere Urlaubsaufenthalte in Häusern befreundeter Unternehmer gegeben haben.

  • 18. Dezember 2011: Wulffs Anwaltsbüro veröffentlicht eine Liste, aus der hervorgeht, dass Wulff zwischen 2003 und 2010 insgesamt sechs Mal Urlaub bei befreundeten Unternehmern gemacht hat.

  • 19. Dezember 2011: Journalisten können erstmals Einblick in den umstrittenen Geerkens-Kreditvertrag erhalten. Das hatte Wulff über sein Anwaltsbüro gewährt.

  • 19. Dezember 2011: Es wird bekannt, dass AWD-Gründer Carsten Maschmeyer (Freund von Schauspielerin Veronica Ferres), 2007 eine Anzeigenkampagne für Wulff bezahlt hat.

  • 21. Dezember 2011: Ein Geerkens-Anwalt bestätigt erstmals, dass Egon Geerkens nun doch an den Verhandlungen über den Privatkredit an Wulff beteiligt gewesen ist.

  • 22. Dezember 2011: Wulff geht erneut in die Offensive und drückt sein Bedauern darüber aus, dass die Finanzierung seines Privathauses in der Öffentlichkeit "irritierend" gewirkt habe. Wulff weiter: "Ich hätte auch den Privatkredit dem niedersächsischen Landtag damalig offenlegen sollen. Das war nicht geradlinig, und das tut mir leid."

  • 22. Dezember 2011: Wulff entläst seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker.

  • 1. Januar 2012: "Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und die "Süddeutsche Zeitung" vermelden, dass Wulff am 12. Dezember, dem "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann auf die Mailbox gesprochen hätte und bei Veröffentlichung des Artikels zur "Kreditaffäre" dem Springer-Haus mit dem "endgültigen Bruch" gedroht habe.

  • 2. Januar 2012: Wulff äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Seine neue Sprecherin, Petra Diroll, erklärt allerdings, dass für den Bundespräsidenten die Presse- und Rundfunkfreiheit "ein hohes Gut" sei.

  • 2. Januar 2012: "Bild" bestätigt den Anruf Wulffs. Wulff habe sich aber zwei Tage später für die Mailbox-Ansage entschuldigt. Der Verlag bestätigte ebenfalls, dass Wulff bei Springer-Chef Mathias Döpfner in dieser Angelegenheit angerufen habe.

  • 3. Januar 2012: SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat erhebliche Zweifel geäußert, ob Bundespräsident Christian Wulff noch tragbar ist.

  • 4. Januar 2012: Bundespräsident Christian Wulff will nach Informationen der ARD im Amt bleiben. Wulff habe sich entschieden, nicht zurückzutreten, meldete das ARD-Morgenmagazin am Mittwoch (04.01.2012) unter Berufung auf zuverlässige Quellen in der Umgebung des Staatsoberhauptes.

  • 4. Januar 2012: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet in der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff weitere Erklärungen des Staatsoberhaupts. Die Kanzlerin habe volles Vertrauen darin, dass der Bundespräsident alle anstehenden Fragen umfassend beantworten werde.

    Wulff will am Abend der ARD und dem ZDF ein Interview geben. ARD und ZDF strahlen das Interview 20:15 Uhr zeitgleich aus. Es soll eine Viertelstunde dauern, teilte das ZDF mit.
    (Stand: 04.01.2012, 14:15 Uhr)