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Radio Hamburg

Präsidentenwahl in Russland

Tausende Wahlverstöße bei Putin-Wahl gezählt

Wladimir Putin

Der neue Präsident Wladimir Putin und der scheidende Kremlchef Dmitri Medwedew.

Putin gewinnt die Präsidentenwahl nach ersten Auszählungen deutlich. Die Opposition spricht von Manipulationen und kündigt Massenproteste an.

Moskau, 05.03.2012

Die russische Wahlkommission hat Regierungschef Wladimir Putin offiziell zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt. Der 59-Jährige habe 63,75 Prozent der Stimmen bei dem Urnengang erzielt, teilte der Chef der Zentralen Wahlkommission, Wladimir Tschurow, am Montag in Moskau mit. Putin lag damit deutlich unter seinem vorigen Ergebnis von 71,3 Prozent im Jahr 2004. Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag bei 65,3 Prozent der rund 110 Millionen Berechtigten. Die Behörden teilten außerdem mit, dass Putin in der russischen Hauptstadt Moskau die Mehrheit knapp verfehlt habe. Er landete demnach bei 47,22 Prozent der Stimmen. Auch in seiner Heimatstadt St. Petersburg blieb der frühere Geheimdienstchef unter dem Landesdurchschnitt. Dort erreichte er 58,7 Prozent der Stimmen.

In den beiden größten Städten des Landes hatte es zuletzt beispiellose Proteste gegen Putin gegeben. Auf Platz zwei der Präsidentenwahl landete Kommunistenchef Gennadi Sjuganow mit 17,19 Prozent der Stimmen. Der erstmals zugelassene Milliardär Michail Prochorow kam auf 7,82 Prozent, der Ultranationalist Wladimir Schirinowski auf 6,23 Prozent und der Linkskonservative Sergej Mironow auf 3,85 Prozent der Stimmen. Sie verfehlten das Ziel, Putin in die Stichwahl zu zwingen.

Die Russen in Norddeutschland haben ihre Stimmen im russischen Konsulat in Hamburg abgegeben und auch sie haben sich klar für Putin entschieden. In Hamburg ist allerdings der Milliardär Prochorow Zweiter geworden, der in Russland hinter Kommunisten und Nationalisten gelandet ist.

Massive Proteste und Wahlverstöße

Putin hatte sich am Sonntagabend kurz nach Schließung der Wahllokale zum Sieger der von Betrugsvorwürfen überschatteten Abstimmung erklärt. Die zur Wahl nicht zugelassene Opposition kritisierte die Abstimmung als nicht ehrlich und kündigte für den Abend Massenproteste in Moskau und St. Petersburg an. Auch das Lager von Putin, das am Sonntagabend mehr als 100.000 Menschen auf die Straße gebracht hatte, will erneut Zehntausende Unterstützer des gewählten Präsidenten mobilisieren.

Putin wird nach 2000 und 2004 im kommenden Mai zum dritten Mal in den Kreml als Präsident einziehen. Gemäß geänderter Verfassung regiert er dann erstmals sechs Jahre und damit zwei Jahre länger als zuletzt in diesem Amt mit fast unbegrenzter Machtfülle. (dpa)