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Radio Hamburg

Präsidentschaftswahlkampf in den USA

Mitt Romney überzeugt bei TV-Duell

Denver, 04.10.2012

Mitt Romney greift beherzt an. Barack Obama wirkt in der ersten TV-Debatte über weite Strecken matt. Die Frage ist: Reicht es für Romney, um den Rückstand aufzuholen?

Überraschung bei der ersten TV-Debatte im US-Wahlkampf: Der Herausforderer Mitt Romney hat Amtsinhaber Barack Obama streckenweise erheblich unter Druck gesetzt. Während Romney immer wieder angriff und Obama die hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Wirtschaftslage vorwarf, tat sich Präsident Obama sichtlich schwer. "Ich bin beunruhigt über die Richtung, die Amerika in den vergangenen vier Jahren eingeschlagen hat", sagte Romney am Mittwochabend in seinem Schlusswort. Amerika brauche einen neuen Kurs. Viele Beobachter hatten nicht mit einem so defensiven Obama gerechnet.

 

Obama verheddert sich in Floskeln

Obama konterte, er habe das Land aus der schweren Finanzkrise geführt. Dagegen schade Romneys Politik der Mittelschicht und nutze den Reichen. "Wenn Sie mich wählen, so versichere ich Ihnen, auch in der zweiten Amtszeit so hart zu kämpfen" wie in den ersten vier Jahren, sagte Obama. Nach einer Schnellumfrage des TV-Senders CNN noch in der Nacht meinten 67 Prozent der insgesamt 430 Befragten, der Republikaner Romney habe in der Debatte besser abgeschnitten.

Blitzumfrage: 67 Prozent sehen Romney vorn

Nur 25 Prozent sahen Obama vorn. Unklar war allerdings zunächst, ob Romneys Punktsieg ausreicht, seinen Rückstand in den Umfragen aufzuholen. Obama liegt vor allem in den am härtesten umkämpften Bundesstaaten - den Swing States - vorn. Insgesamt verlief das eineinhalbstündige Rededuell in Denver (Colorado) - das erste von insgesamt drei Debatten bis zur Präsidentenwahl am 6. November - ohne echte Höhepunkte. Beide Kandidaten verloren sich zeitweise in langatmige Erklärungen mit vielen verwirrenden Details und Zahlen.

Schlagabtausch bei den Reizthemen Arbeitsplätze und Gesundheit

Zu einem offenen Schlagabtausch kam es am Mittwochabend (Ortszeit) bei der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Romney versprach, zwölf Millionen neuer Jobs zu schaffen. Obama warf er vor, Steuererhöhungen wären Gift für die Konjunktur. Zudem hielt er Obama vor, in seinen vier Jahren Amtszeit das staatliche Defizit verdoppelt zu haben. "Der Präsident hat versprochen, er wolle das Defizit halbieren. Unglücklerweise hat er es verdoppelt." Obama konterte, Romney wolle durch Steuererleichterungen reiche Amerikaner um 250.000 Dollar (rund 194.000) im Jahr entlasten und gleichzeitig die Steuern für die Mittelschicht um mehrere tausend Dollar erhöhen. Immer wieder versuchte er, den Multimillionär Romney als Politiker der Industrie zu porträtieren. "Glaubt jemand, das Exxon Mobil mehr Geld braucht?"

Obama hielt Romney vor, dass dessen Pläne auf jeden Fall zu höheren Schulden führen müssten. "Das sagt die Mathematik, der gesunde Menschenverstand und die Geschichte." Romney widersprach Obama mehrfach. In Wahrheit wolle er die
Steuerlast für wohlhabenden Amerikaner "unter keinen Umständen" senken. Zudem würden seine Steuerpläne nicht das Staatsdefizit erhöhen. Beides seien unwahre Behauptungen, mit denen Obama seit Monaten die Öffentlichkeit täuschen wolle, meinte Romney. Der Republikaner betonte: "Ich werde Amerikas Stärke bewahren und der Mittelschicht wieder Arbeitsplätze verschaffen."

Weiteres Reizthema war die Gesundheitsreform, das wichtigste Reformwerk von Obama. Romney kritisierte, die Reform sei viel zu teuer und ein ein "Jobkiller". Obama erwiderte, Romney Politik führe dazu, dass Millionen Menschen ihre Krankenversicherung verlieren. Das Gesetz ("Obamacare") sieht im Kern vor, dass jeder Amerikaner krankenversichert sein muss. Obama versuchte zwar immer wieder, seine eigene Regierungsbilanz zu verteidigen. Seine Regierung habe in den vergangenen vier Jahren fünf Millionen neuer Jobs im Privatsektor geschaffen. Auch die Automobilindustrie habe ihre schwere Krise hinter sich. Zugleich musste er aber einräumen: "Wir haben noch viel zu tun."

Zwar gelten TV-Debatten als wichtige Ereignisse im Wahlkampf - und als großes Medienspektakel. Doch Experten warnen davor, die Redeschlachten überzubewerten. Studien zeigten, dass es in den vergangenen 50 Jahren bestenfalls zwei Debatten gegeben habe, die tatsächlich erheblichen Einfluss auf das Wahlergebnis gehabt hätten.

 

(dpa/aba)