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Radio Hamburg

Neue Regelungen

CSU befürchtet eine Zuwanderungwelle

Berlin, 31.12.2013
Syrien Flüchtlinge

Am 01. Januar 2014 öffnet sich der EU-Arbeitsmarkt. Es werden Armutszuwanderungen aus Bulgarien und Rumänien befürchtet.

Droht mit der Öffnung des Arbeitsmarkts für Rumänen und Bulgaren ab Januar eine Zuwanderungwelle? Die CSU reagiert besorgt.

Bulgariens Botschafter Radi Naidenov hat die deutsche Debatte über Armutszuwanderung aus seinem Land und Rumänien kritisiert. "Wer Vorurteile bedient und populistisch argumentiert, schadet der europäischen Idee insgesamt und damit uns allen", sagte er der Zeitung "Die Welt". Die CSU, die den Zugang zum deutschen Sozialsystem erschweren will, nannte er dabei aber nicht direkt. Mit der Öffnung des EU-Arbeitsmarkts für die beiden Länder am 1. Januar werde keine große Welle an bulgarischen Zuwanderern auf Deutschland zurollen, sagte Naidenov.

Sorgen einzelner Kommunen verständlich

Bulgarien und Rumänien hätten bei der Aufnahme in die EU 2007 alle Eintrittsvoraussetzungen erfüllt und lange Übergangsfristen von sieben Jahren akzeptiert, erklärte der Botschafter weiter. "Jetzt müssen für uns die gleichen Rechte und Pflichten gelten wie für alle anderen EU-Mitgliedsstaaten." Die Vizevorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Annelie Buntenbach, warf der CSU dumpfen und brandgefährlichen "Verbal-Aktionismus" vor. "Für Horrorszenarien gibt es keinen Grund", sagte sie der Zeitung "Neues Deutschland". Sie verstehe aber die Sorgen einzelner Kommunen. "Doch das Problem ist meist, dass dort die Beschäftigungslage insgesamt besonders problematisch ist und gleichzeitig Integrationsmaßnahmen der Sparpolitik zum Opfer gefallen sind."

Kindergeldbezug an Bedingungen knüpfen

Allerdings empfiehlt die Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft zu Armutswanderung aus Osteuropa, den Kindergeldbezug an Bedingungen zu knüpfen, wie die "Bild"-Zeitung berichtet. Die Zahlung könne an den Schulbesuch oder den Aufenthalt des Kindes in Deutschland gekoppelt werden. Das Bundesfamilienministerium solle nun "sachverständig überprüfen", ob das mit EU-Recht und dem Grundgesetz vereinbar wäre. Nach Ansicht des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) muss Deutschland generell für Zuwanderer attraktiver werden. Denn bis 2020 sinke das Potenzial an Erwerbstätigen um 6,5 Millionen Menschen, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. "Wenn wir stärker wachsen wollen, müssen wir auch qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland herein holen. Und diese Menschen müssen die Möglichkeit bekommen, integriert zu werden."

Kritik an deutschen Behörden

Die Attraktivität Deutschlands zu steigern, habe nicht nur mit Geld zu tun. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, sieht noch große Defizite bei der Willkommenskultur für Einwanderer. Das Auswärtige Amt begegne ihnen mit restriktiven Visabestimmungen, von Bundespolizisten würden sie "angeblafft", ob sie Sozialleistungen beziehen wollten, und die Ausländerbehörden verhielten sich abweisend, sagte er der "Saabrücker Zeitung". Die CSU muss nicht nur im Mai die Europawahl, sondern vorher schon im März Kommunalwahlen bestehen. Sie spricht davon, die Zuwanderung von Armutsmigranten aus EU-Krisenregionen durch schärfere Bezugsregeln im Sozialsystem einzudämmen.

CSU-Forderungen stehen im Koalitionsvertrag

Ertappte Betrüger sollten ausgewiesen und mit einer Wiedereinreisesperre belegt werden, so wie es das EU-Recht ermöglicht. "Wer betrügt, der fliegt", heißt es in der Beschlussvorlage für die Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten Anfang Januar in Wildbad Kreuth. CSU-Chef Horst Seehofer zeigte sich verwundert über die Kritik an seiner Partei. Deren Forderungen stünden alle im Koalitionsvertrag. "Was wir nicht wollen - das war Gegenstand unserer Wahlprogramme und ist Gegenstand der Koalitionsvereinbarung -, das ist eine Zuwanderung in die Sozialsysteme", sagte er in München. (dpa)

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