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Radio Hamburg

Hat die Mutter ihre Aufsichtspflicht verletzt?

Zwei Geschwister in Weißenfels verschwunden

RHH - Expired Image

In Weißenfels macht sich ein Geschwisterpaar zum Spielplatz auf. Das Mädchen wird später tot im Fluss entdeckt, sein Bruder bleibt zunächst verschwunden.

Weißenfels/Halle, 19.02.12

Zwei Geschwister sind beim Spielen in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) verschwunden, das Mädchen wurde tot in der eiskalten Saale entdeckt, vom Bruder fehlte zunächst jede Spur. Ein Verbrechen schließen die Ermittler bisher aus, wie Polizeisprecher Ralf Karlstedt am Sonntag in Halle sagte. Die Stadt blies nach dem Fund der toten Fünfjährigen den Karnevalsumzug ab und organisierte eine Gedenkfeier.

Die Mutter hatte ihre fünf und sechs Jahre alten Kinder am Samstagnachmittag gegen 15.50 Uhr bei der Polizei als vermisst gemeldet, weil die Geschwister nicht wie vereinbart auf einem Spielplatz waren, keine 250 Meter vom Wohnhaus entfernt. Das hatten sie nach Auskunft der 43-Jährigen gegen 15.00 Uhr verlassen.

Umfangreiche Suchaktion

Sofort leitete die Polizei eine umfangreiche Suchaktion ein. Kurz nach 23.00 Uhr entdeckten Beamte die bekleidete Fünfjährige nahe eines Wehrs tot im Fluss. Von der teils mit Eisschollen bedeckten Saale, die an dieser Stelle schnell fließt, seien es bis zum Zuhause der Kinder nur wenige hundert Meter, sagte der Polizeisprecher.

Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera, Taucher, Fährtenhunde und zahlreiche Polizisten waren seither im Einsatz, um den weiter vermissten Sechsjährigen zu finden. "Von dem Jungen haben wir nach wie vor keine Spur", sagte Karlstedt am Sonntag.

Drei weitere Kinder

Mutter und Vater der Familie leben getrennt, der Vater ebenfalls in Weißenfels, einer 41 000-Einwohner-Stadt im Süden Sachsen-Anhalts. Nach Polizeiangaben hat die Familie neben dem Sechsjährigen und der Fünfjährigen drei weitere Kinder, die auch bei der Mutter in einem kleinen, grauen Einfamilienhaus leben. Die Familie wurde nach dem Fund des toten Mädchens psychologisch betreut.

Hat sie ihre Aufsichtspflicht verletzt?

Die Todesursache der Fünfjährigen stand zunächst nicht fest. Womöglich werde die Leiche obduziert, sagte Karlstedt. Der Polizeisprecher rechnete nicht damit, dass gegen die Mutter wegen Verdachts auf Verletzung der Aufsichtspflicht ermittelt wird, weil der Spielplatz vom Wohnhaus nicht weit entfernt sei.

Gedenkfeier statt Karnevalsumzug

Statt des geplanten Karnevalsumzugs werde es am späten Sonntagnachmittag ein Gedenken der Bürger in der Marienkirche der Kleinstadt geben, sagte Oberbürgermeister Robby Risch. "Es ist ein
Trauma." Zwar sei denkbar, dass sich der Junge in der Nacht versteckt habe. "Große Hoffnung gibt es leider nicht."

(dpa)